Mein Sohn, meine Tochter! Neige dein Ohr mir zu und schenke meiner Rede Aufmerksamkeit und folge meinem Rat. Ich sah vieles unter der Sonne und unter dem jahrelangen sauerländischen Regen. Doch nichts war so traurig wie das heute in Deutschland lebende Volk. Viele fahren PKW mit wild röhrendem Auspuff, viele beuten alles aus, was sich ihnen in den Weg stellt, und viele beten zu einem Halbgott der Nazis.
Folge, mein Kind, der Weisheit und verwerfe die Verführung der Kapital-Milliardäre. Meide Produkte von korrupten Konzernen und von Konzernen, die ihre Gewinne durch Arbeitsplatzabbau steigern. Kehre dein Herz zu meiner Weisung und der Wahrheit, die jeder Mensch eine Zeit lang spürt, bis er von dieser Welt der Habsucht vereinnahmt worden ist. Lasse dich nicht verführen von den hoffärtigen Gesten der Geldschneider und Nazidiener. Kehre jenem Oettinger und allen Aktiengläubigen den Rücken und suche dein Leben fernab jeder Geldideologie und Rassenwahnschande.
Höre auf den Rat eines Mannes, der erkennen musste, dass innerhalb dieser Konzern-Gesellschaft nur der geistige Tod der Lohn des Lebens ist. Wende dich ab von der Gier des Häuslebesitzers, wende dich ab von der Allmacht der röhrenden Auspuff-Fetischisten, wende dich ab von der trügerischen Philosophie der Börsengläubigen. Denn falsch und dunkel ist ihr Weg und ihr eigenes Leben und das Leben anderer richten sie zugrunde.
Denn die einfachste Wahrheit, die Wahrheit, die auch du als Kind kanntest und liebtest, diese Wahrheit wird von jenen zertreten, die sich in eine Welt einpassen, in der sie am Ende nur ihrer primitiven Wolllust leben. Sie quälen andere, üben Macht aus, befriedigen auf der Straße des dröhnenden Auspuffs ihre Lust, andere zu beherrschen. Sie üben das für die Zukunft, für die sie sich erhoffen, zu den Unterdrückern zu gehören.
Mein Kind, oh, mein Kind. Lasse dich weder blenden von irdischem Reichtum noch von der todeswütigen Entschlossenheit des Terroristen. Glaube nicht an die Versprechungen der Konzernwirtschaft und arrangiere dich nicht mit der Globalisierung! Trachte vielmehr nach dem, was dein Herz dir sagt, und verwirf die Wichtigkeit von Amtsträgern, die in der Welt nach Ruhm jagen.
Kehre dich ab vom Fernsehen und lerne deine Glieder und dein Hirn zu benutzen für etwas, das du schon kanntest und doch nicht mehr kennst. Forsche nach dem, was in dieser perfekt monetär durchorganisierten Welt stets mit Füßen getreten und mit absoluter Zuverlässigkeit den Menschen vorenthalten wird. Forsche nach dem, was menschlich ist und bleibe dabei du selbst. Überhebe dich nicht und bleib cool!
Mein Sohn, meine Tochter. Niemand und nichts will, dass du dir deine Möglichkeiten im Leben ideologisch oder aus ethischen Gründen verbaust. Niemand will, dass du in eine Sekte eintrittst. Niemand will, dass du merkwürdig verwickelte Lehren annimmst, um dich von dieser kaputten Welt zu unterscheiden. Nimm dein Leben in die Hand. - Tue dies mit Verantwortung!
Denn breit ist der Weg solcher, die Nazis nachfolgen und dicke Autos fahren, die schon am hellichten Tag den Zorn anderer Menschen vermehren, indem sie über viele hundert Meter hinweg um sich herum durchdringendes Auspuffdröhnen verbreiten und so tun, als sei dies nur sportlich gemeint. Wie sehr wird die Verführung dieser Geld- und Machtbesessenen dein Leben zum Schlechten verändern, wenn du schon solchen Dummheiten auf den Leim gehst?
Die Menschen geben mit ihrer auf Reichtum fixierten Lebensart ein schlechtes Beispiel. Ein gutes Beispiel aber für meine Rede. Sie sind der natürliche Gegenpol des freien Denkens und Fühlens. Dieses gilt aber besonders für die Oberen unter ihnen.
Denn primitiv ist der Geist, der sich einredet, er habe das unumstößliche Recht, das Leben anderer unnötig einzuschränken. Er erhebt vor seinem Herzen den Konkurrenzkampf zum heiligen Gesetz, dem er zu folgen hat. So bildet er sich ein, dass es seine Pflicht sei, auf dem Gebiet der Konkurrenz und des Wettbewerbs so viel Erfolg wie möglich haben zu müssen. Die unnötigen Opfer, die er von seiner menschlichen und dinglichen Umwelt abverlangt, rechtfertigt er mit dieser heiligen Pflicht, stärker, erfolgreicher und besser zu sein als andere.
So wie einst ein Herr Filbinger meinte, seine Pflicht tun zu müssen und später von Herrn Öttinger reingewaschen wurde, so meinen die traurigen Anhänger des konzerneigenen Konkurrenz-Fundamentalismus, dass ihre täglich zelebrierte Unmenschlichkeit und Rücksichtslosigkeit, ihr tägliches asoziales Verhalten schon aus der Ideologie des natürlichen Konkurrenzkampfes gerechtfertigt seien.
Dabei machen sie den selben Fehler wie Adolf Hitler, der eine rassistische Einstellung zum Naturgesetz erhob. Sie sehen sich selbst als "natürliche" Teilnehmer des "natürlichen" Konkurrenzkampfes und wollen nicht sehen, dass sie nur ihren übesteigerten Egoismus bedienen und sich auf Kosten ihrer Umwelt wie die letzten Unmenschen benehmen.
Deshalb wende dich ab von solchen Massenwahn-Phantasien. Traue dir zu, deinen eigenen Weg in dieser Welt zu finden, ohne dich vom primitiven Zeitgeist abhängig zu machen. Bleibe menschlich und rücksichtsvoll, auch wenn du dafür ausgelacht und verlästert wirst. Verschließe nicht dein Herz vor der Erkenntnis und folge auch Gedanken, die bei den anderen möglicherweise "out" sind. Prüfe alles und bleibe Mensch.
anonym, 08.06.2007