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Peters Behauptungen
Wirtschaftswoche: "Von welchen Verlierern sprechen sie?"
Nanu! Sind da mehrere? Wie viele sind es denn? Wer und wie viele sprechen denn hier von Verlierern. Ach so. Das "sie" sollte ein "Sie" sein. - Okay. - Hab’ schon einen Schreck gekriegt. Die Naivität, die in diesem Interview von der Wirtschaftswoche zelebriert wird, ist auffällig! Offensichtlich möchte die Wirschaftswoche demonstrieren, dass man auf Sloterdijks Gedankengänge tatsächlich einsteigen kann, ohne den guten Ruf verlieren zu müssen. Sie unterstützt den Herren Professor Peter Sloterdijk durch Fragen, deren Kritiklosigkeit "himmlisch" ist.
Sloterdijk: "Es ist offensichtlich, dass SPD-Chef Franz Müntefering den Ausdruck nicht verwendet hätte, wenn er nicht als Verlierer in eigener Sache spräche: Als wahrscheinlicher Verlierer der nächsten Wahlen, als sicherer Verlierer im Bedeutungswettbewerb zwischen Politik und Wirtschaft - und als totaler Verlierer im Einkommensvergleich zwischen Politikern und Managern."
Was ist Münteferings "eigene Sache"? Hat Müntefering in seiner Amtszeit je erkennbar versucht, die Menschen gegenüber der Konzerngeldmühle in Schutz zu nehmen oder ihren Stellenwert gegenüber Großgeldbesitzermentalität zu sichern? - Nur wenn so etwas oder etwas ähnliches der Fall gewesen wäre, könnte Münteferings Verliererbewusstsein in Kapitalismuskritik gemündet haben. Wo aber die SPD und Müntefering und alle diese schlecht orientierten Leute in der Politk falsche Wege gegangen sind, haben sie nicht sich, sondern die Menschen zu Verlierern gemacht. Der Versuch des fachlich und menschlich gescheiterten Politikers Müntefering, alte Werte wieder aufzublasen, ist übergangslos einzureihen in: Das natürliche Verhalten desorientierter Politiker. - Nicht das Verlierer-Sein, sondern eine Mischung aus Dreistigkeit und dem Bewusstsein, sowie so nichts mehr verlieren zu können, sind der Grund für Münteferings Vorstoß.
Die Implikation, die sich aus der Überschrift des Artikels herleitet und alle Münteferings und alle nicht EU-begeisterten Deutschen als Verlierer hinstellt, ist professoral ignorant.
Die Situation Münteferings und die Situation der nicht Eu-begeisterten Deutschen haben als einzige Gemeinsamkeit, dass sie beide Verlierer sind. Die Unterschiede sind jedoch verheerend. Während Müntefering und Parteifreunde sich selbst kastriert haben, indem sie blind dem Kapital Folge leisteten, sind die EU-kritischen Deutschen definitiv nur Opfer. Sie wurden von der Politik den Konzernen zum Fraß hingeworfen und werden in einem Interview der Wirtschaftswoche zusätzlich noch diffamiert, indem krampfhaft die Verliererrolle als Vehikel benutzt wird, um zwischen EU-kritischen Deutschen und der recht traurigen Politikerfigur Müntefering eine Parallele herbei zu beten.
Welche Rolle in diesem hinterrücks implizierten Zusammenhang noch der Bedeutungswettbewerb und der Einkommensvergleich spielen, erschließt sich dem Leser nicht. Mit recht hoher Wahrscheinlichkeit werden diese immer noch als hochwertig angesehenen Gesellschaftskriterien hintenrum ins Feld geführt, damit vom Grundbetrug der Implikation, die Deutschen seien wie Müntefering doch nur die Verlierer, abzulenken.
Die Kapitalismuskritik Münteferings war ein dummer Versuch, die SPD wieder auf ein Pferd zu setzen, auf dem sie lange erfolgreich ritt. Die Suche eines Sloterdijk nach einem inneren Zusammenhang zwischen Verliererverhalten und dem bösen Wort Kapitalismus ist deswegen ausgedacht und aufgesetzt, weil der wahre Grund für Münteferings Aktion nur in der Tradition der SPD liegt. Eine Herleitung von Kapitalismuskritik zum automatisch daran erkennbaren Verlierer klingt aus dem Munde eines reichen Professors höhnisch.
Wenn aber das Volk den Kapitalismus als Gefahrenquelle erkennt und einstuft, befindet es sich in einem ehrlichen Bewusstsein des Verlierertums und benötigt keinen Professoren, der ihm noch einmal vorhält, dass es verloren hätte. - Und die dreiste Einstufung des kritischen Volkes auf den Level eines an seiner eigenen Kapitalgläubigkeit gescheiterten Politikers braucht das Volk erst gar nicht! - Auch nicht von einem Professor Sloterdijk.
Horstmann über Sloterdijk: So bestechend sein sprachartistischer Stil wirkte, so blieb der Inhalt "ohne Tiefgang, oberflächlich und politikwissenschaftlich naiv". Fundstelle
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