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Peters Verbalkampf
Wirtschaftswoche: "Die Europäer unter den kosmischen Idioten haben vor 500 Jahren die Globalisierung initiiert - und sie dem Rest der Welt kolonial aufgedrängt. Jetzt schreiben nicht mehr nur die Gewinner, sondern auch die Verlierer von einst an der Geschichte der Globalisierung mit. Ist das der Schock, der uns so brutal in die Glieder fährt?"
Wenn die These stimmt, dass die Globalisierung bereits vor 500 Jahren initiiert wurde, dann war Hitler bestimmt nur Globalisierungsgegner, oder? - Oder war Hitler der Top-Akteur der Globalisierung schlechthin? Etwas globalisierungsähnliches ist sicher von den Kolonialisten ausgegangen. Aber die Globalisierung hat mit dieser Erscheinung fast nicht das geringste zu tun. Nur eines! Nämlich die direkte Wesensverwandschaft. - Nur dass heute die Suche nach den (die Wahrnehmung der) Kolonialisten nicht stattfindet.
Wie unabdingbar einig sich Wirtschaftswoche und Sloterdijk über die Geschichte hinwegsetzen und Ungenauigkeit als Schmierfett benutzen, ist erstaunlich. In allen Sequenzen wird versucht, die Globalisierung als ein aus weiter Ferne zu uns gekommenes Etwas hinzustellen. Dass die modernen wirtschaftlichen Globalinteressen der "Global Player" Grundstein und Anfang der Globalisierung sind, wird immer wieder hinter merkwürdigen Phrasen versteckt. Die zweite Fliege, die auf
diese Weise erschlagen wird, ist die Tatsache, dass in der Globalisierung eine Neuauflage des Kolonialismus implementiert ist.
Sloterdijk: "Tatsächlich ist etwas zu Ende gegangen, nämlich die Zeit der unilateralen Weltbilder. Weil Menschen zunächst und zumeist geborene Unilateralisten und wahre Athleten der Ignoranz gegen andere sind, fällt allen die Anpassung an die neue Lage schwer: Früher konnte man ungestraft so gut wie sämtliche Mitglieder der Gattung ignorieren. Dann hat man sie kartografiert und als ethnologische Merkwürdigkeiten unter die Lupe genommen. Jetzt kommen sie mit eigenen Ansprüchen - und wir können sie nicht mehr wegdenken. Wir müssen riesige Ignoranzfelder aufgeben - und uns damit abfinden, dass die weißen Flecken auf den alten Landkarten ersetzt werden von realen Mächten und Menschen, die uns ihre Koexistenz aufnötigen. Der Schriftsteller Michel Houllebecq hat den empfindlichen Punkt getroffen: Das Signum der globalisierten Welt ist die "Ausweitung der Kampfzone"."
Die Zeit der sloterdijkschen unilateralen Weltbilder (lassen wir mal diesen Kunstbegriff durchgehen) wird nie vorbei sein. Jede diktierte Vereinheitlichung unter nicht zusammengewachsenen Systemen verursacht Abstoßungsreaktionen, die weltweit und zu allen Zeiten zu beobachten waren und sind. Die These, dass etwas geendet sei, impliziert ein neues Zeitalter. Und das ist das Pferd, auf dem die Wirtschaftsinteressen der Konzerne durch die Welt reiten und alles nivellieren und niederwalzen.
Die künstliche, aus Wirtschaftsinteressen resultierende Gleichschaltung wird auch noch in tausend Jahren diejenigen schrecken und unterdrücken, die davon keinen Vorteil, sondern nur Nachteile haben.
Mit dem Enden der "unilateralen Weltbilder" soll nur die Unterwerfung der menschlichen Regungen unter das Paradigma der absoluten Konzernmacht installiert werden. Die Auslieferung der natürlichen regionalen Bindung der Menschen an den übergeordneten Willen der Mächtigen.
Der Bauer, der seinem Herrn den Fron leisten musste, litt wirtschaftlich und menschlich wie der mittelständische Betrieb, der heute von den Herren der Globalisierung ausgebeutet wird. Nebenbei werden alle Entwicklungschancen der Dritten Welt unter die Füße des Kapitalismus getreten, damit die Konzerne allerbilligste Güter den Konsumenten andienen können.
Doch wird der Unilateralismus als Ureigenschaft des Menschen wohl immer bestehen. Diese Parzellierung der Menschengemeinschaft löst sich selbst langfristig - wenn überhaupt - in natürlichem Wachstum auf. Die Globalisierung stoppt dieses natürliche Zusammenwachsen und stülpt dem Ganzen ein künstliches Zusammengepferchtsein über.
Dass diese künstliche, Konzerninteressen abdeckende Konstruktion dafür sorgt, dass den Menschen die Anpassung an diese Lage schwer fällt, ist klar. Das braucht kein Professor zu erwähnen. Es sei denn, er stellt es in einen anderen, falschen Zusammenhang und vernebelt damit die Wahrnehmung der Menschen.
Den Ausbeutungsprozess durch die Globalisierung als Koexistenz darzustellen, ist dabei ziemlich schamlos. Die Koexistenz ist genau dann gegeben, wenn sich die Teilnehmer nicht gegenseitig stören. Doch die künstliche Zusammenführung der Nationen verursacht gerade das, was nicht Koexitenz, sondern Konkurrenz ist. Sloterdijk ist ein Meister der Verdrehung.
Übrigens ist der Begriff "Ausweitung der Kampfzone" von Houllebecq genau darauf zu deuten, dass Koexistenz eben nicht mehr stattfindet, Herr Professor!
Wenn in so genannter Koexistenz verschiedener Nationen und Kulturen Billigwaren die Welt überfluten, dann müssen logischerweise sehr viele Menschen dafür ernsthaft ausgebeutet werden. Wenn man dieser der missverstandenen Koexitenz entspringenden Unmenschlichkeit Aufmerksamkeit schenkt und mit in das Denken einbezieht, kann der Begriff "Koexistenz" nicht mehr auf den Gesamtkomplex angewendet werden! Der Gesamtkomplex ist dann nur noch Basis für optimierte Ausbeutung und Konkurrenz.
(Die grossen Werke von Sloterdijk reichen hingegen gerade mal dazu aus, ein paar kleine Philosophen zu ärgern und einigen Mitläufern zu unverdienter Ehre zu verhelfen: Ich hab’s auch gelesen! (d.h. gekauft und nach 20 Seiten in den Bücherschrank gestellt weil’s ziemlich verwirrend ist und eigentlich nichts bringt, was ich aber nicht zugeben kann, denn ein grosser Philosoph sagt sicher was wichtiges, also blamier ich mich bloss, wenn ich’s einen Stuss finde ...)). Fundstelle
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