Erst traten Manager die Menschen nach unten. Jetzt tun dies auch die Denker-Elite.
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Peters Drama

Wirtschaftswoche: "Weil zu viele Hypotheken mit zu wenig Kompensation verbunden sind?"

Die Wirtschaftswoche bietet dem Herrn Professor in der Frage eine Antwort. Hypotheken sind immer das Synonym für eine fast aussichtlose Lage. Man zahlt und zahlt und zahlt. Scheinbar möchte die Wirtschaftswoche dem Herrn Professor da etwas helfend in den Mund legen.

Sloterdijk: "Und weil man mit Solidarzuschlägen und Subventionen immer tiefer ins Minus gerät. Müntefering hat das gespürt und zum Dschihad gegen den Kapitalismus aufgerufen. Das klang wie ein semantischer Selbstmordanschlag gegen die Prämissen der alten Bundesrepublik."

Oh! Solidarzuschläge und Subventionen sind also der Inbegriff des Kapitalismus? Gegen diese Totsünden gegen die Menschlichkeit hat also der Selbstmord-Attentäter Müntefering versucht zu sterben? Also nicht nur, dass Müntefering die Subventionen als kapitalistische Geißel sah, er muss auch dran geglaubt haben. Und zwar fundamentalistisch.

Wer genau gerät mit Solidarzuschlägen und Subventionen immer tiefer ins Minus? Sloterdijk lässt alle Fragen offen und haut auf die Müntefering-Kapitalismus-Pauke ein. Er mutet dem Leser den maximalen Selbstbetrug zu, wenn der Leser denn seinen Thesen gedanklich hinterherklettern will. Dem gegebenen Zusammenhang nach ist der Leser als gedanklicher Kletterer gerade durch Absturz zu Tode gekommen. Doch nach seiner Auferstehung liest er folgendes:

Wirtschaftswoche: "So weit Ihr Urteil über die Melancholiker der Globalisierung. Sie selbst darf man eher zu den Tragikern rechnen - zu jenen also, die den Zwängen der Globalisierung mit heroischem Realismus ins Auge sehen?"

Sloterdijk macht sich selbst zum leidenden Heiland, zum gekreuzigten Messias. Oder wenigstens zu einer Nase voll davon. Sein Leidensweg ist der des Allwissenden. - Obwohl, die Wirtschaftswoche glaubt ihm doch alles! Und einige Naivlinge mehr.

Sloterdijk: "Ich würde eher von einem großen Drama sprechen. Denn die dramatische Sicht auf die Globalisierung erfasst nicht nur die Unumkehrbarkeit des Vorgangs, sie betont auch sein positives Fundament: Irgendwann mussten die Menschen darauf kommen, dass die Erde eine Kugel ist - und auf einer Kugel sind alle Punkte von allen anderen Punkten aus erreichbar. Daran muss man sich gewöhnen."

Welch simple Logik doch den willigen Leser überzeugen kann! Da ist etwas Rundes mit vielen von allen anderen Punkten aus erreichbaren Punkten. Dies ist das "positive Fundament" der Globalisierung! Was für eine außerordentliche philosophische Leistung. - Sind das nicht eher Erklärungsversuche eines Zehnjährigen?

Die infame Zumutung, die der Herr Professor Peter Sloterdijk hier seiner Botschaft nebenbei einrührt, besteht in dem "logischen" Schluss, man müsse sich einfach nur daran gewöhnen, weil die Erde eine Kugel sei. Damit skizziert er genau jene Unwilligkeit der "Elite", dem Menschen selbst einen Willen und einen Selbstverwirklichungs- und einen Selbstverwaltungswillen zuzutrauen und zuzubilligen. Die Entmündigung der Menschenmassen und die gleichzeitige Aushebelung der Demokratie, die nebenbei bemerkt nie auf Geldmassen, sondern nur auf Menschenmassen fußen kann, diese globale Entledigung der Politik vom Menschen ist der nicht ausgesprochene Kern der "hochintelligenten" sloterdijkschen Phrasen.

Das Gespräch kommt herüber wie ein Kaffeeklatsch. Eine Belanglosigkeit folgt der anderen. Und das auch noch völlig unsortiert.

Man kann sich richtig vorstellen, wie der andere Part gerade die Kuchengabel in die halbe Torte steckt und die Tasse Kaffee senkt und mit vollem Mund sagt:

Wirtschaftswoche: "Daran haben wir uns längst gewöhnt."

Allerdings, auch das hat man in diesen Wochen gespürt, eine wissenschaftlich ausgenüchterte Philosophie zahlt für die Arbeitsteilung mit der Theologie einen hohen, zu hohen Preis. Sie ruft Tiefenschwindler auf den Plan, die das Publikum nicht mit Fragen beunruhigen, sondern mit intellektueller Esoterik an der Nase herumrühren. Fundstelle
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