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Kritik-Netz

Krieg gegen Israel


Kritik der Kritiker

Es ist noch nicht allzu lange her, da wurde Israel für seine Politik extrem gezielter Militärschläge gegen einzelne Verantwortliche der PLO, der Fatah, der Hamas oder der Hisbollah kritisiert und verurteilt, d.h. für die gezielte Ermordung oder (gewaltsame) Festnahme von gesuchten bzw. mutmaßlichen palästinensischen oder anderen Terroristen.

Das sei völkerrechtswidrig und grausam. Die Präzision israelischer Militäraktionen gegen genau bestimmte palästinensische etc. Ziele ist berühmt-berüchtigt – genau zu jenem Zeitpunkt in jener Straßenschlucht jener Stadt das Auto eines Milizführers der Hamas oder der Hisbollah zu treffen oder in Kommandoaktionen genau bestimmte Personen aus Stützpunkten oder gar Gefängnissen zu entführen.

Militäraktionen werden wie jetzt wieder im Gazastreifen und Südlibanon oft vorangekündigt, um Zivilisten die Möglichkeit zu geben, sich in Sicherheit zu bringen.18 Trifft es Zivilisten – in deren Nähe Raketenabschussbasen und Stützpunkte zu installieren Hamas und Hisbollah eine perfide Meisterschaft entwickelt haben, kommt es auf israelischer Seite zu militärischen Untersuchungen und Berichten19, und gegebenenfalls zu personellen Konsequenzen (Versetzung, Entlassung, Bestrafung von Militärs) oder zumindest zum Ausdruck tiefen Bedauerns durch die politisch und militärisch Verantwortlichen, wie etwa durch Ministerpräsident Olmert im Falle der vielen (zunächst völlig übertrieben bezifferten) zivilen Toten von Kana.20

Alle Informationen aus halbwegs seriösen Quellen über die israelische Kriegsführung im Gazastreifen und Libanon deuten darauf hin, dass das israelische Militär in keiner Weise von seiner grundsätzlichen Strategie abgewichen ist, möglichst nur militärstrategisch wichtige Ziele (Kombattanten der Hamas und Hisbollah, ihre militärischen Stellungen und Gerätschaften, militärisch relevante Infrastruktur etc.) zu treffen und NICHT die Zivilbevölkerung. Zivile Opfer sind – in der grausamen Sprache der Militärs – Kollateralschäden, unbeabsichtigte Nebenfolgen militärischer Aktionen, die ganz anderen Zielen folgen. Diese Folgen sind furchtbar, grausam, entsetzlich. Keine Frage, keine Diskussion. Warum aber nimmt Israel sie in Kauf? Nun, betrachten wir die seit Jahren praktizierte Kriegsführungsstrategie der Gegenseite.

Eine "Der Erfolg der unsichtbaren Guerillas der Hisbollah" betitelte Hymne auf deren "höchst effektiven Guerillakrieg ... aus dem Hinterhalt (!! E.S.)", publiziert wiederum in der "Linken Zeitung", gipfelt in dem Satz: "Sie wollen kein Land erobern, sie wollen allein (!! E.S.) Israel (also den Juden; E.S.) möglichst hohe Verluste (also tote Juden; E.S.) zufügen."21 Zumindest diese Aussage entspricht vollkommen der Wahrheit.

Es ist erklärtes Ziel von Hamas und Hisbollah (und der sie unterstützenden iranischen Führung), Israel zu vernichten. Sämtliche militärischen (Raketenbeschuss etc.) und paramilitärischen Angriffe (Guerillaaktionen, Selbstmordanschläge etc.) waren und sind fast ausschließlich gegen die Zivilbevölkerung Israels gerichtet. Oft noch jugendliche Selbstmordattentäter, gelockt unter anderem mit dem Versprechen, als Märtyrer im Himmel über Heerscharen von Jungfrauen verfügen zu können22, werden von ihren (zu direkten eigenen Militäraktionen anscheinend zu feigen) Führungskadern angeleitet, ihre Sprengsätze möglichst an viel bevölkerten Orten (Busse, Bahnhöfe, Märkte, Restaurants etc.) zu zünden, um möglichst viele Israelis und also (mit hoher Wahrscheinlichkeit) Juden zu töten.

Auch im Irak, Afghanistan, Indien (vgl. etwa die Serienattentate im Bombay am 12. Juli 2006) oder in Indonesien treffen Anschläge islamistischer Terroristen fast ausschließlich Zivilisten. Sind Anschläge "erfolgreich", drücken Verantwortliche nicht ihr Bedauern aus, dass auch unbeteiligte Zivilisten ums Leben kamen, sondern es kommt auf den Straßen zur Ausführung von Freudentänzen – wie etwa nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den palästinensischen Gebieten, da mit dem World-Trade-Center ja, so die paranoide Wahrnehmung, das Zentrum des internationalen jüdischen Finanzkapitals getroffen wurde.

Wollte man die Militärstrategien beider Seiten in zwei einfache Formeln komprimieren, hieße die israelische Tod den Terroristen – die palästinensische bzw. islamistische hingegen Tod den Juden und anderen Ungläubigen.

Perfide bis pervers ist vor diesem und dem anderen Hintergrund, dass Israel zu den Vielvölkerstaaten dieser Welt gehört, im weiteren besonders, Israel als "rassistischen" Staat zu bezeichnen. Nur eine Minderheit der Staatsbürger Israels sind Israelis der ersten Generation. Zuwanderer aus dem Westen wie vor allem aus den arabischen Ländern, Ost-Europa, Asien und Afrika stellen in der Summe die Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger Israels dar, darunter allein 18 Prozent israelische Araber.23

Nur knapp 77 Prozent der Israelis sind jüdischen Glaubens (und davon nur eine kleine Minderheit orthodoxen Glaubens). Fast 15 Prozent sind sunnitische Muslime. Der Rest verteilt sich auf Christen und andere Religionen.

Ich möchte den Vorwurf, Israel sei "rassistisch", mit folgendem Gedankenexperiment parieren: Man stelle sich vor, eine türkisch-islamistische Terrororganisation würde in Berlin hundertfach Selbstmordattentate in vollbesetzten Bussen und Bahnen verüben oder gar aus wechselnden Verstecken im Umland Raketen auf Berlin abfeuern mit dem erklärten Ziel, möglichst viele nicht türkische bzw. nicht islamische Deutsche umzubringen. Wie würde es (eingebürgerten oder nicht eingebürgerten) Türken in Berlin (Berlin-Kreuzberg ist bekanntlich eine der größten türkischen Gemeinden weltweit) und deutschlandweit in kürzester Zeit wohl ergehen? Muss man diesen Gedanken wirklich weiterspinnen? Hat man aber jemals etwas von rassistischen Ausschreitungen jüdischer Israelis gegen arabisch-islamische Israelis nach Anschlägen arabisch-islamischer Terroristen in Israel gehört?

Nahezu Ekel erregend ist schließlich der Vorwurf aus der Ecke Chavez-Ahmadinejad, Israel verübe im Libanon "faschistische Verbrechen" – und mindestens ebenso widerwärtig ist die unkommentierte, also affirmative Wiedergabe dieses ungeheuerlichen Vorwurfs in einer Internetpublikation, die sich "Linke Zeitung" nennt.24

Ahmadinejad, ein antisemitischer Psychopath sondergleichen, der Israel von der Landkarte getilgt sehen will und den Holocaust leugnet, gehört zur Führungsclique eines Landes, das die Terroraktionen von Hamas, Hisbollah und anderen Extremistengruppen finanziert, in dem Pressefreiheit nicht existiert, die Pression politisch Oppositioneller aber um so mehr, in dem Frauen unterdrückt, Ehebrecherinnen gesteinigt, Dieben die Hände abgehackt und Homosexuelle gehängt werden.

Dass ausgerechnet aus einem solchen Land (und wir erinnern uns, dass es in vielen anderen arabischen Diktaturen, was die Einhaltung der Menschenrechte betrifft, nicht viel besser aussieht) ein Faschismusvorwurf in Richtung der im Nahen Osten einzigen halbwegs funktionierenden politischen Demokratie, nämlich Israel, erhoben wird, grenzt nicht mehr, sondern ist ein Fall pathischer Projektion, also der Projektion eigener kranker Phantasien, Handlungsmotive und vor allem: faktischer Taten auf halluzinierte Feinde.

Und was soll man endlich zu dem Vorwurf sagen, "Israel setzt im Libanon Giftgas ein"? Folgt man auf der entsprechenden Seite25 dem Link der Quelle dieser Behauptung, landet man auf der Seite "Wayne Madson Report"26, einem Publikationsort, der mir bislang nicht bekannt war und dessen Seriosität ich aus dem Stehgreif nicht beurteilen kann. Nach längerem Scrollen findet sich im unteren Viertel der Seite in der Tat ein Foto (neben dem Foto einer verstümmelten Kinderleiche), auf dem ein vermeintlicher oder realer israelischer Soldat vor dem Hintergrund eines mit hebräischen Schriftzeichen versehenen, also vermeintlich oder real israelischen Panzers eine Art Flugbombe transportiert. Im Begleittext27, dem nicht zu entnehmen ist, von wem, wo und wann genau dieses Foto aufgenommen worden ist, wird erörtert, was man mit solchen Vielzweckgeschossen machen kann (sie als Träger thermischer, explosiver, chemischer oder gasförmiger etc. Kampfstoffe zu nutzen). Ein konkreter Hin- oder gar Nachweis, dass Israel solche Geschosse für den Einsatz von Giftgas gegen die libanesische oder palästinensische Bevölkerung faktisch eingesetzt hat, findet sich hingegen nicht.

In der "Linken Zeitung" ist aber in besagtem Titel vom faktischen Einsatz von Giftgas die Rede (der Titel steht im Indikativ, nicht im Konjunktiv), und es ist zudem zu lesen: "Dieses Foto beweist den Einsatz chemischer Waffen im Libanon."28 Welche schlimme Assoziation könnte der pseudolinke Autor der pseudolinken "Linken Zeitung" mit der Nutzung des Terminus Giftgas wohl beabsichtigt haben, obgleich nicht mal der Einsatz der inkriminierten Geschosse als Träger chemischer Waffen bewiesen ist?29 Genau: Die Juden sind genauso schlimm wie die deutschen faschistischen Massenmörder damals in Auschwitz.


18 Vgl. www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,429221,00.html
19 Vgl. www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,,OID5776116_REF1,00.html
20 Vgl. www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID5770406,00.html
21 Vgl. www.linkezeitung.de/cms/content/view/827/35/
22 Vgl. z.B. www.n-tv.de/693884.html oder www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/0,1185,OID208912,00.html
23 Vgl. de.wikipedia.org/wiki/Israel
24 Vgl. nochmals www.linkezeitung.de/cms/content/view/821/35/
25 www.linkezeitung.de/cms/content/view/780/35/
26 www.waynemadsenreport.com/
27 Vgl. im Original (mit Kommentaren in Klammern von mir, E.S.): "U.S. military intelligence sources have told WMR that the artillery shell shown below being used by an Israel Defense Force member in Lebanon, is a type of dual and multi-use weapon the neocons falsely accused Saddam Hussein of possessing. Although the canister artillery shell is marketed as an anti-land mine (!! E.S.) fuel-air bomb, its payload can (kann!! E.S.) also include the chemicals used in thermobaric bombs, white phosphorous weapons, and chemical weapons. Thermobaric bombs contain polymer-bonded explosives or solid fuel-air explosives in their payloads. Thermobarics use a fuse munition unit (FMU) such as that seen on the nose of the Israeli artillery shell. The shell penetrates buildings, underground shelters, or tunnels, creating such a blast pressure that all the oxygen is sucked out from the spaces and the lungs of anyone who happens to be in proximity. Israel’s use of such "vacuum" weapons has been reported (wann, von wem? E.S.) from across Lebanon. The artillery shell below, with its FMU penetrator, can (kann!! E.S.) also be used to deliver chemical weapons, the use of which is also being reported from southern Lebanon. In addition, it can deliver white phosphorous, a substance that literally melts through skin but leaves clothing relatively intact. In Fallujah and elsewhere in Iraq, U.S. forces have used white phosphorous on civilians, leaving grotesque corpses as a psychological warfare reminder to the civilian population to surrender or evacuate an area. The photo from Sidon of a burnt and badly disfigured young Lebanese girl is a telltale sign of white phosphorous (also nicht Giftgas; E.S.) use by the Israelis. Similar photos from Fallujah were shown to this editor by a top investtigative reporter for Italy’s RAI television network. U.S. military intelligence experts believe (sie wissen es also nicht; E.S.) the ease at which the Israeli soldier is handling the artillery shell is an indication that the payload contains light-weight gas and not a fuel-air mixture or thermobaric bomb components. WMR continues to receive reports from Lebanon of depleted uranium shells being used by the Israelis. The New York Times today is reporting that the U.S. is stepping up its delivery of "precision-guided" munitions to Israel (see article below on Bush administration pre-planning for the Israeli invasions of Lebanon and Gaza)."
28 Vgl. www.linkezeitung.de/cms/content/view/780/35/ - Hervorhebung oben E.S.
29 Man beachte, dass Phosphorbomben – eine der Verwendungsarten des abgebildeten Geschosses, deren Gebrauch durch die Israelis in mehreren Medien behauptet wurde, zwar auch irgendwie "chemisch" sind (so wie jede Sprengladung bzw. jeder Kampfstoff als chemische Verbindung irgendwie "chemisch" ist), ansonsten aber zu den Brandbomben zu zählen sind und nicht zu chemischen Waffen im üblichen Verständnis.
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