 |
Sloterdijks Tritte
Wirtschaftswoche: "Und Müntefering hat seine Verliereridentität nur deshalb erfolgreich auf einen Teil der Deutschen projizieren können, weil diese sich auch als Verlierer fühlen?"
Müntefering ist ein ruhiger Taktiker und kein automatischer, der Politik ausgelieferter Verlierer. Müntefering hat lediglich einen Coup gelandet. Müntefering als Verliererstereotyp hinzustellen ist Programm der Wirtschaftswoche. Es geht darum, die globalisationskritischen Deutschen noch einmal gründlich ins Abseits zu stellen. Die Wirtschaftswoche möchte gerne den Eindruck erwecken, als wäre "ein Teil der Deutschen" lauter verlogene Münteferings.
Sloterdijk: "Und nicht als irgendwelche. Man darf nicht vergessen, dass die Deutschen nach 1945 in der mentalen Haltung von exemplarischen Verlierern wieder auf die Beine gekommen sind. Die besten aller Verlierer in der Geschichte sein zu wollen - das war der Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland. Deshalb sind unsere Landsleute auch so leicht bereit, in Verliererkurse zurückzuschwingen - um diesmal die Rolle des schlechten
Verlierers zu erproben. Und schon fangen sie an, die dazugehörigen schlechten Manieren an den Tag zu legen."
Wenn ich mitansehen muss, wie mir meine geplante, erhoffte, erarbeitete Substanz Stück für Stück abgesogen wird, brauche ich keinen Sloterdijk, der mich in Kategorien einteilt, mit denen ich nichts zu tun habe!
Der Gründungsmythos der Bundesrepublik Deutschland hatte sicher etwas mit Verlierertum zu tun. Aber auch mit der typisch deutschen Eigenart, aus dem Istzustand das Beste zu machen. Den Deutschen auf den Verliererstatus festzunageln, ist ein zu einfaches Mittel, sich ein nettes Honorar mit einem Interwiew zu verdienen. Oder will sich P.S. einen besonders auffälligen Namen machen?
Wenn die Menschen in Deutschland in Fett und Öl schwämmen und ihr Auskommen hätten, dann hätten sie über Müntefering schallend gelacht. Nur die Ausweglosigkeit, die Deutschland in der unsinnigen Europabindung und der ebenso unsinnigen Globalisierungsgläubigkeit "offensteht", - und deren Folgen - verursacht bei den Deutschen (endlich) eine gewisse kritische Haltung. Und schon eilen obrigkeitsspiegelnde Professoren herbei, um die Deutschen zu schelten. Nein! Zu beleidigen.
Sloterdijk macht die Lust des Deutschen am Verlierer-Sein fest und will damit skizzieren, dass es keines Münteferings bedurft hätte, damit sich die Deutschen wieder einmal kreischend wolllüstig an eingebildetem Schmerz ergötzen.
Schon dieses (Tschuldigung) beknackte Wort "Zurückschwingen" erinnert irgendwie an Sex. Swingerclub-Deutsche, die sich auf die fremde Macht des globalen Kapitals einließen, schwingen zurück in die Selbstbefriedigung des Klagens über - und des Anklagens des Kapitalismus. - So als entspräche das dem natürlichen deutschen Modus.
Der Gipfel der Infamie Sloterdijks ist der Fußtritt, den er den Deutschen wegen angenommener schlechter Manieren beibringt. Er bringt es fertig, in sehr wenigen Worten, die Deutschen auf eingebildete Verlierer mit schlechten Manieren zu reduzieren.
Ist der Mann sauer, dass er nichts Bedeutendes geworden ist trotz Selbstbeherrschung? Will er, dass die unbeherrschten Deutschen tiefergetreten werden und niemals an seinen professoralen Rang heranreichen?
Ein sachlicher Zusammenhang kann nicht als Begründung für Sloterdijks Äußerungen herhalten. Es ist kaum zu erklären, dass er eine ganze Volks- und Schicksalsgruppe derart diffamiert.
Selbst die Annahme, dass ein reicher Professor einfach nicht gemerkt hat, welche Lebenslage sich den Deutschen zur Falle entwickelte, kann nicht begründen, dass er öffentlich die Deutschen auf ein so niedriges Wesen herabzieht. Der Familienvater, der mangels Substanz seine Familie verliert, steht mit ganz anderen Erkenntnissen da.
Dies ist die professorale Ignoranz gegenüber den Menschen, die seit dem Absterben der Frankfurter Schule grassiert.
Von den Fachphilosophen, bei denen Argumente zählen, wird Sloterdijk schlicht ignoriert. Fundstelle
|
|

|