online-polemik.de

Spekulaten

Huch, warum ist denn der Strom so teuer? Autsch, warum ist denn das Benzin so teuer? Aua, warum gehen denn die Milchbauern pleite? Nanu, wieso haben die Menschen nichts von ihren Lohnerhöhungen? Wieso gibt es denn plötzlich Hungerrevolten in der Welt?

Die wahren Herrscher dieser Welt sind immer noch die Konzerne.

Die Börse ist die Ausgeburt des unrechtmäßigen Gewinns. An der Börse geht nichts nach menschlichen Regeln ab, sondern ausschließlich nach den Regeln des freien Marktes. Was sind diese Regeln? Die Regeln des freien Marktes sind Kind des Wettgeistes des englischen Feudalismus. Alles beruht auf der "Ehrenhaftigkeit" der Wette. Willkürlich festgesetzte Wett-Bedingungen dürfen über Menschenschicksale, inzwischen nicht nur über ganze Nationen, sondern über die ganze Welt entscheiden.

Seit der Entstehung der Börsen aus der Machtfülle und der Hochnäsigkeit der Ultra-Reichen hat sich an ihrem Prinzip nichts geändert. Die Börse regiert mit eiserner Hand nach dem Denkmuster eines Adligen, der keinen wirklichen Bezug zum Geld hat. Letztlich geht es dort noch nicht einmal mehr um tatsächliche Werte, sondern um den raffiniert eingefädelten Sieg über den Kontrahenten. Die Börse ist der darwinistische Tummelplatz der Supermächtigen. Menschen spielen dabei keine Rolle.

Innerhalb dieses Börsenspiels sind die "Hochadligen" auf Dauer gelangweilt. Sie müssen, um überhaupt noch ihr Dasein selbst wahrzunehmen, die Volkswirtschaften der Welt so weit ausschlachten und die Ungerechtigkeitswelle so hoch auflaufen lassen, dass in ihrer Umgebung die Ergebnisse ihres Handelns schmerzhaft spürbar sind. Dies hat aber auch noch einen zweiten Sinn. Der gesamte Reichtum der Volkswirtschaften muss immer konsequent von der Börse abgeschöpft und kontrolliert werden, dass niemals eine finanzielle Gegenmacht zur Börse entstehen kann. Je blutleerer die Volkswirtschaften, desto mehr Macht geht über finanzielle Verschiebung und Strategie.

Diese Wettgemeinschaft hat es in der modernen Geschichte fertiggebracht, die Menschen auf eine These einzuschwören, die Menschlichkeit als Charakterschwäche ansieht. Nietzsche, Hitler, Stalin und heute der freie Markt sind Beispiele für die ideologie- und marktmächtige Verwirklichung des darwinschen Gedankenguts. Das Überleben des Tüchtigen ist seit Darwin der Verdränger aller Menschlichkeit und spielt den geldadligen Börsenjüngern alle Macht in die Hände. Mit dieser ideologischen Raffinesse, die über weite Strecken sogar religiöse Züge annimmt, ist die Welt umgebildet worden in einen großen freien Markt, in dem Menschen nur noch eine Rolle spielen wie Rohstoffe, Finanzmittel oder Gewinnoptionen.

Sämtliche Privatisierungen führen den Menschen immer wieder eindrucksvoll vor Augen, dass die Börse außer Selbstbereicherung nichts kennt. Alle privaten Investoren richten über kurz oder lang wichtige Einrichtungen der Allgemeinheit zugrunde und zweckentfremden sie zu einem einzigen Nutzen, zur eigenen Gewinnmaximierung. Bewundernswert ist die Orientierung dieser Ausnützer der Völker an der Blutgrenze. Sie bringen es fertig, immer nur so viel aus dem Wirtschaftskörper zu saugen, dass der noch gerade so funktioniert, dass kein wirklicher Krieg gegen die Börse entstehen kann.

Der Glaube an die Marktregeln ist ungebrochen.

Sämtliche modernen Menschen, die der Gottlosigkeit frönen, glauben ohne Unterlass und in fast kindlicher Reinheit an die Regeln des freien Marktes. Sie alle haben die Menschlichkeit aus ihrem Denken verbannt und rechnen nach Tabellen und Finanzmustern, weil der freie Markt das Sagen hat. Sie unterwerfen sich dem freien Markt und kassieren so nicht nur fette Beute, sondern sichern sich damit ihren angesehen Platz in der Gesellschaft der Jünger des freien Marktes. Politik und Banken sind die Kirche der modernen Religion. Nichts existiert, um die Mitglieder der Geld-Kirche in ihrem Denken zu stören. Sie sind glaubensmäßig fokussiert auf den privaten Gewinn und beten das goldene Kalb der Börse an.

Das Ergebnis ist eine Welt, die immer am Schnittpunkt des Krieges lebt.

Der große und unanfechtbare Dauergewinn der Börsianer und Banker verursacht auf Dauer ein noch gerade erträgliches Leiden der Menschheit. Die Selbstheilungskräfte der Volkswirtschaften werden bis zur äußersten Grenze gefordert, aber nicht darüber hinaus ausgereizt. Die Welt ist für die Börse wie eine Kuh, die man dermaßen brutal melkt, dass man an der Färbung der Milch erkennen kann, wann man aufhören muss. Ist Blut beigemengt, gibt man der Kuh einen Tag frei. Danach geht die Tortur von vorne los.

Das Börsenwesen ist der Konzentrationspunkt aller Ungerechtigkeit auf der Welt.

Die Börse bezahlt die Wissenschaft, besitzt die Medien, macht die "vernünftige" Meinung. Die Börse ist der aktuell eingesetzte Papst, der über Glück oder Unglück der Menschheit entscheidet. Die Börse ist das Tier, das in der Bibel beschrieben wird.

Kommentare: