"3 Euro sind noch zu viel!"
behauptet der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz
Wissenschaftliche Wirtschaftsmechanik gebiert über alle Menschen hinweg abgehobene Theorie. Ein lustig lachender Wirtschaftweiser behauptet: Drei Euro sind noch zu viel!
Solche Leute haben Ämter inne, solche Leute üben Macht aus, solche Leute trampeln mit ihren Gedanken auf Existenzen herum. Sie entwickeln Theorien und gedankliche Konstruktionen. Sie haben keine Ahnung davon, wie es sich anfühlt, wenn man für so gut wie nichts arbeiten muss und in Abhängigkeit schuftet. Kein Gedanke an das Mindeste, was jeder braucht, kein Gedanke an menschenwürdige Zustände. Nein! Es geht ja nur um die Wirtschaft und das, was sie vorwärtsbringt.
Die hohe Gewalt jener Wirtschaftstheoretiker erinnert an Schöpfung: "Lasset uns Wirtschaft machen!" Lasset uns schaffen Welten, ein Ebenbild unserer so reinen Gedanken. Ein Ebenbild unserer göttlichen Visionen und wirtschaftsweisen Erkenntnisse.
Diese hochbetitelten und hochbezahlten Stützen der modernen Sklaverei-Wissenschaften greifen seit Jahrzehnten massiv in die Entwicklung der Weltpolitik ein. Sie sind die geistigen Beschützer der Globalisierung. Sie legen das "ethische" Fundament für die ausufernd radikale Bereicherung der Superreichen. Sie halten Besitz für ein Recht, dem alles untergeordnet ist.
Was irgendwelche Menschen angeht, kümmert sie nicht. Sie sind dem Theoriegebäude ihres eigenen Denkens ausgeliefert und werden als weit aus dem realen Dasein Entrückte einem Himmel der Theorie und ihrer Verglücklichung sterben. Sie werden im Diesseits ihre Schande und ihren Schwachsinn nicht erkennen.
Dafür haben sie nicht studiert. Und dafür werden sie auch nicht bezahlt.
Der Wirtschaftsweise Wolfgang Franz ist kein Weiser nach den Anforderungen der Menschlichkeit. Er ist ein Weiser nach den Anforderungen der Wirtschaftstheorie. Sein Denken kann menschliche Existenzen und Schicksale nicht berücksichtigen. Sein Denken bewegt sich in den inneren Mechanismen seiner Wissenschaft.
Dies ist die Grundlage und die Reflektion und Neureflektion dessen, was Börse ist. Es ist die Grundlage, nach der Konzerne und Politik schon immer die Menschen auf die Streckbank schnallen. Es ist die Grundlage, nach der die Welt ein glückliches Ende haben soll. Es ist die Grundlage, die eine positive Lösung anstrebt. Ein Weg wird ersonnen und wissenschaftlich begründet und belegt.
Nur! Für wen machen die das?
Nicht für Menschen. Das ist allemal klar. Die Welt schickt sich an, das Böse selbst, die Sklaverei, den Holocaust, den Krieg, den Neid, die Herrschaft, die Diktatur, den Mord, das Verbrechen und alles das in eine theoretische Gesamtkonstruktion zu betten, die alles erklärt und so auch legitimiert. Wie die darwinistische Anschauung zur Liebe zum ausgewogenen Biotop avanciert ist, so unternimmt Wirtschaftswissenschaft den Parallel-Zug, nämlich die Weltschau ohne das Menschliche. Sie strebt die Lösung aller wirtschaftlichen Probleme an und hofft damit, die Existenz der Menschen auf eine friedliche Basis zu stellen. Die paar Gequälten, die paar Ausgebeuteten, die paar Toten kümmern dabei wenig. Es geht ja um das Rahmenkonstrukt, um die gedankliche Perfektion. Es muss passen und funktionieren. Das ist die wirkliche Liebe des Wirtschaftsweisen.
Menschen sind in dieser Welt schon lange abgemeldet. Sie haben nur Rechte, wenn sie Geld haben oder ihre niederen Instinkte spielen lassen und das Messer ziehen. Ansonsten sind nur Wirtschaftmechanismen gültig und wertvoll. Und diese Wirtschaftswelt ist das heute wirksame Recht. Menschenrecht gilt dagegen nichts.
J. M., 19.12.2007