Peter Sloterdijk übertreibt nicht, er phantasiert
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Peter übertreibt nicht, er phantasiert

Wirtschaftswoche: "Sie übertreiben schon wieder."

Lapidar, lapidar! Die Wirtschaftswoche gibt dem guten Herrn völlig Recht und behauptet nur, er übertreibe. Wie unansehnlich und naiv die Wirtschaftswoche die Öffnung zum Hineinkriechen sucht, das berührt peinlich. Endlich hat die Wirtschaftswoche die geistige Hülle gefunden, die ihr hilft, nach dem Munde der Mächtigen zu reden. Einen Kompetenz ausstrahlenden Experten hat sie gefunden, der die Verachtung der Menschen in intelligent erscheinende Worte zu verpacken vermag.

Doch um dieser dreisten Einseitigkeit der eindeutigen Bedienung einer bestimmten geldstinkenden Klientel etwas abzublocken, sei ein Argument der Rede des hohen Professors vorweggenommen:

Nicht das Aufwachen aus der großen Langeweile, sondern eine andere Tatsache sorgte für die Spendenrekorde! Als in Asien die Flutwelle geschwappt war, sahen die Menschen, dass es tatsächlich auch Probleme in der Welt gibt, die nicht konzerngemacht sind! Da spendeten sie, was sie spenden konnten, denn sie sahen, dass nicht menschliche Dummheit und Machtgier der Grund für die Katastrophe waren.

Sloterdijk: "Noch weniger als vorhin. Denn wenn man auf den Grund der Unterhaltung schaut, merkt man, dass da eine tiefe Langeweile am Werk ist. Langeweile ist der psychische und moralische Reflex der Unfähigkeit, von irgendetwas ganz überzeugt zu sein. Der Mangel an Überzeugendem führt dazu, dass bei den Mitspielern der Hunger nach Ernstfällen aufbricht: Man braucht den Ernstfall, um das Realitätsgefühl zu eichen."

Wirtschaftswoche: "Und das Stillen dieses Hungers wird dann medial simuliert?"

Sloterdijk: "Sagen wir: Man befriedigt den Hunger indirekt, indem man Ernstfälle importiert. Wir sind dankbar dafür, wenn uns die Not der anderen daran erinnert, wie sich die eigentlichen Kosten des Realen beziffern. Darum war die Flutkatastrophe in Südostasien im Dezember 2004 für uns ein ganz karthartisches Erlebnis. So seltsam es klingt: Es hat den Deutschen gut getan zu sehen, dass es außerhalb der eigenen traurigen Tropen noch echte Notlagen gibt. Da wusste man ein paar Wochen lang wieder, wie die Dinge stehen. Die deutschen Spendenrekorde haben bewiesen, dass wir nicht alle Maßstäbe verloren haben."

Wenn man Sloterdijks Äußerungen in einen großen Sack steckt und kräftig schüttelt, dann merkt man recht schnell, dass Sloterdijks Äußerungen nur versuchte Ernstfälle sind. Seine Machart der verachtenden Rhetorik ruft permanent nach Schlägen. Scheinbar redet Sloterdijk aus reiner Langeweile.

Der Nebeneffekt, der sich aus der Verbindung von Sloterdijks generalisierter Befürwortung des Neoliberalismus mit der immer wieder geübten Diffamierung der Deutschen ergibt, zeigt, dass Sloterdijk sich durch Provokation von seiner eigenen Langeweile erlösen will. Das spricht für seine Intelligenz. Doch ist Intelligenz ohne Charakter das Messer in der Hand eines Mörders.

Sloterdijk konstruiert auf Teufel komm raus philosophische Ansichten, die in ihrem Gehalt wegen ihrer Alltäglichkeit von jedem schon einmal so oder ähnlich erlebt worden sind. Dies führt dazu, dass ihm einfache Geister unmittelbar zustimmen können. Und wenn er dann auch noch eine gewisse Menge Signale sendet, die sagen, ich bin der Größte, dann fällt es dem Durchschnitt sehr leicht, ihn als Philosophen anzuerkennen.

Fakt ist jedoch, dass Sloterdijk in seinem Kümmern um ihm und allen anderen stets unterlegene "Weisheiten" nur Land zwischen seinem und dem normalen Denken legen will. Ein Philosoph baut sich auf. - Autsch!

Sloterdijks Realitätsgefühl richtet sich ganz auf sein eigenes Fortkommen. Mit keinem Gedanken berücksichtigt er die Lage anders situierter Menschen. Er legt seinem Denken die Vorurteile des Porsche fahrenden Managers zugrunde, der nur mit Mühe dem Penner ausweicht und minutenlang darüber flucht.

Sloterdijk ist kein Gewinn für die Philosophie, sondern nur ein halb ins Holz geschlagener Nagel, den man entweder entfernt oder lieber einfachheitshalber total plattschlägt.
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Letzte Aktualisierung am 11.03.2006

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