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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Peters Halbwahrheiten

Wirtschaftswoche: "Gibt es eine Tradition des unverdienten Reichtums - und ist die Kritik daran mehr wert als die Behaupter eines Neidkomplexes unterstellen?"

Die Blasphemie hat gerade ejakuliert! Es stinkt zum Himmel! Während Konzerne sich den Hintern vergolden lassen, schwafeln Sloterwoche und Wirtschaftsdijk von unverdientem Reichtum der Menschen!

Sloterdijk: "Ich erzähle gern die Geschichte des ersten deutschen Wirtschaftsromans: Fortunatus, anonym 1509 zu Augsburg erschienen. Der Titelheld der Geschichte bekommt von einer schönen Jungfrau auf einer Waldlichtung ein fast unmoralisches Angebot vorgelegt: eine Liste von Vorzügen, aus den" (?) "er einen wählen darf, darunter die klassischen Tugenden, Weisheit, Tapferkeit, und dergleichen, sowie Gesundheit - und Reichtum. Ausgerechnet Reichtum! Das war bis dahin nie im Angebot. Und Fortunatus wählt die neue Offerte! Darauf erhält er eine magische Börse, die, sooft sie geöffnet wird, 40 Goldstücke in der jeweiligen Landesprägung enthält. In dem Märchen klingt zum ersten Mal das Motiv des frivolen modernen Geldgebrauchs an: die verlockende Möglichkeit, die langen Wege der Wertschöpfung zu überspringen. So wie für den echten Verbraucher der Strom aus der Steckdose kommt, so kommt für den Glücklichen das Geld aus dem Portemonnaie."

Für Sloterdijk scheint, soweit man das aus dem Datenstrom des Interviews herausfiltern kann, das Menschlein mit dem ungebrochenen Willen zum Kredit des Übels Wurzel zu sein. Dass aber Staat und Regierung, ob Monarch oder Kanzler, im Schuldenmachen den Menschen immer weit voraus waren und sind, das ficht Herrn Sloterdijk nicht an. Und dass die Wirtschaft dem Verbraucher die Kredite vorn und hinten andienten, ignoriert Sloterdijk ebenfalls. Er möchte unbedingt im Deutschen einen Charakterzug ausmachen, der verantwortlich ist für das, was globalisierende neoliberale Politik verschuldet. Dafür hüpft er von einem Fetttrog in den anderen und wird nicht müde, glitschigste Gedanken aneinander zu reihen.

Schon die Benutzung des Wortes "fast unmoralisches Angebot" entbehrt jeden sachlichen Zusammenhang. Es wird das schöne Jungfräulein wohl kaum um Beischlaf gebeten haben. Wozu kommt Sloterdijk mit der Vokabel "unmoralisch"? Möchte er nicht wieder einmal durchs Hintertürchen Attribute an Stirnen kleben, ohne das die Beklebten es realisieren?

Hinzu gesellt sich der drollige Punkt, dass Konzerne in der Globalisierung genau das zelebrieren, was Peter Sloterdijk hier den Deutschen anhängen will. Sie überspringen die Wertschöpfung und schieben sich die Gewinne zu, dass sie daran fast ersticken.

Der Deutsche - wie Sloterdijk ihn sieht - will alles und zwar umsonst. Sloterdijks Deutsche möchten nichts tun für ihr Geld. - Nein! Viel schlimmer! Sie tun tatsächlich nichts für ihr Geld. Denn wenn sie etwas für ihr Geld tun würden, müsste man ja der Politik und der Globalisierung die Schuld für die fotschreitenden Einbußen geben. - Oder Leuten, die gerne berühmte Philosophen sein wollen und dafür auch schon einmal das Gewissen wegstecken.

Alle wissen, was oberflächliches Geschwätz ist. Aber was ist eigentlich frivoler Geldgebrauch? - Zu diesem Terminus sollte sich Herr Sloterdijk entweder bedeckt halten oder klare Aussagen machen. Jedenfalls ist Frivolität im Geldverkehr wohl eher mit Bordell oder Börse zu verbinden als mit dem Haushalt eines Bundesdeutschen.

Sloterdijk verdreht schamlos Sachverhalte. Ist das eines Philosophen würdig? Die offene Häme gegenüber seinen Büchern - man findet sie im Internet - lässt vermuten, dass Sloterdijks Vermarktungserfolg auf frivolem Sprachgebrauch gründet. (Im Sinne des "frivol", das sich Herr Sloterdijk zu benutzen erlaubte.)

Dass die Philosophie sich gegen eine solche Erscheinung nicht abgrenzen kann, erschreckt. - Mit der Hereinnahme eines Sloterdijk gibt sich die Philosophie plattesten Strömungen preis und lässt sich von Politik und Geschwätz durchtränken.

Die Lehre, die sich hier aufdrängt, ist, dass Globalisierung und Neoliberalismus in alle Lebensbereiche empfindlich eingreifen und die Gesellschaft subtil aber konsequent verändern. Wer darin keine Gefahr sieht, der kann frech und frei seine entsprechenden Auffassungen ablassen. Auf der Strecke aber bleiben alle Betrogenen. Die um ihren Besitzstand Betrogenen und auch die geistig Betrogenen. Die Beifall Zollenden, die unheimlich wichtigen Rezipienten Sloterdijkscher Masche.

Wer den Leuten Wind in Tüten verkauft, ist ein wahrer Künstler.
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Letzte Aktualisierung am 11.03.2006

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