Krieg gegen Israel
Vermeintliche Kriegsgründe
Ich möchte an dieser Stelle die Ereignisse der letzten Wochen weder im Detail noch allgemein rekapitulieren – sie wurden und werden uns über alle Medienkanäle permanent berichtet und sind teilweise hervorragend dokumentiert.8 Was mich hier allein interessiert, ist die Beantwortung der Frage, warum die Israelis tun, was sie derzeit tun. Dieses Tun ist nämlich nach Meinung jener pseudolinken Kritiker, die weit besser als die verantwortlichen israelischen Politiker und Militärs zu wissen glauben, was die Israelis warum tun, Ausdruck reinsten militärischen und politischen Irrsinns: "Die militärische Wirkung ist gleich Null, die politische Wirkung verheerend."9
Wir erfahren also zunächst, dass die israelischen Verantwortlichen Kretins sind, die von den militärisch nichtigen bis politisch verheerenden Folgen ihres Tuns nichts ahnen – oder es sehend in Kauf nehmen, um, wie wir weiter lesen, "verbündete Streitkräfte in den Libanonkrieg ... (u)nd das heißt ... in den Weltkrieg (!! E.S.)" zu verwickeln.10
Warum sich der Autor dieser Sätze gegen militärische Aktionen ereifert, deren Wirkung "gleich Null" ist, ist genauso unerfindlich wie die Lösung des Rätsels, wie man mit "politisch verheerenden" Aktionen Verbündete für sich gewinnen sollte. Erfindlich ist für zeithistorisch halbwegs Informierte hingegen, dass die militärische Wirkung fast aller militärischen Aktionen der Israelis in den letzten fünfzig Jahren gegen alle erklärten und immer wieder unternommenen Versuche seiner geographischen Nachbarn (und nicht nur der), Israel zu vernichten, ein Erfolg sondergleichen war und ist und (so möchte ich auch im Falle des derzeitigen Krieges prophezeien) bleiben wird: die Sicherung der Existenz des Staates Israel als Heimstatt der seit zwei Jahrtausenden von den antisemitischen Psychopathen dieser Welt verfolgten Juden.
Betrachten und analysieren wir einige weitere Angebote der Analyse und Identifikation der Ursachen und Motive des neuesten Krieges im Nahen Osten, die Autoren aus dem Dunstkreis der (nicht nur) bundesdeutschen Linken in den letzten Tagen so von sich gegeben haben:
Wir erfahren etwa von Uri Avnery, dessen friedenspolitische Motive ebenso hoch wie seine politikanalytischen Gaben oft zurückhaltend einzuschätzen sind, dass es den Israelis gar nicht wirklich um die Vertreibung der Hisbollah samt ihrer Raketen aus dem Südlibanon geht. Wir lesen vielmehr: "Von Anfang an war es das Ziel der Operation, Beirut zu erreichen und dort einen Quisling-Diktator (also einen Israel genehmen Diktator; E.S.) einzusetzen."11
Auch Avnery geht davon aus, dass die politischen und militärischen Verantwortlichen in Israel zwei und zwei nicht zusammenzählen können. Er schreibt nämlich weiter: "Das ist militärische Logik. Ich habe meine Zweifel daran. Man kann eher vermuten, dass der größte Teil der Libanesen wie jedes andere Volk auf der Welt reagieren wird: mit Zorn und Hass gegen die Invasoren. So geschah es 1982 als die Schiiten im Süden des Libanon – bis dahin so gefügig wie ein Fußabstreifer – sich gegen die israelischen Besatzer erhoben und die Hisbollah gründeten, die die stärkste Kraft des Landes wurde. Wenn die libanesische Elite sich nun als Kollaborateure
Israels erweisen sollte, wird sie von der Landkarte gefegt. (Übrigens: haben denn die (aus dem Südlibanon in Richtung Israel abgeschossenen; E.S.) Qassams und Katjuschas die israelische Bevölkerung dazu gebracht, auf ihre Regierung Druck auszuüben, damit sie aufgibt? Im Gegenteil.)"
Ein sekundäres Ziel des Krieges sei, die "Abschreckungsmacht der Armee" zu demonstrieren und den "verletzten Stolz" zu heilen, der durch die gelungene Entführung der israelischen Soldaten an den Grenzen des Gazastreifens bzw. Südlibanons entstanden sei (ebd.).12
Nun, nehmen wir an, Avnerys Analyse sei korrekt, dass nämlich die Israelis ein militärisch undurchführbares und damit politisch dämliches Kriegsziel verfolgen: die Einsetzung eines Israel genehmen Diktators in Beirut. Wann wäre denn ein "Diktator" im Libanon den Israelis genehm? Ich würde sagen: Genau dann, wenn er verhindern würde, dass die Hisbollah oder andere Milizen weiterhin den Norden Israels terrorisieren.
Nur – was wäre an einem solchen Zustand denn zu kritisieren? Oder an dem, dass Israel seine "Abschreckungsmacht" wiederherstellt – und also die Hisbollah von weiteren Terroranschlägen in Israel faktisch abschreckt? Das Einzige, was man an der Durchsetzung dieser (unterstellten) Kriegsziele kritisieren könnte, wäre die Art ihrer Durchsetzung: dass die Israelis unverhältnismäßig reagieren (das würde ich sogar unterschreiben), dass sie den Tod von unzähligen Zivilisten in Kauf nehmen etc. pp., eben all die Vorwürfe, die wir seit Wochen in den Medien in Richtung Israel hören und lesen – auch und gerade von jenen, die vorgeben, der politischen Linken zuzugehören.
Um weitere Beispiele zu geben: Hüseyin Aydin von der WASG und Bundestagsabgeordneter der Linkspartei.PDS erklärt (auf der offiziellen Homepage der WASG), dass Israel einen neuen Krieg "gegen die palästinensische" und die "gesamte (!! E.S.) libanesische Bevölkerung" führt und dass Israels "blindwütige (!! E.S.) ... Militäraktionen", die "lediglich (!! E.S.) ... das Leben der eigenen Soldaten mutwillig (!! E.S.) aufs Spiel setzen ..., vom ersten Tag an auf die Verbreitung maximalen Elends unter den Zivilisten ausgerichtet" waren und als "kollektive Bestrafung der palästinensischen Bevölkerung für die Wahl der Hamas" zu verstehen seien.13
Jihad Samhat spricht in der schon zitierten "Linken Zeitung" von einer "israelischen Terrormaschine" und tituliert Israel als "rassistisches Regime".14 Dortselbst lesen wir völlig unkommentiert (und also Affirmation zum Ausdruck bringend), dass Hugo Chavez "zusammen mit dem Iran" bzw. Mahmud Ahmadinejad15, den er als "mutigen Mann ... lobt", die israelischen Militäraktionen im Libanon als "faschistische Verbrechen" verurteilt.16
Und dazu, zum Faschismusvorwurf, passt schließlich, dass am gleichen Publikationsort Israel der Einsatz von "Giftgas" gegen die libanesische Zivilbevölkerung unterstellt wird.17
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