Positiver Patriotismus
Soziologen sprechen angesichts schwarz-rot-goldener Fahnenflut vom "positiven Patriotismus". Was könnten sie darunter verstehen? Sicher meinen sie damit das vom nationalsozialistischen Gedankengut gereinigte Stolz-Sein aufs Vaterland. Ist eine solche patriotische Geisteshaltung in "Reinheit" tatsächlich die Hauptzutat zur deutschen National-Euphorie?
Ein wichtiger Bestandteil des "bereinigten" deutschen Patriotismus müsste doch eigentlich sein, dass Deutschland seine Bürger vorwärtsbringt, ohne die Schwächeren noch stärker zu belasten. Wurden zu Hitlers Zeiten gerade die Schwächeren mit verschiedenen Sozialmaßnahmen gefördert, gerieten aber gerade diese unter hohen Druck bis hin zur Zwangsarbeit. Seit Hartz IV begeht der deutsche Staat den Weg, seine schwächeren Mitglieder derart unter Druck zu setzen, dass der Übergang zur Wiedereinführung der Zwangsarbeit zumindest wahrscheinlich erscheint. In diesem Punkt ist also das "bereinigte" Stolz-sein-Dürfen auf Deutschland wenig unterschiedlich vom "unbereinigten".
Ein anderer Punkt, der diesen positiven Patriotismus ohne nationalsozialistischen Einschlag möglich machen könnte, sollte das Bewusstsein des Deutschen Bürgers sein, im eigenen Land eine nach aller politischen Vernunft bestmögliche Zukunft zu haben. Doch zeigen alle Aktivitäten der Politik auf den Ausverkauf des Gemeinwesens. Der politische Trend geht in Richtung Selbstaufgabe zum Vorteil der Konzerne und ihrer Anteilseigner. Der Sozialstaat wird rigoros privatisierten Mustern angepasst. Der Staat fängt im großen Stil Kosten auf, die eigentlich die sich ständig "gesund-schrumpfenden" Konzerne tragen müssten. Aber von den Konzernen hängt keiner die deutsche Fahne aus dem Fenster.
Das zugunsten von Konzerngewinnen zerrüttete Staatssysten kann also nicht Grund des so genannten positiven Patriotismus sein.
Bleibt als Erklärungsversuch das große Wir-Gefühl übrig, das sich im gemeinsamen Betrachten des Fußballs findet. Das nationale Trachten richtet sich auf das Ausstechen anderer Nationen. Ein ganz natürlicher Impuls, der die verfeindetsten Nachbarn plötzlich verbindet und Menschen zueinander führt, die sonst nichts miteinander zu tun haben wollen.
Ein solcher positiver Patriotismus ist allerdings nur Ablenkung von den Problemen, die Deutschland durch rigorose Konzernhörigkeit blühen. Wieviele Fußballweltmeisterschaften und ähnliche Ersatzhandlungen sind nötig, um dauerhaft die Menschen in Deutschland mit einem solchen positiven Patriotismus von den tatsächlichen Problemen abzulenken?
Die heile Welt im deutschen Fernsehen ist der Betäubungsschleier, der die Geister dauerhaft beruhigt. Um die Sendungen des deutschen Fernsehens aushalten zu können, braucht man die Fähigkeit, seine geistigen Regungen auf Minmalleistung herabzustufen und Langeweile als normales positives Gefühl wahrzunehmen.
Kein Wunder, dass ein bisschen Fußballweltmeisterschaft die sonst nicht ausgelasteten Hirne so intensiv befruchtet. Kein Wunder auch, dass es dabei gar nicht um Fußball geht, sondern um ein Nationalbewusstsein, das gemeinsam mit allen anderen kritischen Regungen im Geistessumpf des deutschen Fernsehens dem Erstickungstod nahe war. Naheliegend auch die Annahme, dass in diesem positiven Patriotismus bei aller naiven Reinheit die Gefahr des negativen Patriotismus mitschwingt.
Aus ganz menschlicher Sicht liegen die Fakten jedoch anders. Viele Deutsche haben sich ans Schweigen angepasst und darüber vergessen, dass nicht der Verzicht auf eine patriotische Haltung, sondern im Leben und Erleben des Patriotismus das wache Bewusstsein wichtig ist, dass gerade bei unreflektiertem Ausleben des deutschen Patriotismus Tod und Verderben auf der Speisekarte stehen können.
Unter Verzicht auf diesen nicht unkritischen Patriotismus verliert das Bewusstsein des guten Deutschen auch unter Mithilfe des geistbetäubenden Fernsehens die Fähigkeit, Patriotismus als natürliche Eigenart, aber auch den gegebenen geschichtlichen Ereignissen entsprechend kritisch zu sehen. Und das ist die Gefahr! Wenn Patriotismus kritiklos und ohne Scham plötzlich die Nation des Holocaust befällt, kann man nicht einfach hergehen und vom positiven Patriotismus sprechen. Denn die Nation des Holocaust wird immer die Nation des Holocaust bleiben.
Immer wiederkehrender Beleg dafür sind die schwarz bestiefelten Blonden mit den hohen Stimmen, die sich gegenüber Schwarzen in Stimmung schreien und sie dann ins Koma prügeln.
Positiver Patriotismus, nein danke.
Die primitivste Scheiße ist Ingolf Lück mit seinem Nachtritt. Nazi-Scheiße auf heute zugeschnitten. Deutsche Überheblichkeit pur.
Nachtrag: Die Sendung hat sich gebessert, seit die Deutschen nicht mehr Weltmeister sein können. Die deutsche Hymne am 08.07.2006 war geil! Aaaarbeitslooosigkeit ...
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