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Peters Vergleiche
Peter Sloterdijk reiht gern Vergleich an Vergleich. Je abstruser, desto wirkungsvoller. Die gedankliche Beschäftigung mit diesen Vergleichen veranlasst den Leser/Zuhörer, Fragen nach Sinn und Gehalt zu vernachlässigen. Die fast lückenlose Kette von Vergleichen wirkt wie ein Zäpfchen, das ab einer bestimmten Widerstandsüberwindung - flutsch - eingängig ist.
Wirtschaftswoche: "Und wir reagieren darauf mit der Verteidigung der Komforzone?"
Ach, Wirtschaftswoche! Die richtige Vergleichsumdrehung wäre gewesen: Friedenszone. Nicht Komforzone, sondern Friedenszone. Denn es ging vorher um Kampfzone. Aber das scheint von beiden Parts so gewollt zu sein. Zufall? Absprache? - Die Brücken, die die Wirtschaftswoche dem Herrn Peter Sloterdijk baut, sind schon peinlich.
Sloterdijk: "Die Wirklichkeit ist ein Multiagentensystem, da muss man ständig mit Konkurrenz und anderen bösen Überraschungen rechnen." Oh, doch keine Koexistenz? "Dennoch bleiben wir von unserer mentalen Verfassung her Geschöpfe der Verwöhung, immer auf der Suche nach Entlastungen und lokalen Gemütlichkeiten. Die Umstellung auf ein permanent gefährliches Leben ist
eine Zumutung."
Das hätte er auch den Steinzeitmenschen erzählen können. Die hätten’s mit dem Rücken zur Höhlenwand sofort begriffen.
Wirtschaftswoche: "Es gibt viele solcher Zumutungen. Die Demographen läuten Alarm, und die Fangopackungen der großen Solidarsysteme versagen ihren Dienst."
Das Benutzen von Vergleichen als Flutschmittel scheint ansteckend zu sein. Die Wirtschaftswoche gleicht sich so willig dem Peter Sloterdijk an, wie die Hure dem Freier. Nur! Dort ist klar, dass es nur Geschäft ist. - Und Peter Sloterdijk schwimmt in der Sauce der Allwissenheit mit. Er fühlt sich sichtlich wohl.
Sloterdijk: "Jahrzehnte lang (sic) haben die Kranken- und Rentenkassen als unsere unsichtbaren Wellness-Dienstleister dafür gesorgt, dass es uns auf fast mysteriöse Weise gut ging. Heute müssen wir feststellen, dass die guten Feen im Hintergrund ihren Dienst versagen. Fee-Sein ist bei uns kein Zukunftsberuf mehr. Es sind keine hübschen Waldfrauen, die uns bei Krisen unter die Arme greifen; faltige Sachbearbeiterinnen rechnen uns mit sorgenvoller Miene die Reste von unseren Renten aus. Hat man solche Sekretärinnen des Schicksals erst einmal mit eigenen Augen gesehen, begreift man, dass nichts so sein wird wie zuvor."
Nachdem wir uns so einig sind, dass wir alle die selben Worte plappern (Dienst versagen, Dienst versagen), sollten wir uns erst einmal bei allen faltigen Sachbearbeiterinnen entschuldigen. Was der Herr Professor hier meint, sind nicht Sie! Fühlen Sie sich also nicht angesprochen.
Regen wir uns lieber über die Feen und den ehemaligen Beruf Fee-Sein auf! Schon die Einteilung der Sozialsysteme in die Kategorie der sieben Zwerge hinter den sieben Bergen macht uns überdeutlich, dass hier ein Mann zur Welt spricht, der selbst wie Dagobert Duck unter der Gelddusche steht. Was ist von einem Menschen zu erwarten, der durch Reichtum vollkommen von Sozialsystemen unabhängig ist?
Die Sprache der aneinandergereihten Vergleiche abstrusester Art vermeidet die Nachfrage, ob ein Einebnen der Sozialsysteme wirklich sein muss. Diese Frage erscheint in der Öffentlichkeit mit ihrem Auftauchen auch immer gleich als beantwortet. So wie der Fotoapparat Fotos macht, das Messer Butter schmiert oder die Wirtschaftswoche intelligente Interviews führt.
Eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema tut wenigstens so, als würde sie den selbstverständlichen Tod der Sozialsysteme anzweifeln. Sloterdijk verzichtet mit Blick auf die Verführungskraft seiner Vergleichskunst auf solche Differenzierungen. Sie sind für ihn unnötig. Oder nur unbequem? Hat Herr Sloterdijk dieses Interview in einem tiefen Ohrensessel sitzend geführt. Oder liegend?
Das automatische Absterben der Sozialsysteme ist das Gespenst, das ausschließlich von Globalisierungsbeflissenen als existent hingestellt wird. Die Wirklichkeit der Armut, die in der europäischen Welt noch gut versteckt ist, wird mit ihrem Hervortreten an die Augen der Öffentlichkeit höchstselbst ein anderes Denken fordern. Auch wenn wir den Blick vor z.B. der afrikanischen Armut verschließen (lokale Gemütlichkeit eines Sloterdijk), wird die Notwendigkeit von
effektiven Sozialsystemen die Welt immer wieder bewegen. Da hilft auch nicht die Abgehobenheit professoraler Ignoranz gegenüber Fakten, die täglich an Gewicht gewinnen.
Haben Sie die Kritik der zynischen Vernunft gelesen? Da quillt immer wieder zwischen den Seiten der Stolz hervor, als junger unbekannter Philosoph ein Buch mit einer Auflage von 500.000 etc. geschrieben zu haben. Ziel der Philosophie wäre aber eigentlich die Suche nach Wahrheit. Diese wurde aber betr. Zynismus durch die Masse manieristischer Formulierungen glatt verschüttet. Sloterdijk ist so weniger Philo-Soph, Wahrheitsliebender, als ein Meinungshändler und Marktschrei(b)er, was insbesondere die höchst überflüssige Publikation Menschenpark belegt. Fundstelle
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