In Badenwürttemberg, im Autoland, denken die Menschen, dass lautes Auspuff-Dröhnen ihre Stärke zeigt. Sie fühlen sich gut, wenn sie permanent andere belästigen können. Genauso könnten Hundehalter denken, sie wären etwas besonderes, wenn ihre Hunde die Bürgersteige besonders dicht und mit besonders großen, stinkenden Haufen zuscheißen würden.
Die direkte negative Beeinflussung anderer, die permanente Belästigung der Mitmenschen, Umweltverschmutzung wird heute zum Attribut der Männlichkeit erhoben. Dreck machen und die daraus resultierende besondere Machtstellung gegenüber denen, die sich das tagaus, tagein gefallen lassen müssen, sind die moderne Krawatte des Autoland-Bürgers.
Die durchtechnisierte, wirtschaftsorientierte Gesellschaft scheißt inzwischen überdeutlich auf Menschen, scheißt auf Menschlichkeit.
Europanormen erlauben es Konzernen, Auspuff-Anlagen in der Hoffnung auf höhere Umsätze laut dröhnend zu machen. (Audi ist eine Automarke, die davon versucht zu profitieren.) Die Hoffnung auf höhere Umsätze nährt sich aus der Erkenntnis, dass der Mensch Spaß daran hat, wenn er anderen immer wieder wehtun kann. So sind viele Kleinwagen schon mit einer Europa-Norm-gesteuerten durchdringend dröhnenden Auspuffanlage ausgestattet. Die Fiktion, diesen Trend mitmachen zu müssen, um im Wettbewerb mit anderen Autoherstellern zu bestehen, ist so dumm wie die Geldwelt selbst.
Die moderne Wirtschaft kommt auch in diesem Sektor den übelsten Charakterzügen des Menschen entgegen.
Viele der Auspuff-Dröhner machen einen eher blamablen Eindruck, wenn sie aus ihrem Protz-Auto aussteigen. Sie machen eher den Eindruck eines Schreibtisch-verklemmten, blassen Weicheis. Oft tragen sie übertriebene Kleidung, schräg verdrehte Kappen, glänzende Lederwesten oder ähnliches Zeug, womit sie ihre Gewöhnlichkeit verstecken wollen.
Was sie nicht verstecken können und wollen, ist ihre innere Dreckigkeit, die sie permanent beweisen, indem sie in allertiefster Rücksichtslosigkeit durch die Dörfer dröhnen. Nachts wie tags durch alle Straßen. Sie verbreiten eine durchdringende Lärmentwicklung, die in weitem Umkreis viele andere empfindlich stört.
Diese Abgebrühtheit, die ja in Deutschland im Bezug auf andere Menschenschinderei schon einmal Hochkonjunktur hatte, bricht sich im individuellen Bekenntnis des schwanzmäßig minderbemittelten Weicheis neue Bahn. Es entsteht eine Kultur der Rücksichtslosigkeit und des Herumtrampelns auf den Nerven anderer.
Dass in Europa die künstliche Züchtung einer durch und durch schlechten Konkurrenz-Gesellschaft erfolgreich durchgeführt wurde, beweisen die Schwanzlosen, die bedingungslos dem Ruf nach noch mehr Dröhnen folgen.
Straßenlärm lässt sich sicherlich nicht vermeiden. Aber die Lärmbelästigung durch einzelne Großkotze nervt doppelt. Sie ist eben die gewollte und von den Lärmverursachern genossene Beeinträchtigung anderer. Dass staatliche Instanzen diese besondere Art von Straßenlärm ignorieren, ist ein Ergebnis der Grundeinstellung: Der Mensch zählt nichts, Geld ist alles.
was für ein schwachsin !
Rkin, 04.06.2007