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Peterchens Mondfahrt
Sloterdijk: "Ich weiß nicht. Die Globalisierungskritiker von heute reden über die schnellen weltweiten Geldbewegungen sehr ähnlich wie die katholischen Theologen im 17. Jahrhundert über die damals neu bewiesene Erdrotation. Destabilisierungen dieses Formats werden zunächst mit heiligem Zorn abgelehnt. Es ist ja wirklich ein Angriff auf die Menschenwürde, wenn ich von heute auf morgen hinnehmen soll, dass ich binnen 24 Stunden um die Erdachse herumgeschleudert werde. Auch die Gegner der Erdrotation wussten, was sie wollten: Sie hatten etwas dagegen, zu kosmischen Idioten zu werden. Mit der Globalisierung und ihren Kritikern steht es ebenso."
Die Gleichsetzung der Globalisierung mit einem Naturgesetz entlarvt ein weiteres Mal die naive Denke des Professors. Gleichzeitig entblößt sich das Ansinnen dieses Gesprächs als eines unter gleich Desinteressierten. Es sollen die Menschen vollgeblubbert werden. Dabei verdient die Wirtschaftswoche etwas und Sloterdijk wird noch "berühmter".
Schon die Abhebung des "dramatischen Realisten" Sloterdijk vom gemeinen kosmischen Idiotentum beleuchtet grell Peters dümmliche Publicity- und Elite-Sucht. Der Wirtschaftswöchler sitzt geflissentlich im selben Gefährt. Er hat nicht den geringsten Zweifel an Peters Sagen.
Es stimmt, dass wissenschaftliche Erkenntnisse Symptome der Ernüchterung beim Menschen verursachen. Es stimmt nicht, dass die Globalisierung eine wissenschaftliche Erkenntnis ist. Wie ungenau und pauschalisierend sich hier ein Professor öffentlich ergießt, mag dem einen oder anderen die Schamröte ins Gesicht treiben. Doch eine rote Gesichtsfärbung vor Wut ist angebrachter!
Sloterdijk benutzt hier seinen "guten" Ruf, um mit dem Niederreißen gedanklicher Genauigkeit und Logik den Menschen noch einmal die entmündigende Wirkung der Globalisierung an den Hals zu setzen. Er bezeichnet alle Globalisierungskritiker als kosmische Idioten und möchte gerne dem oberflächlichen Leser die Lust am eigenen Denken vermiesen. Die Quintessenz dieses Unternehmens lautet: Lasst die Globalisierer machen. Sie sind nicht aufzuhalten. Sie sind eine Naturerscheinung.
Das Faktum, das der Herr Professor Sloterdijk pauschal weg lässt, ist die von wenigen Reichen geplante, inszenierte und oft mit Krieg und Unterdrückung durchgesetzte Globalisierung. Sie ist ein künstliches, ideologisches, menschengemachtes Gebilde, das einzig die Ausweitung monetärer Vorteile der Reichen im Auge hat.
Der Vergleich passt eher genau umgekehrt. Die Globalisierungskritiker entlarven die Globalisierung immer klarer als das, was sie ist, während die Ideologen der Globalisierung sich keines idiotischen Gedankengangs entblöden, um vor der Welt nicht ohne professorale Hosen dazustehen.
Alle menschlichen Fakten und Entwicklungen, die aus der Globalisierung resultieren, sind also keine unabwendbaren Erdumdrehungen und die Globalisierer keine Wissenschaftler, sondern nur ganz schnöde am Geld Interessierte.
Wer diese Zusammenhänge durch verschachteltes Gequatsche umdreht, verantwortet die schlechte Entwicklung der Dritten Welt ebenso wie die alten und modernen Kolonialisten, die heute als Konzerne auftreten.
Herr Professor! Sie fallen sachlich und menschlich durch.
Dem Karlsruher Philosophenstar Peter Sloterdijk droht, neben der "Starnberger Fatwa", der Verfolgung durch "linksfaschistische Philosophiepaparazzi" und deren "Mudschaheddin", sowie der intellektuellen Zumutung einer "bundesrepublikanischen Erregungsdemokratie", einer "expliziten Aufputschungspublizistik", einer "jungen Ahnungslosigkeit" und eines "Reizwortjournalismus", wenn man nicht näher zu bezeichnenden informellen Quellen glauben darf, der Ausschluß aus dem Philosophenpark. Sloterdijk habe sich, "über alle wissenschaftlich und philosophisch legitimierbaren Grenzen" hinweggesetzt, er hat "dem Ansehen der Philosophie geschadet", sagte Jürgen Mittelstraß auf dem 18. Deutschen Kongreß für Philosophie in Konstanz. Sloto habe, so Mittelstraß weiter, ohne den Namen zu erwähnen, "nebulöse und insinuierende Andeutungen und Halbwahrheiten" verbreitet. Dieter Thomä geht sogar soweit, dem Karlsruher Großdenker vorzuwerfen, "wie ein großes Kind" zu denken. Fundstelle
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