Maul verbieten, weil er kein Geld und keine Kraft hat? Das ist unsere heutige Welt.
Inhalt Links Kontakt Impressum

Genickbruch der Wachtturmtheologie

Auch Denken ist eine Tat

Trefflich lässt´s sich formulieren. Der Meckerer schimpft und beklagt die Lage. Der Leser fragt nach besseren Lösungen! Denn wer nicht ganz toll mit bessren Lösungen kommt, dem sei das Maul verboten.

Dieses Denken scheint mir die Macht der Mächtigen noch weiter zu stützen. "Halt bloß dein Maul!"

Wieso darf man Problemzusammenhänge nicht benennen? Wieso darf man nicht darüber kritisch nachdenken? Wieso kommt dann gleich einer und macht den Sinn des Denkens von gleichzeitig angebotenen besseren Lösungen abhängig!

Wenn ich die RTL-Verseuchung anprangere, fragt der dann nach einem besseren Sender. Sollte er nicht lieber das stundenlange Fernsehen selbst hinterfragen? Nein? Nur einen bessren Sender verlangen?

Sollte die Politikergilde, die vor besseren Lösungen nur so strotzt, um ein weiteres Mitglied verstärkt werden? - Das ist unnötig.

Lieber keine besseren Lösungen wissen als sich in die Reihe der Lügner stellen. Außerdem geht es hier nicht um die Lösung eines Problems, sondern es geht um den falschen Weg, den die Gesellschaft eingeschlagen hat. Es geht um die unnötigen Opfer, die rechts und links am Wegesrand zurückbleiben. Wenn grassierender Egoismus angeprangert wird, dann steckt die "bessere Lösung" schon in der Kritik. Nichts anderes als die Distanzierung vom falschen Verhalten und vom falschen Denken ist der erste Schritt zu besseren Lösungen.

Die Entdeckung der Gelassenheit. Das konnte man bis vor kurzem an der Autobahn überall lesen. Große Plakate erinnern daran, dass persönliche Stärke auch in der Gelassenheit zu finden ist. Ein ganz normaler Appell an die Vernunft zieht heute nicht mehr. Es muss dem modernen Autofahrer vorgemacht werden, dass er "noch mehr Anerkennung einheimsen kann" - durch Gelassenheit. Der Appell zu mehr Sozialdenken ist heute nicht mehr wirkungsvoll.

Und wenn man beobachtet, wie die armen Schlucker in ihren Seifenkisten es den Porschefahrern nachtun, dann wird klar, dass der gegenwärtige Boom des Egoismus nicht nach "besseren Lösungen" schreit, sondern nach einer Umkehr der Menschen in eine richtigere Richtung.

Zwei Hürden müssen genommen werden. Erstens: Der Staat muss sich dazu bekehren, nicht nur die eigenen Ziele, sondern die Ziele des Volkes zu verfolgen. Zweitens: Die Konzerne müssen in allseitig erträgliche Schranken verwiesen werden.

Ersterer Punkt hört sich ziemlich komisch an. Man meint immer, Staat und Volk seien eins. Dem ist nicht so. Im Gegenteil. - Die Interessen des Staates können nur immer auf die Interessen der effizientesten Klientel gerichtet sein. Das ist das Wesen der Demokratie. Ein Staat, der sich auch um die Minderheiten kümmert, ist ein Staat, der nur aus Idealismus entstanden ist. So ein Gebilde überlebt nicht lange. - So kann der Staat nur dann zur Umkehr bewegt werden, wenn die effizienteste Klientel selbst von den Folgen der eigenen Interessenverfolgung negativ berührt wird.

Letztlich geht es darum, dass die Phase der Deflation abgekürzt wird duch Erhöhung ihrer Intensität. Nur so können die Geldgierhirne der Manager zeitnah erlernen, dass Kassieren als einzige Tätigkeit langfristig die eigenen Hoden in den Bauchraum saugt.

Wer Hunde erzieht, weiß, dass eine allzu lange Zeit zwischen böser Tat und Strafe kontraproduktiv ist.

Versuchen wir eine andere Sichtweise:

Die Konzerne zwingen der Welt ein bestimmtes Spiel auf. Dieses Spiel funktioniert aber nur so lange, wie die Betroffenen mitspielen. Die Macht des Volkes kann sich heute nur noch auf der Ebene des Verzichts auswirken. Doch der Verzicht ist schwer. Irgendwann wird dieser Verzicht durch das Spiel der Konzerne sowie so erzwungen. Das Ende ist vorprogrammiert. Der Zusammenbruch der Initiatoren dieses Konzernspiels wird durch gedankenlosen Konsum hinausgezögert.

Wenn uns aber die spritvergeudenden Reichensöhne begegnen, mit lauter Musik und dem ganzen anderen Dreck, dann verstehen wir, dass die Konzerne eine leichtes Spiel mit uns haben. So lange die Reichen noch so zahlreich sind, dass sie den Konzernen das böse Spiel ermöglichen, werden die ärmeren Schichten keinen Grund haben, auf bessere Zeiten zu hoffen.

Erst wenn der letzte Basstöner aus dem schwarzen BMW ausgebaut und bei ebay, dem Pfandhaus, verkauft ist, erst wenn viele das Zufußgehen wieder schätzen lernen, erst wenn der Sinn des Lebens auch ohne Geld wieder entdeckt wird, kann das Volk selbst wieder die bestimmende Macht werden.

Was heißt hier wieder? Vielleicht war das Volk ja noch nie bestimmend.

Kommentar schreiben:
Name: E-Mail:
Ihr Kommentar erscheint auf dieser Seite spätestens nach 24 Stunden.
Kommentare:
Verzicht ist nicht zwingend Verlust, in vielen Fällen eher Gewinn (nicht zwingend finanziell gemeint) und sicher eine Möglichkeit. Man kann auf viele Dinge verzichten oder wenigstens einschränken und dabei "Gewinn machen".
  • Rauchen
  • Trinken
  • Fleisch essen
  • Auto fahren
  • Fernsehen
  • Restaurant und Kneipenbesuche
  • .....
Und dieser Verzicht beinhaltet nicht zwangsweise einen Verlust von Lebensqualität, eher das Gegenteil.

Man könnte das Ganze auch auf die Spitze treiben und den eigenen Haushalt wie eine Firma führen und jede unnötige Kostenquelle schließen, sparen, optimieren und nochmals einsparen, mal sehen, wo wir enden, wenn keiner was kauft, meiner Meinung nach wäre es einen Versuch wert.

Nornox, 06.05.2008
Schließe mich dem kommentar von Nornox an. Verzicht ist nicht immer einfach, aber meist ein Gewinn und sei es "nur" der Gewinn einer neuen Erkenntnis.

Wilder Wusel, 24.06.2008
Auf nichtssagende Kommentare kann ich gerne verzichten.

Rüdiger Hentschel, 24.06.2008
3 Kommentare online

Eilfusion?
Seite bewerten
Feedback ansehen
Super-Egoismus
Offener Brief wegen ständig steigender Lärmbelästigung
Tarifrechner!
Archiv

Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

Neue Seiten

Druckversion

Online-Polemik-Site-Suche:
Haftungsausschluss | Copyright © Rüdiger Hentschel