 |
Sloterdijk wird endlich konkret
Wirtschaftswoche: "Heute dürften die meisten Menschen den Eindruck haben, dass Fortuna sie verschmäht."
Sloterdijk: "Eine ungerechtfertigte Täuschung. Tatsächlich haben wir ein Fortunatus-Märchen im Großformat realisiert. Selbst wer nichts verdient, begegnet im Sozialstaat einer Minimal-Fortuna - auch wenn sie heute einen so unschönen Namen wie Hartz IV trägt. Das ist zwar eine ziemlich abgemagerte Glücksgöttin - aber sie tut weiter ihren Dienst. Selbst für die Ärmsten hält sie etwas
bereit. Sie hält das Prinzip Gratis aufrecht, ohne welches das große Umverteilungsspiel zum Erliegen käme."
Wenn "selbst die Ärmsten" mit dem "Prinzip Gratis" beglückt werden, was ist dann mit den Reichen? - Möchte Sloterdijk die Ausschüttung ungerechtfertigter Reichtümer nur über die Reichen verteilt wissen? Haben die Reichen mehr Rechte in Sloterdijks Fehlkonstruktion eines Fortunatus-Märchens?
Und wozu ist der Sozialstaat eigentlich gut? Ist er nicht realisiert worden, um die am Reibach nicht Beteiligten an offenem Kampf zu hindern?
Wenn einer im Geld- und Ruhmrausch philosophisch durch die Gegend taumelt, dann wird den Ärmsten ihre Lebensberechtigung leicht übelgenommen. Vermeintliche geistige Übermacht - erkauft mit erfolgreicher Selbstvermarktung - schlägt grundsätzlichsten sozialen Prinzipien und den davon abhängigen Menschen mitten ins Gesicht. - Notwendigste staatliche Einrichtungen werden dann zum "Umverteilungsspiel".
Nackter kann sich ein "Philosoph" nicht mehr machen. Er tritt unverhohlen als Intellektueller auf die Seite der marktgerechten Unmenschlichkeit. Seine "Analyse" geht zielsicher und erkennbar gewollt auf die unsachliche und trickreiche Kritik am Normalsten und Notwendigsten einer bisher intakten Gesellschaft. Sloterdik macht sich zum sarkastischen Vertreter marktorientierter Brutalität gegenüber den Menschen. Er macht sich zum geistigen Wurmfortsatz des Neoliberalismus. Symptomatisch ist, dass dieses Interview in der Wirtschaftwoche erschienen ist.
Das Sloterdijksche Fortunatus-Märchen im Großformat ist allemal besser als die offene Ausbeutung von auf Rohstoffen sitzenden Völkern in der Dritten Welt. US-amerikanische Taktiken haben in der Welt die Realität, das "Unmärchen" der andauernden Ausbeutung und gewinnorientierten Menschenverachtung gemacht. Sloterdijk stellt sich wissend und bewusst auf die Seite dieser traurigen geldwerten Entwicklung. - Bitte! Ist das noch Philosophie? - Wenn ja, dann nur die eines Bankers mit allzeitiger Eigene-Großmutter-Verkaufs-Option.
Wohl dem, der das "Prinzip Gratis" nicht nötig hat, denn er ist an den guten Mechanismen der Gesellschaft beteiligt und kann sich mit eigener Hände Arbeit ernähren. Übel dem, der diesen Segen ausnützt und gegen die nicht an der Gesellschaft Beteiligten sarkastisch und trickreich vorgeht, um sich einen Namen zu machen. - Über kurz oder lang wird das offenbar und entblößt.
Zu der Verwirrung und Betäubung der Menschen durch Massenmedien gesellen sich nun intellektuelle Denker aus reinem Egoismus und Geltungsbewusstsein. Der Egoismus als Triebfeder des Tuns hat Einzug gehalten in die Sphären der Philosophie. Die Verblendung und Verirrung im Denken wird in Kauf genommen, um die paar Jahre Leben so ruhmreich wie möglich zu fristen.
Sloterdijks Motivation tritt nackt auf die philosophische Bühne.
Deutsche Denker haben sich bisher gottlob als nicht käuflich erwiesen. Ändert sich das mit Sloterdijk?
Wenn die Philosophie zu Sloterdijk schweigt und darauf hofft, dass die Wahrheit quasi von selbst Unphilosophen erschlägt, geht sie konform mit Marktmacht und Unmenschlichkeit. Wer will die Philosophie vor dieser traurigen Blöße schützen?
Und ist die Philosophie nicht eigentlich das Ding, in dem Liebe steckt? Kann sich die Philosophie auf den Level der Geldabhängigkeit begeben, ohne sich selbst aufzugeben?
|
|

|