So ist Nazideutschland möglich geworden.
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Mehrheit ist für Steinmeier

Über 70 Prozent finden, er soll im Amt bleiben.

"Man sieht ja nur, wie die Nachbarn verschwinden! Was will man denn da machen?"
"Viele waren aber auch sehr damit einverstanden, als die Juden weggebracht wurden."
"Man hat es einfach nicht erfahren, was da vor sich ging."
Die menschliche und verantwortliche Verarbeitung der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands gipfelte in der letztlich unbeantwortet gebliebenen Frage der Folgegeneration, wer was gegen den Holocaust getan hat.

Es ist nicht leicht, gegen einen stinkenden, bluttriefenden, deutschen Mainstream anzugehen. Es gab nur wenige, die aufstanden, ihre eigene menschliche Ehre gegen das nationalsozialistische Verdorbenwerden zu verteidigen. Dafür haben sie mit dem Leben bezahlen müssen.

Beginnt sich im selben Land, im selben Volk, das selbe Denken, der selbe Mechanismus, nach sechzig, siebzig Jahren zu wiederholen?

Zu Zeiten eines deutschen, aber ganz "harmlosen und positiven" Patriotismus wird ein deutscher Türke nach höchst amtlicher Entscheidung bewusst in der Folterhölle Guantanamo belassen und sein Leidensweg um volle vier Jahre verlängert. Da ist wieder einer weggebracht worden und "man konnte einfach nichts dagegen tun". Und außerdem ging es wieder um einen, von dem man annahm, dass er Deutschland schaden würde.

Ein hoher deutscher Staatsbeamter fällt vier Jahre lang die Entscheidung, an diesem Türken genau das selbe zu wiederholen, was Millionen Mitläuferdeutsche zu Hitlers Zeiten an den Juden verbrochen haben. Dieser deutsche Staatsbeamte, heute deutscher Außenminister, trägt den starken Namen Steinmeier. Und er schwimmt in übergroßer, breiter Zustimmung der Deutschen.

Das Votum der deutschen Bevölkerung zur Entscheidung Steinmeiers in Sachen Türken foltern lassen, eröffnet den Blick in die deutsche Seele. Hat deutsches Volk nichts dazugelernt? Braucht deutsches Volk nur billige Vorteile und stimmt dann allem zu, was Ethik und Menschlichkeit mit Füßen tritt? Braucht deutsches Volk heute wie damals nur die Gewissheit, dass es dem Deutschblütigen nicht passieren kann? Und Deutschblütigkeit ist dabei nicht nur das Arische der Gene, sondern auch die deutsche Gesinnung.

Deutschlands Staatssystem, das den direkten Einfluss des deutschen Volkes aus Vorsicht weitgehend ausschließt, wird durch die breite Zustimmung der Deutschen zu Steinmeiers Kurnaz-Entscheidung geradezu als wichtig und richtig bestätigt. Scheinbar ist der Ausschluss des deutschen Volkes von politischen Direktentscheidungen das einzige Mittel, so etwas wie den Holocaust wirksam zu verhindern. - Ist das deutsche Volk wirklich so kaputt, unmenschlich und grausam, dass es auf diese Weise "entschärft" werden muss?

Der Fall Steinmeier sagt JA. Der Fall Steinmeier bestätigt in seiner gesamten Substanz, dass mit Deutschland seit der Hitlerzeit noch nichts wirklich in Ordnung gekommen ist und dass Deutschland zu jedem beliebigen Zeitpunkt und Anlass seine unmenschliche Seite zu zeigen bereit ist. So wird Herr Steinmeier in seiner Rollenübernahme des deutschen Mitläufers zu Nazizeiten, in seiner Funktion als wegschauender Deutscher von 70 Prozent der Deutschen in seinem Handeln bestätigt. Deutsche Mehrheiten heiligen die niedrigste Unmenschlichkeit. Solange sie den vermuteten deutschen Interessen dienen könnte.

Diese deutschkürliche Unmenschlichkeit manifestiert sich auch in anderen Dingen. Wer die Bundesrepublik Deutschland als Ganzes beobachtet und das Alltagsverhalten der Menschen in Deutschland dazu in Bezug setzt, erkennt deutlich einen Wandel in Richtung Selbstverwirklichung uralten Deutschtums. Unmenschlichkeit wird im Großen wie im Kleinen wohlwollend in Kauf genommen, voller Selbstliebe zelebriert. Mal ist es der schnelle Aktiengewinn auf Kosten abhängig Beschäftigter, mal ist es das persönliche Hobby des deutschen Autofetischisten, das sich überdeutlich über die Bedürfnisse anderer Menschen hinwegsetzt.

Herr Steinmeier kann jedenfalls nur seinen deutschen Zustimmungswilligen plausibel machen, dass es nötig war, Deutschland vor dem 19-jährigen Murat Kurnaz zu schützen. Für Steinmeier ist die höchste moralische Instanz die vermutete Interessenlage der deutschen Nation. - Das hatten wir schon einmal.

In Deutschland findet mit der Fokussierung des allgemeinen Bewusstseins auf wirtschaftliche und nationale Interessen ein Ruck in Richtung Sorglosigkeit statt, der den Weg für nationalsozialistisches Denken und Handeln ebnet und von Verantwortlichkeit befreit. Deutsche Nationalprimitivität erfasst heute sogar Staatsminister in höchsten politischen Verantwortungsbereichen. SPD-Mitglieder folgen willig und gedankenlos diesen urdeutschen Mechanismen und legitimieren so einen Neuanfang deutscher Frechheit, die sich über alle Menschlichkeit hinwegsetzt. Diesen "Wertewandel" verantworten Leute wie Peter Sloterdijk, die mal eben so etwas wie die Globalisierung als Naturgesetz hinstellen. Mit diesem Denken wird einer diffus-deutschen Notdürftigkeit Raum gegeben, die die Entscheidung zur Menschlichkeit als Absurdum und Unmöglichkeit hinstellt. Moralische Bedenken geraten so unter die Räder hoch angesiedelter Ideen, Ideologien, die als Naturgesetz angesehen werden.

Der Mensch, der sich seiner Verantwortung erinnert, erntet die Verachtung der Mehrheit.
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Letzte Aktualisierung am 08.03.2007

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