Mein Führer - die Filmkritik
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Mein Führer - die Filmkritik

Mein trauriger Führer

Wer Helge Schneider nur ein wenig kennt, der kann verstehen, wenn Helge Schneider sich von diesem Film distanziert. Schneider soll geäußert haben, es sei zu viel geschnitten worden. Doch hat der Film noch ganz andere Schwächen!

Man sitzt da und guckt

Mehr ist erst mal nicht los. Die künstlerische Größe des Hauptdarstellers tröstet vielleicht eine halbe Stunde lang über die inhaltliche Leere des Films hinweg. Danach hat sich der Zuschauer damit abgefunden, dass "heute Abend wohl nichts mehr passiert".

Dafür tun sich aber der Wahrnehmung des Puplikums ganz andere Fakten auf:
  • Da ist eine viel zu dick aufgeklebte Gummimaske, die nicht eine Sekunde lang die Illusion zulässt, dass damit ein Gesicht gemeint sein könnte. Der dunkle Schlitz im Plastikmaterial, hinter dem wohl Helges Mund gewesen sein muss, bewegt sich so gut wie gar nicht. Wenn der Führer spricht, gewinnt jeder leicht den Mimik-Wettbewerb mit Daumen und Zeigefinger!
  • Der gesundheitlich und geistig angeschlagene Hitler erscheint als gemütlicher Insasse einer großen kühlen Villa. Die Stimmung um ihn herum ist typisch deutsch amtlich. Die gesamte Story dreht sich in Beschaulichkeit unter Trümmern langsam um die eigene Achse. Keine wirklich witzigen Bezüge zum nationalsozialistischen Wahnsinn. Der Führer ist ja soooo normal.
  • Da ist eine Jüdin, die Frau des Professors, deren jüdische Abstammung ihr ins Gesicht geschrieben ist. Und wieder bedient der deutsche Film die deutsche Flach-Seele, die annimmt, man könne Juden an der Nase erkennen. Der deutsche Film im deutschen Kino bedient deutsches Klischee-Denken. - Aua! Aua! Aua!
  • Deutsche Intellektuelle sind doof genug, um einen möglicherweise kritischen Film um des billigen Slapstick willen zum Ekel erregenden, das deutsche Denken bestätigenden Klamauk werden zu lassen. Die Deutschen sind vorsichtig. Lieber auf Aufklärung und Anklage verzichten, um das Ding als komischen Erfolg herauszubringen. (Dabei lebt Helge Schneiders Humor gerade vom stillen Protest und vom aufflackernden Vorwurf.)
  • Wieder ist der Jude das Unarische, das Fremde, das Abstoßende. Zigeuner allesamt.
Dagegen verblasst alles, was dazu geeignet wäre, irgendwie den Schwachsinn des Nationalsozialismus zu beleuchten. Die Schlusspointe gerät zum billigen Gag, der tausend Mal in alten deutschen Schinken schon besser gelungen ist.

Oh Gott! Dieses Deutschland ist so abgrundtief weit entfernt von Erkenntnis und Freiheit, dass es in der Seele wehtut, dass Helge Schneider sich für diese Rolle zur Verfügung gestellt hat. Seine angeborene Fähigkeit, den selbstherrlichen Führer zu geben, ist mit diesem Film ins entgegengesetzte Absurdum geführt worden. Sie haben Helge für eine gut gemeinte Idee verwurstet und ihn der deutschen dummschwachen Ungeist-Unterhaltungsindustrie untertan gemacht.

Nebenbei haben sie ein weiteres Mal Hitler als akzeptablen Bauerntölpel hingestellt, der unser aller Mitleid verdient. Dies könnte ein Punkt sein, um den sich dieser Film "Mein Führer" "verdient gemacht" hat. Aber eher hat der Zuschauer mit dem Film selbst Mitleid.

Die einzige erotische Komponente, als Frau Grünbaum den Führer mit einem Kopfkissen zu ersticken versucht und sich mit ihrem Hintern auf das dazu benutzte Kopfkissen setzt, verkommt zum vollkommenen Augenöffnen des ohnehin desillusionierten Zuschauers. Dieser muss erkennen, dass die Frau aus Rücksicht auf den Maskenbildner das Sitzen nur andeutet.

Was für ein Schwachsinn! Der deutsche Film macht offensichtlich Sparfilme in der Hoffnung, die Zuschauer seien dumm genug, um es nicht zu merken. Oder soll die allgemeine wirtschaftliche Situation der unteren 79 Millionen angedeutet werden? Nach dem Motto: Schau, wir können noch nicht einmal anständige Filme drehen? Wir müssen sparen. Also stell dich nicht so an, Deutscher!

Dieser Film liegt deutlich unter dem Durchschnitt. Der Selbstbeschiss des Regisseurs wird hier zum ungeschickten Publikumsbetrug.
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Letzte Aktualisierung am 15.01.2007

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