Betriebsgeheimnis der alten Bundesrepublik
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Peters Spaß

Wirtschaftswoche: "Warum aber ist es Müntefering so leicht gefallen, das kollektiv schlummernde Opfergefühl der Deutschen zu reaktivieren?"

Man spürt sehr deutlich, dass sich hier arbeitgeberfreundliche Menschen über andere, die von Hartz IV leben müssen und reihenweise "freigesetzt" werden, lustig machen. Durch die Verpackung des Höhnens über die "opfergeistigen Deutschen" als weltwirtschaftlich wissenschaftliche Placebos wird es zu einem hinterhältigen Verhöhnen und kommt dadurch noch besser.

Sloterdijk: "Weil wir genug Zeit hatten, die Formel zu verinnerlichen, ..."

Urplötzlich gehört der Herr Professor, der sich ja immerhin über Idioten auslässt, dazu. Er spricht in der Wir-Form. Mit diesem rhetorischen Trick verdeckt er geschickt den beißenden Spott, der in der Frage lag.

Sloterdijk: "... dass wir als militärische und moralische Verlierer des Weltbürgerkrieges dennoch seine ökonomischen Gewinner sein werden."

Wieder ein Formulierungstrick: "sein werden". - Richtig wäre gewesen: "geblieben wären". Durch diese Minimalverdrehung wird suggeriert, dass die Sache nur eine Einbildung gewesen sein muss. Fakt ist jedoch, dass Deutschland als Industrienation eine bedeutende Rolle gespielt hat und diese Rolle vorbildlich für die eigenen Menschen und auch für das Ausland genutzt hat.

Sloterdijk: "Nichts anderes war das Betriebsgeheimnis der alten Bundesrepublik: politische Demut, kombiniert mit triumphaler Wirtschaftsexpansion. Die Globalisierung hat diese Erfolgsformel infrage gestellt - und damit den sozialpsychologischen Grundlagenvertrag der BRD beschädigt."

Der nicht falsche Gedanke vom psychologischen "Grundlagenvertrag" der BRD dient dem Herrn Professor Sloterdijk als Vehikel, einen völlig falschen Zusammenhang herzustellen. Sloterdijk redet von "infrage stellen". Als wenn etwas auf die BRD herab gekommen sei, das nicht abwendbar gewesen wäre. - Richtig ist jedoch, dass die Entscheidung, Deutschland auf Gedeih und Verderb ins Fass der Globalisierung zu werfen, eine deutsche Entscheidung war. Wenn Kohl sie nicht (für die Konzerne) gefällt hätte, dann hätte das sicher auch ein Schröder getan. Kein Problem. - Aber festgehalten werden muss, dass die deutsche Politik eine andere Wahl gehabt hat und immer noch hat. Es geht nicht darum, die Globalisierung als Schicksal hinzustellen, sondern als das zu sehen, was sie ist. Die Globalisierung ist das automatisierte Förderband der Produktionskraft in die Taschen der Konzerne.

Wirtschaftswoche: "Hat der Beitritt Ostdeutschlands zu dieser Beschädigung beigetragen?"

Die Erkenntnis, dass die westdeutsche, konzernabhängige Politik das eigene Volk in die Armut treibt, muss immer wieder von Journalisten und Zeitungsmenschen vor den Augen und Ohren der Menschen versteckt werden. Immer wieder und so regelmäßig wie der berühmte Tropfen, der den Stein höhlt, werden von diesen "Profidenkern" Dinge als Fakten ganz nebenbei erwähnt, die nur dazu erfunden sind, die wahren Zusammenhänge und Abhängigkeiten zu verbergen. Werden diese Dinge tatsächlich als absurd bewiesen, sind sie wenigstens noch einmal zum tausendsten Mal ausgesprochen worden, damit sich die Leser noch einmal daran gewöhnen können.

Sloterdijk: "Die Hereinnahme der DDR ..."

Ach du lieber Gott! Die DDR stand draußen vor der Tür und fror. Oh, oh, oh! Da haben sich doch die Wessis mal wieder von ihrem so weichen Herzen leiten lassen!!!

Blödsinn!

Die Hypothek, die vom Westen in die Wiedervereinigung mitgebracht wurde, wird von beiden Seiten bezahlt. Und das "Lustige" ist, dass diese Hypothek immer größer wird, je mehr die Leute bezahlen. Denn die Hypothek, die Wessi-Deutschland als kleines Geschenk dem Osten überreichte, ist die Abhängigkeit von und die Hörigkeit gegenüber den Konzernen. - Das Wort Hereinnahme ist eine derartige Verblödung des sachlichen Zusammenhangs, dass Sloterdijk schon wegen dieser Wortwahl rot anlaufen müsste. Ist Ostdeutschland der mittelprächtige Fußballer gewesen, den man dann doch mal "hereinnimmt"? Oder sitzen Skatprofis am Tisch, die Ostdeutschland dann doch einmal mitspielen lassen? Aua! Was für eine professorale Hochnäsigkeit.

Sloterdijk: "... war sicher ein Abschwungsbeschleuniger. Als wir das Erbe der zweiten deutschen Diktatur integrieren mussten, merkten wir allmählich, dass die "Wiedervereinigung" ein Verliererprojekt sein kann. Die gigantischen Transferleistungen, die seit 1990 nach Ostdeutschland geflossen sind, haben dort sehr viel bewegt. Aber sie zeigen auch, dass Nationalität als solche noch kein Erfolgskonzept ist. Bei solchen Kosten macht das Deutschsein keinen Spaß mehr."

Nun hat er doch mal ausreden dürfen.

Aber was er von sich gibt, sind butterweiche lauwarme Ohrfeigen. Der Philosoph versinkt im Schlamm seiner Worte. Im gleichmäßigen Braun seiner Aneinanderreihung von Worten kann man nur vermuten, was er meint.

Er will kein Deutscher mehr sein und die Ossis haben Schuld, weil sie zu viel Kohle eingesackt haben.

Vermutlich will der Wessiprofessor nur Klischees bedienen. Aber warum? Vielleicht erschließt sich des Rätsels Lösung im weiteren Verlauf des Interviews. Wir wissen es nicht. Ich hab’s auch nur bis hierher gelesen. Ich bin selbst gespannt, wie es weitergeht.

Zur letzten Sloterdijk-Antwort: Dem Herrn Professor ist es nicht zu peinlich, die Verbindung zwischen den "opfergeistigen Deutschen" und ihrem wirtschaftlichen und psychologischen Untergang über die traurig vor der Tür stehenden Ossis zu versuchen. Das haben so viele vor ihm schon so gemacht. Warum sollte er das nicht auch noch einmal tun?

Es ist immer wieder enttäuschend, wenn sich Wirtschaftswochen und Sloterdijk-Professoren zusammen tun, um die Wahrheit mit einem Schleier undefinierbarer Gefühle zu verhüllen.

"Es macht keinen Spaß mehr, Deutscher zu sein." Hatte Sloterdijk von Hitler bis zur "DDR-Hereinnahme" denn wenigstens Spaß?

Im übrigen überschätze Sloterdijk sein, Habermas’, Interesse an seinen Arbeiten. Er, Habermas, gehöre noch einer Generation an, die glaubte, daß sich am Ende die besseren Theorien durchsetzten und nicht Selbstinszenierungen auf Kosten anderer. Fundstelle
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