Haben die Israelis Kriegsverbrechen begangen?
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Haben die Israelis Kriegsverbrechen begangen?


Israel hat inzwischen den Einsatz von Streubomben gegen Stellungen der Hisbollah im Süden Libanons zugegeben. Liest man die entsprechende Meldung34 aber im Detail, erfährt man, dass bei dem Angriff exakt eine Zivilperson ums Leben kam – und auch diese eine Zivilperson ist natürlich eine zuviel. Wir erfahren aber nicht, wie viele Kombattanten ums Leben gekommen sind und was konkret zerstört wurde. Die Meldung, Israel habe Streubomben eingesetzt, suggerieren natürlich sofort, Israel habe damit Massenmord an Zivilisten beabsichtigt.

Amnesty International berichtet, dass Israel vorsätzlich auch zivile Ziele angegriffen habe. Ich will der Reputation von Amnesty International, einer Organisation, die ich ansonsten hoch schätze, keinerlei Abbruch tun, nur sind einige Details der Meldung doch recht auffällig und interpretationsbedürftig. Wir lesen: "Bei mehr als 7000 Luftangriffen und 2500 Angriffen von See kamen etwa 1200 Menschen ums Leben (1200 zuviel – nur, wie viele davon waren Kombattanten? E.S.), ein Drittel davon Kinder, eine Million Menschen wurden zu Flüchtlingen gemacht. Zerstört wurden etwa 15.000 Häuser und Wohnungen, mindestens 25 Tankstellen, zwei Krankenhäuser, 900 Geschäfte oder Produktionsstätten, 80 Brücken und 90 Straßen, außerdem Brunnen, Wasserleitungen und -pumpen, Kläranlagen, Kraftwerke und Umspannstationen, ein Leuchtturm sowie die größte Meierei des Landes ... Immer seien die Schläge sehr präzise (!!) gewesen ... Aus Sicht von amnesty war es gerade die hohe Treffgenauigkeit (!!) der eingesetzten Munition, die jetzt beweist, dass die Schäden an zivilen Einrichtungen nicht ungewollte Kollateralschäden, sondern beabsichtigt waren und zur Taktik der Armee gehörten.

Auffällig sei zum Beispiel, dass viele Häuser allein dadurch zum Einsturz gebracht wurden, indem einzelne tragende Pfeiler beschossen wurden und das Gebäude dann unter seinem eigenen Gewicht zusammenklappte ... Im Süden des Libanon, so amnesty, gebe es kein Dorf mehr, in dem nicht immer auch der örtliche Supermarkt angegriffen worden sei. Es gebe sogar Dörfer, in denen nur der Supermarkt zerstört worden sei."35

Nun hört man ja von heutiger Militärtechnik immer wieder wahre Wundergeschichten – nur wie man aus der Luft oder gar von See aus Gebäude so genau beschießen kann, dass einzelne tragende Pfeiler getroffen werden, erscheint doch etwas phantastisch. Wohlgemerkt: Betonpfeiler! Nicht etwa Wärme abstrahlende Fahr- oder Flugzeuge etc., die von Infrarot geleiteten Geschossen aufgespürt und getroffen werden können (wie die Präzisionsangriffe der Israelis auf Fahrzeuge militanter Hisbollah- oder Hamas-Kader immer wieder demonstrierten).

Und wer südländische kleine Dörfer kennt (ich tue es), der weiß, dass der örtliche "Supermarkt" in der Regel schlichtweg ein kleiner Tante-Emma-Laden ist, den man nur bei direktem Vorbeigehen als solchen erkennt und der in einem Gebäude untergebracht ist, das man ansonsten von umstehenden Gebäuden kaum unterscheiden kann – am allerwenigsten aus der Luft oder von See aus.

Es sei nochmals festgestellt: Auch 1200 Tote (samt Kombattanten!) sind 1200 Tote zuviel. Aber zeigt nicht die Relation dieser Zahl zu den (wie zitiert) etwa 17000 zerstörten Objekten, dass die israelischen Militärschläge eben "sehr präzise" Objekte zerstören sollten (interessanterweise ist in der Meldung an keiner Stelle von Stellungen der Hisbollah oder anderen militärischen Zielen in der Nähe dieser Objekte oder gar in einigen dieser Objekte die Rede!) – und eben nicht beabsichtigt zivile (zudem immer wieder zum Verlassen bestimmter Objekte aufgeforderte!) Subjekte?

Und wie wird wohl die Relation der durch die Raketen und Selbstmordattentäter der Hisbollah zerstörten Objekte und getöteten Subjekte in Israel sein? Ich würde schätzen: exakt umgekehrt (die Relation – nicht die absoluten Zahlen). Und ich muss leider schätzen.

Am Ende der Meldung über den Bericht von Amnesty International heißt es nämlich lapidar: "Gegenstand des amnesty-Berichts war ausschließlich Israels Offensive und nicht die Aktionen der Hisbollah. Mit denen, so amnesty, beschäftige man sich an anderer Stelle." Bis heute habe ich diesbezüglich von Amnesty International nichts gehört oder gelesen.

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