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Jetzt wird er besser!
Wirtschaftswoche: "Gehört es auch zu den sozialistischen Erfolgen der alten BRD, dass Umfragen zufolge nur elf Prozent der Deutschen mit Bernard de Mandeville und Adam Smith glauben, Eigennutz mehre den Wohlstand?"
Warum wird hier wieder völlig ungenau herumgeredet! Und ich dachte schon, das Ding wird besser und gewinnt an Tiefe! Die Frage deutet beim flüchtigen Lesen schon ziemlich auf genaueres Denken. Aber dann fehlt einfach am Schluss, welcher Wohlstand denn gemeint ist. Ist es der allgemeine Wohlstand? Oder ist es der Wohlstand des Eigennützigen? - Wir müssen uns freihändig für den allgemeinen Wohlstand entscheiden, weil ja sonst die Umfrageergebnisse nicht ein solches Ergebnis gehabt hätten.
Sloterdijk: "Wenn Sie ein so hässliches Wort wie Eigennutz verwenden, brauchen Sie sich über das Ergebnis nicht zu wundern. Man müsste die Frage anders formulieren: »Glauben Sie, dass Menschen eher unternehmerisch werden, wenn sie die Früchte ihrer eigenen Arbeit genießen können?« - und schon haben sie 66 Prozent Bejahung, oder mehr. Das Wort Eigennutz dürfte man erst ins Feld führen, wenn man zuvor
über zwei Generationen hin Friedrich Nietzsches Grundeinsicht in den Schulen gelehrt hätte, dass der Egoismus recht eigentlich das moralische Pseudonym unserer besten Energien ist. Das hässliche Wort "Eigennutz" steht für die schöne Fähigkeit von Menschen, sich gegen Passivität und Fatalismus aufzulehnen. Von dieser Erkenntnis dürften die Deutschen gerade heute profitieren."
Was sind unternehmerische Menschen? Wenn es die gibt, dann ist Sloterdijk ein rednerischer Mensch. Entweder einer ist unternehmerisch tätig oder er ist unternehmungslustig. Vielleicht meinte Solterdijk unternehmerisch aktivere Menschen. Nehmen wir das mal an.
Was die positive Wirkung des Eigennutzes angeht, die allen schon immer hinlänglich bekannt ist, auch ohne dass Nietzsche in den Schulen gelehrt wird, ist festzustellen, dass gerade die Globalisierung dafür sorgt, dass die breite Masse eben nicht in die Lage kommt, eigennützig zu sein. Die sich immer weiter öffnende Schere zwischen arm und reich führt gerade zu dem Ergebnis, dass die mögliche Aktivität der großen Mehrheit der Menschen immer weiter reduziert wird.
Die von Sloterdijk so genannte Grundeinsicht eines Nietzsche - der Gedanke der Nützlichkeit des Eigennutzes - kann zum Eigennutz nur noch von denjenigen zelebriert werden, die das dazu nötige Einkommen haben. Diese sind mehr und mehr in einer Bevölkerungsschicht angesiedelt, die eng mit Konzernen verwoben ist. - Merkwürdigerweise wird bei der anwachsenden Potenz dieser Gruppe aber gar keine unternehmerische Aktivität wach. Denn ihre Aktivität
beschränkt sich mehr und mehr auf reine Spekulation. Wen wundert das? Es ist ja auch viel einfacher, nicht wirklich etwas zu bilden, das man verlieren könnte. Die Spekulation mit Kapital ist das einzige (Spiel-)Feld, das man jederzeit geflissentlich wieder verlassen kann.
Sloterdijk kommt in dieser Phase seines Interviews etwas geschlossener aus der Kabine. Doch hängt er wiederum den Falschen den Mühlstein um. Passivität und Fatalismus sind Eigenheiten, die der Mensch sich nicht mal eben angewöhnt. Sondern da muss vorher eine immer wiederkehrende Enttäuschung und Verletzung der Lebensbereiche stattgefunden haben. Wenn es tatsächlich wahr ist, dass die Deutschen passiv und fatalistisch sind, dann hat das seine Gründe in einer globalistischen Entwicklung, gegen die sich aufzulehnen scheinbar nicht mehr lohnt.
Sloterdijks Gedanke, die Menschen profitierten wohl von der Erkenntnis des Eigennutzes als Kraft gegen Passivität und Fatalismus, muss nicht falsch sein. Aber er ist mindestens falsch angebracht. Der angebliche Fatalismus der Menschen wird genau zu dem Zeitpunkt die Menschen verlassen, wenn es Zeit ist, die Ungerechtigkeit der Globalisierung zu beseitigen.
Bis dahin werden die Sloterdijks unserer Zeit noch viel Gelegenheit haben, ihren Spott zu treiben. Ändern werden sie nichts.
Ausgestattet mit der besonderen Fähigkeit zu Worterfindungen leistet sich Sloterdijk den Luxus, diese so zu verschwenden wie luxussüchtige Frauen das Geld ihrer Männer. Während jedoch nicht nur bei Haushalten, sondern auch bei Unternehmen die exzessive Verschwendung den Konkurs bedeutet, führt bei Autoren eine Verschwendungssucht für Worte zu einem immer größer werdenden Verlust der Bodenhaftung, die sich mit jedem weiteren Satz, der als Ballast aus dem Ballon des jeweiligen Weltbildes abgeworfen wird, in noch größere Höhen zu steigern vermag. Fundstelle
Wenn Sloterdijk die Geburt des Totalitarismus aus dem Geist der Hebammenkunst behauptet, so darf angenommen werden, dass das Fruchtwasser, in dem er selbst badete, zu heiß gewesen sein muss. Fundstelle
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