Was für eine Schande, in einem Land zu leben, in dem der Staat zur Not chronisch Kranke opfert.
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Versuchskaninchen Diabetiker

Während Energiekonzerne inzwischen schräg angesehen werden und politische Instrumentarien gegen die Preiswillkür dieser gnadenlosen Ausbeuter anlaufen, müssen chronisch Kranke, die auf optimale Medikation angewiesen sind, um ihre Lebenserwartung nicht zu verkürzen, darum bangen, dass die Politik sie nicht über die Konzernklinge springen lässt.

Was wäre gewesen, wenn der Staat den Bürgern vorgeschrieben hätte, nur noch ein oder zwei Zimmer im Haus zu beheizen? Was wäre gewesen, wenn der Staat die Vorschrift erlassen hätte, dass nur noch an jedem zweiten Tag warm gegessen wird? - Was für den Energiegebrauch ganz unmöglich klingt und auch nicht durchsetzbar ist, vollziehen G-BA und IQWiG an der immer größer werdenden Gruppe der Diabetiker.

Während bei den Energiepreisen sich der Globalisierungs- und Privatisierungswahnsinn als reines Konzernbereicherungsinstrument selbst entlarvt, während auf diesem Sektor des gescheiterten "Wettbewerbs" staatliche Restriktion eingeleitet wird, bleiben die Diabetiker in Sachen kurzwirksames Analoginsulin auf der Strecke der Marktmechanismen hängen. Hier glaubt der Staat noch, er könne diese Gruppe marktmächtig gegen die Preiswillkür der Konzerne ins Feld führen.

Versuchskaninchen Diabetiker
Versuchskaninchen Diabetiker
Um neoliberal gewünschte Marktabhängigkeiten nicht anzutasten, hantiert der Staat mit dem kostbarsten Gut seiner Bürger wie ein Pokerspieler. Der Staat riskiert die Gesundheit der Diabetiker wie ein Besoffener am Spielautomat und wirft einen menschlichen Grundwert nach dem anderen in den konzerneigenen Werte-Verbrennungsofen. Die Sicherheit seiner Bürger geht ihn nichts an. Lieber installiert er Gremien mit schillernden Bezeichnungen und betreibt eine Psychoterrorkampagne nach der anderen.

In Deutschland sind Diabetiker in einer prinzipiell ähnlichen Gefahr wie ein Murat Kurnaz, der mal eben für etliche Jahre der Folter ausgesetzt wurde, weil der Deutsche Steinmeier nach Vorschrift handelte. In Deutschland macht der Staat das große Konzernspiel mit und setzt Millionen Jugendliche frei, entzieht ihnen das Zugehörigkeitsgefühl, verwendet chronisch Kranke als Spieleinsatz, hetzt gegen Ausländer. Roland Koch, unser Mann an der Front.

Der deutsche Staat hat sich spätestens seit Gerhard Schröder, der ja nun in seinen russischen Millionen schwimmt, zum Globel-Player entwickelt, dem die Menschen nur noch Material sind. Der Markt und seine Prinzipien sind die Götter, denen der Staat dient. Menschen sind der Rohstoff, den es nur noch zu verwalten gilt.

So wie sich das Undenkbare im Fall Steinmeier/Kurnaz in die noch schmutzige deutsche Seele zurückschlich, so entwickelt Deutschland unmerklich und schön unter der Haut die neue Verkaufsstrategie für Menschenschicksale. Der Medikamentenbedarf chronisch Kranker wird zum Eselsrücken, auf dem die deutsche neonational-liberale Politik herumreitet. Es gilt, den Menschen massiv zu unterdrücken, wenn er Hilfe braucht. Es gilt, Macht über Menschen als Werkzeug zu benutzen, um den eigenen Vorteil zu maximieren, eigene Denkmuster duchzusetzen. Deutsche Politik muss sich in ihrer inneren Logik wieder zum Leichenproduzent wandeln, weil sie in diesen Bahnen geistig zu Hause ist.

So kann sich ein Müntefering mal eben verpissen, obwohl er selbst festgelegt hat, dass andere die Rente erst mit 67 Jahren erhalten. So kann sich ein Schröder davonmachen und Millionen einkassieren, der selbst den großen Hartz-Betrug eingefädelt hat. So sind die neuen alten Menschenschindermechanismen in Deutschland wieder zu Hause. Sie sind die Achse des deutschen Denkens.

Was für eine Schande, in einem Land zu leben, ein Bürger eines Landes zu sein, das Menschen markttechnisch gegen Konzernwillkür ausspielt. Was für eine Schande, in einem Land zu leben, in dem der Staat zur Not chronisch Kranke opfert, um Konzernpreise nicht zahlen zu müssen. Was für eine Schande!
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Kommentare:
Im März 2008 feierte Frau S. ihren 50. Geburtstag. Die (relativ junge) Frau wohnt in Köln. Sie war aber zu kraftlos, diesen Geburtstag zu feiern und selbst das Telefonieren mit einigen Gratulanten fand sie zu anstrengend, denn seit der Einführung unserer neuen Gesundheitsreform geht es ihr von Tag zu Tag schlechter.

Frau S. ist seit ihrer Kindheit Diabetikerin und benötigt eine Insulinpumpe. Vor Monaten wurde das Insulin, das sie seit Jahren erfolgreich einsetzt, aus Kostengründen abgesetzt, was in einem Klinikaufenthalt auf der Intensivstation endete, denn die Patientin erhielt davor ein ihr unbekanntes Gerät mit englischer Beschreibung ohne entsprechende Schulung im Umgang mit dieser Insulinpumpe. Das mit der einfachen Begründung, eine Schulung sei zu teuer. Durch Bekannte aus Hamburg erhielt sie dann kurzfristig in Hamburg problemlos das jahrelang erfolgreich benutzte Insulin, was ihr aber in Köln kein Arzt mehr bewilligt, weil es zu teuer sei.

Ziemlich pünktlich zu ihrem Geburtstag teilte die Ärztekammer Frau S. schlicht und einfach mit, das sei eben Gesetz, sie sei mit ihrem Diabetes eben zu teuer und außerdem habe sie ja schon sowieso überdurchschnittlich lange gelebt.

Demnächst bekommt die Frau auch keine Insulinpumpe mehr, was natürlich für einen Diabetiker dank unserer Gesundheitsreform ein Todesurteil bedeutet.

Das ist allerdings nur eine kleine Kostprobe, wie unser Sozialstaat in den letzten drei Jahren mit Kranken, Arbeitslosen und pflegebedürftigen Menschen umgeht.

Wenn ein Mensch oder die Presse auch nur einen Funken Interesse an der Gesellschaft hat, in der wir inzwischen leben, wäre es angebracht, diesen Fall gemeinsam mit der Patientin ordentlich zu recherchieren und zu veröffentlichen, möglichst, so lange Frau S., die Mutter meines Patenkindes noch lebt.

Die Zeit drängt und wir alle als Gemeinschaft machen uns an solchen Zuständen mitschuldig. Während die Wirtschaft angeblich boomt, sich einige Unternehmer und Bosse die Taschen vollstopfen, verhungern und sterben Menschen vor unseren Augen, wenn wir diese nicht schließen!

Peter-O [23.04.2008]
Liebe Leser!

Am Sonntagmorgen (20.4.2008) rief mich Beate weinend an, dass sie es vor Schmerzen auch in den Füßen kaum aushalten kann und sie weiß nicht recht, wie sie es schaffen soll am Montag zum Arzt zu gelangen, denn jeder Schritt schmerzt. Sie fürchtet, dass der Arzt ihr wieder ein Schmerzmittel (Betäubungsmittel) verschreibt und sie dann wie betrunken herumtorkelt und wieder Darmprobleme bekommt.

Beate versuchte jemanden zu mobilisieren, der sie zum Arzt begleitet, um einmal Zeugen dabei zu haben, wie der Arzt mit ihr umgeht. Das fängt ja bekanntlich mit den stundenlangen Wartezeiten für Kassenpatienten an und setzt sich dann nahtlos bis zur Unendlichkeit fort.

Sie wollte ihren Arzt um etwas mehr Insulin bitten, weil sie kaum etwas essen kann und zusätzlich soll er sich dafür einsetzen, dass sie ihre Spezialbrille, die sie nach der Augenoperation benötigt, endlich bekommt, damit sie ihre Insulinpumpe beim Programmieren vernünftig sehen kann. Beim letzten Besuch soll er gesagt haben: "Sie könnten schon längst Ihre orthopädischen Schuhe haben, wenn sie sich den Vorderfuß hätten abnehmen lassen.

Bei einer Beschwerde bei ihrer Krankenkasse gratulierte man ihr gewissermaßen und sagte ihr, sie sollte doch zufrieden sein, dass sie immer noch nicht blind sei, noch ihre Beine habe und überhaupt noch lebt. Was die Kasse macht, würde noch dem Gesetz voll ausgeschöpft. Das sei eben unsere Gesundheitspolitik. Mehr kann man nicht machen!

Am Montag rief mich Beate an. Sie war heute beim Arzt und hat anschließend ihre Spezialbrille bei Fielmann in Auftrag geben können. Diese Brille sollte ursprünglich angeblich 700,- Euro kosten. Jetzt bekommt sie die Brille für eine Zuzahlung von ca. 50,- Euro. Jetzt heißt es nur noch etwas sparen, um die Brille bezahlen zu können, wenn sie fertig ist.

Ich bin inzwischen ziemlich ratlos und fertig mit meinen Versuchen zu helfen und Beate hat Angst, dass sie sich noch mehr Ärger einhandelt, weil wir den ganzen Mist versuchen zu veröffentlichen. Sie beendete unser Telefonat mit den Worten: "Ich habe einfach keine Kraft mehr ..."

Peter-O [23.04.2008]
Nun ist einige Zeit vergangen seit dem dieser Artikel geschrieben wurde. Das gesamte Gesundheitswesen soll zum Spielball der "Freien Marktwirtschaft" verfügbar werden von Krankenversicherung bis Zuzahlungen. Das ist die Folge der Lohnnebenkosten-Diskussion. Die begann unter Schröders SPD, der auch prompt von den Arbeitgeberverbänden belobigt wurde. - Nun, alles hat seinen Preis. Schröder hat dafür gute Posten in der Wirtschaft bekommen. Die SPD Wahlniederlagen. Jetzt würgen uns die zwei Damen an der Regierungsspitze im Auftrag Ihrer Klientel.

Es wird Zeit zu sagen und zu zeigen "Wir sind das Volk".

heiner, 06.02.2010
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Letzte Aktualisierung am 07.03.2008

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