Privat, das heißt: Der Öffentlichkeit geraubt. Endgültig weggenommen!
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Privat


Privat ist, wenn niemand hinter die Gardine schauen kann, wenn man sicher ist, sich im eigenen Lebensraum zu befinden, wenn eine Störung nicht möglich ist. Das ist privat: Ein vor dem Zugriff anderer abgeschotteter Raum, geschützt und sicher.

Die ursprüngliche Bedeutung aber lautet soviel wie: "der Öffentlichkeit entrissen, der Öffentlichkeit geraubt".

Nach einer langen Phase, in der die Bedeutung des Wortes privat sich nur auf die eigene abgegrenzte Lebensituation bezog, befinden wir uns heute in einer Phase, in der die alte Bedeutung wieder an die Oberfläche tritt. Die alte Bedeutung vom Raub, vom Herausschneiden aus dem öffentlichen Leib. Die Bedeutung des Wortes privat als Methode, derer sich der Mann von Welt, der Konzernherr bedient, um adäquat seine Ziele zu verfolgen.

Der Konzern verlagert den Gewinn in Sphären, die die Öffentlichkeit nicht beeinflussen kann, spuckt aber als überschüssig angesehenes Personal ganz unprivat in die Öffentliche Hand. Diese selektive Umverteilung - der Gewinn ist mein, die Kosten dein - kennzeichnet heute das Verhalten, das zum optimalen Geschäftsverhalten aufgestiegen ist. Aufgestiegen im Zeitalter der Privatisierung.

Unter dem Einfluss dieses langjährigen Trends verwundert es kaum, dass staatliche Instrumente der USA rein privat, also der Öffentlichkeit nicht zugänglich, Folter und andere Verbrechen ausüben und nicht die geringste Scham bei den Tätern aufkommt. Es ist halt Privatsache der US-amerikanischen Armee. Das geht niemanden etwas an.

Die Vorenthaltung eines Großteils des volkswirtschaftseigenen Produkts, die räuberische Übernahme großer Finanzanteile der Öffentlichkeit durch Konzerne ist ihrem Wesen nach der Zwilling US-amerikanischer Vorgehensweise auf Guantanamo. Die rotzfreche Art und Weise, wie Konzerne die Öffentlichkeit schröpfen, unterscheidet sich kaum von der Frechheit des George W. Bush, der ganz nebenbei vorgibt, Christ zu sein.


Was mein ist, darf ich getrost zerstören
Aber viele Konzernbosse sagen auch von sich, sie seien Christen.

Die Sprüche des Allianz-Konzerns (der in diesen Tagen die Schließung seines erfolgreichsten Standortes beschlossen hat), man müsse sich gerade in guten Zeiten noch einmal besser aufstellen, um der internationalen Konkurrenz langfristig begegnen zu können, ist der blanke Hohn, den Manager und Konzernbosse der Öffentlichkeit mitten ins Gesicht klatschen. Sie sagen damit nichts anderes als: Wir finden immer einen Grund, um die Öffentlichkeit auszunehmen.

Durch die Verlagerung diktatorischer Willkür hinein in privatwirtschaftliche Konstruktionen wird die Demokratie zu einem Reservat degradiert, in dem sich die auszubeutenden Massen aufhalten, gehalten werden. Die Massen stehen den Konzernen jederzeit zur Ausnützung zur Verfügung. Sie werden von Konzernen nach Gesetzmäßigkeiten geschunden, die Privatsache sind. Die Privatsache der Konzerne.

Hauptsache der Wert der Aktie steigt.

Die bis in die Ära Kohl hinein aufrecht erhaltene Fassade der funktionierenden Demokratie bröckelt unter der Willkür der Konzerne ab und macht die Sicht frei auf diktatorische Denkinhalte, die der Konzernherrschaft strukturell zugrundeliegen. Das Geld als Vehikel der Diktatur ist nicht mehr nur Zahlungsmittel, sondern verwandelt sich zum teuflischen Gott der Menschenvernichtung, Armutsverursachung, Sklaverei, Menschenverachtung. Diktatur in ihrer reinsten Form.

Die unverhohlene Machtausübung der Konzerne mag vielleicht jetzt dem aufmerksamen Menschen die Augen öffnen. Doch wird die menschliche Welt trotz steigender hochbrisanter Alarmzeichen immer tiefer in die Konzernfalle geraten. Vorindustrielle Zustände werden im Reservat der Massen herrschen.


Konzernboss verteilt Beute unter die lieben Anteilseigner

Konzerne und ihre Auftraggeber sehen den Raub als legitimes Geschäft. Sie realisieren nicht, welchen Schaden sie mit ihrer Gewinnsucht anrichten.
Die Allmacht der Konzerne wird das System kippen. Konzerne tragen die Verantwortung für die entsprechenden gewalttätigen Umbrüche, die schon jetzt logisch absehbar sind.

Die konzernhörige Politik verschärft das Problem. Sie ist der schmutzige Handlanger, der systematisch den Besitz der Öffentlichkeit den Konzernen in die Hände spielt.

Ein Symptom des Wahns, alles private sei für die Menschen gut, drückt sich als alltägliches Beispiel in der dumpfen Dreistigkeit der Autofahrer aus, die ihren aufgebohrten Auspuff zu ihrer Privatsache erklären. Sie führen dem Normalmenschen täglich vor Augen, wie wunderbar man sich mit offensichtlichem Unrecht hinter dem Begriff "privat" verstecken kann. Selbst wenn man zu den schlimmsten Beeinträchtigern der Öffentlichkeit gehört. Wohl wissend, dass sie andere nachhaltig stören, erklären sie den von ihnen produzierten Krach zu ihrem persönlichen Hobby. Und schon haben sie die "Freiheit", ungestraft auf den Nerven anderer herumtrampeln zu können.

Genau dieser Mechanismus der Verlagerung einer Sache aus einem gewachsenen Zusammenhang in einen künstlichen Zusammenhang ist das Vehikel, über das schon ein Wahnsinniger namens Hitler viele Sinngehalte in ihr Gegenteil verdrehte. Diese Machart treibt heute neue Blüten. Bis die Menschen merken, was gespielt wird, ist das System, das Deutschland immerhin eine sehr lange Friedenszeit bescherte, zerstört.
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