Alle Religionen dieser Welt werben inständig dafür, dass der Mensch das Geld nicht zur Mitte seines Denkens machen soll. Das ist kein Zufall. Dahinter steckt die große allen Menschen eigene Sicherheit, dass Geld die Menschlichkeit mittelbar und unmittelbar abtötet. Es ist nicht vorstellbar, dass es Menschen gibt, die diese Gewissheit nicht irgendwann einmal in ihrem Leben gespürt und kennen gelernt haben. Es gibt keinen Menschen auf dieser Erde, der nicht intuitiv weiß, welchen Preis er für Reichtum auf Kosten anderer zu zahlen hat.
Während in früheren Zeiten diese Intention darauf augenscheinlich ausgerichtet war, dem Individuum das Paradies zu versprechen, den jenseitigen Ausgleich der irdischen Leiden, wird in diesen Zeiten immer plastischer erkennbar, dass die Regentschaft des Geldes in den Hirnen der Menschen tatsächlich eine kollektive Bewegung verursacht. Die geldverursachte menschliche Ungerechtigkeit wird zum positiven Maßstab aller menschlichen Aktivitäten erhoben. - Der Staat orientiert sich nur noch am Geld; die Familie kann sich nur noch am Geld orientieren, um zu überleben; Völker hoffen auf das Geld der Konzerne; Kriege sind ausschließlich dem Geld gewidmet; vom Sonnenaufgang bis zu ihrem Niedergang ist in den Hirnen der Menschen nur Geld und die Sorge, es irgendwie den anderen vorzuenthalten.
Die Schlinge zieht sich zu. Dominant wird diejenige Religion, die es versteht, sich dieser Ungerechtigkeit anzupassen. Der US-amerikanische Baptismus hat darin jahrhundertelange Erfahrung und bringt es fertig, mit ganz irdischen Mitteln die anderen Religionen zu bekämpfen. Der geistige Spagat der Gläubigen zwischen ihrer Religion und dem Geldglauben ist eine Meisterleistung und bringt der Welt Ergebnisse, die in ihrem "vernünftigen" Auftreten absurdeste Menschenverachtung sind.
Im Bewusstsein, dass alle enthusiastischen gemeinschaftlichen Bestrebungen spätestens am Zenit ihrer Macht den Menschen den Tod und das Leiden brachten, haben sich die Praktiker der freien Wirtschaft entschlossen, den Gemeinschaftsgeist im Paradoxon der Individualität und der gleichzeitigen absoluten Abhängigkeit aller vom Geld zu kultivieren.
Ohrenbläser Globalisierung
Die Annahme des Gedankens, dass viele für wenige verhungern müssen, führt diese Reichen in einen unmittelbar herz- und hirnlosen Kampf für die Freiheit des Geldes und für die Abhängigkeit der Menschen vom Geld. Jede soziale Möglichkeit wird auf politischem Wege ausgeschlossen mit dem Ziel, die Menschen immer weiter daran zu gewöhnen, dass das einzig Gemeinsame der Menschen untereinander die schicksalhafte Anbindung an das Geld sein kann. Glorifiziert werden in US-amerikanischen Spielfilmen Menschen, die drei oder vier Jobs ausüben, nur um zu überleben. Dies soll klarmachen, dass die einzige Ehre, die der Mensch vor sich und vor Gott erringen kann, darin liegt, nicht nur die allertiefste Verbeugung vor dem Geld zu machen, sondern sich auch in unmenschliche Systemstrukturen hinein zu geben, als seien sie von Gott selbst vorgegeben.
In US-Amerika musste die Verehrung des Geldes schon lange mit der Religion in Einklang gebracht werden. Einer der trivialsten und offensten Vertreter dieser Geld-und-Glaube-Vereiniger ist George W. Bush. Er ist ein Diener der geheimnisvollen Lehre, dass der Marktauslieferung aller menschlichen Schicksale am Ende das Auskommen und Glück aller folgen muss. Damit ist er in guter Gesellschaft. Er sitzt mit all jenen auf einem Sofa, die den Weg als das Ziel ansehen und bei sich selbst wissen, dass es ein großes Glück ist, dass das angebliche Ziel niemals erreicht wird. Denn sie sind diejenigen, die von diesem Weg profitieren, von dem sie aber auch wissen, dass er ein Rundweg ist, ein Kreis, ein Teufelskreis.
Die uralte Erfahrung der Menschheit, dass unkontrollierte Marktmacht nur ins Schlimmste führt, wird gegenüber der Ideologie vom freien Markt bewusst verwaschen. Die US-Außenpolitik verfolgt seit Jahrzehnten unbeirrt die Politik des freien Marktes und schafft es, die lateinamerikanischen und asiatischen bösen Erfahrungen unter den Teppich zu kehren.
Mit den Medien TV und Radio auf der einen Seite und der Installation von vielen unübersichtlichen Geheimdiensten auf der anderen Seite spielen die USA auf der Klaviatur der Verführung und Unterdrückung. Mit jeder Lüge, die sich die Menschen antun, versinkt die Chance auf eine menschlichere Welt ein Stück tiefer im Treibsand des freien Marktes.