Während zu "Lebzeiten" des real existierenden Sozialismus der Kapitalismus den Vorsprung des allgemeinen Fortschritts und des allgemeinen Reichtums hatte oder zu haben schien, geht die kapitalistische Wirtschaft nach dem Absterben des Sozialismus offen und unverblümt die selben Wege wie früher der Sozialismus. Dabei geht er nur noch ungerechter und egoistischer vor.
Im Sozialismus war die Armut durch "Freisetzung" noch einigermaßen auf die Leute verteilt. Es gab "keine Arbeitslosen". Die dem sozialistischen System immanente Misswirtschaft steigerte allerdings den falschen Verlauf der Volkswirtschaft und vermittelte den Eindruck, als sei der Kapitalismus in allen Belangen das erfolgreichere Wirtschaftssystem.

Im heute selbstverständlichen und allgemein anerkannten Konzernkapitalismus finden nicht genau die selben Mechanismen statt. Die Verteilung der Lasten ist einseitiger und willkürlich. Die Misswirtschaft ist die selbe. Hinzu kommt die fatale Wirkung der grenzen- und gewissenlosen Gewinnmaximierung im Auftrag und zugunsten der Aktienbesitzer.
Die Gewinngier der Aktionäre wird über die Konzern-Manager durch alle Instanzen hindurch unvermindert an die Menschen durchgereicht. Am untersten Ende der Hierarchie steht der Arbeitnehmer, der "mal eben freigesetzt" wird, wenn "betriebswirtschaftliche Notwendigkeiten" dies erforderlich machen. Zur Bereicherung der ohnehin schon Reichen werden immer wieder Tausende von Familien in die Armut getrieben. Einzig, um die Taschen der Aktionäre zu füllen.
Durch die willige und vorauseilende Übereignung der nationalen Wirtschaft an Konzerne, haben sich Staaten und Nationen der Willkür der Börse ausgesetzt und zahlen die Zeche des Naiven, der um vermeintlicher Freundschaft willen Runde um Runde ausgibt und die um ihn Versammelten freihält.
Fast ungeduldig stehen die Konzerne in der Warteschlange derer, die mit ihren Hiobsbotschaften an die Öffentlichkeit treten dürfen. Denn wenn alle nach Belieben die Menschen hinauswerfen würden, wäre in sehr kurzer Zeit Revolution! Das wird vermieden. Die Konzerne wählen sehr bedacht und umsichtig die Zeitpunkte, wann wer welchen Schaden der Volkswirtschaft antun darf.
Im Februar 2006 setzte die Deutsche Telekom auf einen Schlag 32.000 Mitarbeiter an die Luft.
www.online-polemik.de/telekom-konzern-philosophie.htm
Pünktlich ein Jahr später, nachdem groß herumgetönt worden war, die Entlassungsorgie sei ja nur gut für die verbliebenen Mitarbeiter, werden 50.000 Mitarbeiter in eine Tochtergesellschaft umgesetzt und ihres Einkommens massiv beraubt. Sie bekommen weniger Lohn und müssen länger dafür arbeiten.
Spätestens hier müsste eigentlich klar werden, dass der Kapitalismus nicht nur keinen tatsächlichen Nutzen hat (außer für die Aktienbesitzer), sondern langfristig die Gesellschaft zerstört und nach Abzug der Gewinne einen Trümmerhaufen zurücklässt. Die kapitalistische Ausbeutung hat zur sozialistischen Ausbeutung nur den Unterschied, dass die Ausgebeuteten extrem stärker fallen gelassen werden als die Ausgebeuteten im Sozialismus. Dadurch lässt sich eine allgemeingültige negative Erfahrungsverbreitung in der Nation vermeiden. Die Abgeschafften, die aus der Gesellschaft der Arbeitenden Ausgestoßenen finden in ihrer Umgebung keine Beachtung, keine Aufmerksamkeit. Sie verstecken sich. Die punktuelle Zerstörung der Wirtschafts- und Lebensstrukturen durch die Konzerne betreffen immer nur ein paar Tausend am anderen Ende der Nation.
Durch diese Machart der Volkswirtschaftsausnutzung bleibt der blutsaugende Biss der Mächtigen regional begrenzt und das breite Vergessen der Öffentlichkeit tritt schneller ein. Zahlen lassen sich schnell vergessen. Während man im Sozialismus fast in jedem Mitmenschen einen Leidensgenossen vorfand, muss man in unseren konzernkapitalistischen Landen schon professionell recherchieren, bis man jemanden findet, der zugibt, von Verbrecher IV leben zu müssen.
Der europäische Flugzeughersteller Airbus hatte seinen Termin zur Bekanntgabe seiner Ausbeutungspläne kurz vor dem Ausbeutungsprogramm 2007 der Telekom. Kurz nach der Telekom ist der Konzern Bayer an der Reihe, sein Konzept zur Ausbeutung der Volkswirtschaft an die Öffentlichkeit zu geben.
Allem Anschein nach verhalten sich die Konzerne, was die Veröffentlichung ihrer Ausbeutungsschritte angeht, nach dem Muster "So wenig wie nötig und so viel wie möglich". Anders ist kaum zu erklären, in wie wohlabgestimmten Intervallen die Entlassung tausender Beschäftigter ins Bewusstsein der Öffentlichkeit geträufelt wird. Es mutet an, als seien verschiedene Vampire am noch gerade lebenden Menschen beschäftigt. Zuviel absaugen zieht den Zorn der Artgenossen nach sich. Zu wenig absaugen lässt den Blutsauger lahm und dümmlich erscheinen.
Die Börse ist der offen das Fett und den Rahm absaugende Faktor im Konzernkapitalismus. Im Vergleich zum Sozialismus fällt eine geradezu ausgekochte Brutalität der Konzerne in Zusammenarbeit mit dem Staat auf. Einzig der öffentlich sichtbare Reichtum unterscheidet sich. Allerdings ist im Konzernkapitalismus genau dieser öffentliche Reichtum an nur wenige Besitzer gebunden. Der Rest der Menschen lebt auf Kredit. Und von Verbrecher IV.
Der Konzern-Kapitalismus ist im Vergleich mit dem Sozialismus eine Wirtschaftsform, die ganz offen ihr Hintertreiben der Volkswirtschaft praktiziert und gut mit der fernsehbesoffenen Vergesslichkeit der Menschen lebt. Der Konzern-Kapitalismus nährt in jedem einfachen Geist die stetige Hoffnung, doch noch irgendwie aus dem Schlamassel herauszukommen und sei es durch einen Lottogewinn. Das Fernsehen suggeriert den Massen mit seinen Millionen-Quiz-Sendungen, dass jeder eigentlich eine Chance habe.
Doch eine einzige echte Chance haben alle ganz sicher: Im Konzern-Kapitalismus noch perfider und raffinierter ausgebeutet zu werden als im Sozialismus.
aber was soll die telecom tun, wenn sie überbesetzt, eben zuviele arbeitskräfte hat, die nicht gebraucht werden?
das muss der kleine unternehmer auch tun, wenn zum beispiel ein auftrag verloren geht oder etwas wegfällt oder durch rationalisierung eingespart werden kann.
ich sehe das, aber was sollte der unternehmer tun?
der kann nämlich auch schnell mal pleite gehen.
daedalus5, 24.09.2007