Um es vorab, ganz eindeutig, endgültig und ein für alle mal zu sagen: Was dem palästinensischen Volk seit einem Jahrhundert von Seiten der ehemaligen Großmächte, der Mandatsmacht Großbritannien (1920-1948), des Völkerbunds, der UNO, Jordaniens, Syriens, verschiedener anderer arabischer Staaten, diverser islamischer oder christlicher Milizen im Libanon, militant rivalisierender eigener Führungscliquen und auch israelischen Militärs bzw. israelischer religiöser Extremisten (Siedler etc.) angetan wurde und wird, ist schier unglaublich. Die Palästinenser sind eines der geschundenen Völker dieser Welt. Ja, Ja, JA!
Wenn es nie eine Geschichte vor dem 14. Mai 1948, dem Tag der Gründung Israels, gegeben hätte, wäre diese Gründung auf dem Gebiet Palästinas, in dem die Palästinenser
bzw. die arabischen Muslime die überwältigende Bevölkerungsmehrheit stellten, obwohl völkerrechtlich völlig legal, menschlich völlig illegitim. Für die indigene nichtisraelische palästinensische bzw. arabisch-muslimische Bevölkerung war sie eine Tragödie – insbesondere nach ihrer Flucht und Vertreibung aus Israel infolge des Krieges der arabischen Nachbarn gegen Israel von Mai 1948 bis Januar 1949.
Und diese Tragödie hörte damit nicht auf. Obwohl die gleiche UN-Resolution, die zur Gründung Israels führte, die Gründung eines palästinensischen Staates vorsah
36, kam es nie zu dazu, weil die arabischen Staaten diese Resolution nie anerkannten – sie hätte ja eine Anerkennung Israels impliziert – und weil Ägypten bzw. Jordanien den Gazastreifen bzw. das Westjordanland nach dem Krieg gegen Israel 1948/1949 bis zum Sechstagekrieg 1967 besetzt hielten. Seit 1949 bzw. 1967 leben die Palästinenser also in besetzten Gebieten (Gaza und Westbank) oder in Flüchtlingslagern, zunächst vor allem in Jordanien, später im Libanon.
Und dort sterben sie auch. Erinnert sei nur an zwei für die Palästinenser traumatische historische Ereignisse. Sie seien etwas ausführlicher zitiert, um aufzuzeigen, dass der Nahostkonflikt weit davon entfernt ist, nur ein israelisch-palästinensischer zu sein: "Die PLO bildet nach dem Sechs-Tage-Krieg 1967 und spätestens seit der Schlacht von Karame 1968 in Jordanien einen Staat im Staate und verschärft die Konfrontation mit König Hussein von Jordanien. Die PLO-Fraktion PFLP verübt am 2. September 1970 ein Attentat auf den König, das aber fehlschlägt. In der Folge kommt es zu bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen zwischen den PLO-Milizen und der jordanischen Armee ... Am 16. September eskaliert die Situation, als Hussein den Befehl zur endgültigen Niederschlagung des Aufstandes gibt und palästinensische Flüchtlingslager in Amman bombardieren lässt. Dabei wurden schätzungsweise drei- bis fünftausend Palästinenser getötet ... Als Konsequenz muss die PLO ihre Stützpunkte in den Libanon verlegen und Yassir Arafat flieht nach Kairo."
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Und im Libanon widerfuhr den Palästinensern (die des Mordes am christlich-maronitischen Präsidenten und Chef der libanesischen Streitkräfte Bashir Gemayel am 14. September 1982 verdächtigt wurden und im Libanon inzwischen wieder einen Staat im Staate bildeten) ihr nächstes Golgatha, das Massaker von Sabra und Schatila: "Am Abend des 16. September (1982 – seit Juni 1982 tobte der erste Libanonkrieg. E.S.) wurden etwa 150 phalangistische (d.h. christlich-maronitische; E.S.) Milizionäre unter dem Kommando von Elie Hobeika in die Lager geschickt, um (!!) die Entwaffnung (!!) der dort vermuteten militanten Palästinenser durchzuführen. Die Milizen durchkämmten die Lager und töteten (jedoch; E.S.) wahllos die zumeist (!!) völlig unbewaffneten Bewohner, einschließlich Frauen, Kindern und Alten. Viele der Opfer wurden außerdem verstümmelt, auch kam es zu Folterungen und Vergewaltigungen. Dies geschah in voller Sicht israelischer Beobachtungsposten auf umliegenden Gebäuden (Stellen Sie sich, liebe Leser, auf irgendein Gebäude einer Stadt, und beobachten Sie, was Sie in oder zwischen umliegenden Gebäuden erkennen können – fast nichts; E.S.) welche die Lagerausgänge abriegelten und die Lager während der Nacht mit Leuchtraketen erhellten, um die phalangistischen Milizen zu unterstützen (bei der Ausführung des offiziellen Kampfauftrags, militante Palästinenser zu entwaffnen? E.S.) ...
Nach späteren Erkenntnissen war nicht nur die (israelische; E.S.) Militärführung vor Ort genauestens über die Vorgänge in den Lagern informiert (so genau zumindest, wie man das von umliegenden Häusern beobachten konnte; E.S.), sondern auch die Regierung in Tel Aviv (vom offiziellen Auftrag – oder von der grausamen Realität? E.S.) ... Israelische Stellen gehen von rund 800 militärischen und zivilen Toten aus, nach anderen Schätzungen waren an die 2.000 Personen ermordet worden. Die PLO sprach von 3.300 Ermordeten ...
Obwohl es sich bei dem Vorfall primär um einen Konflikt zwischen christlichen Milizen und palästinensischen Arabern handelte, entzündete sich die internationalen Empörung an der israelischen Mitverantwortung für das Massaker. Das von den schiitischen (!!) Amal-Milizen drei Jahre später in den Lagern begangene weitere Massaker,
bei dem nach UN-Angaben 635 Menschen umkamen und mehr als 2500 verwundet wurden, blieb hingegen mangels (!!) israelischer Involvierung (!!) ohne große internationale
Resonanz, ebenso wie der Angriff syrischer Regierungstruppen auf die christlich kontrollierten Gebiete im Oktober 1990. Bei diesem Angriff wurden in acht Stunden
700 Menschen getötet ...
Ein Versuch, den unmittelbaren Haupttäter Elie Hobeika zu belangen, wurde weder von Seiten arabischer Staaten noch von den Israelis unternommen. Vielmehr bekleidete
er nach Ende des Libanesischen Bürgerkrieges acht Jahre lang mehrere Ministerämter in der von Syrien (!!) kontrollierten Regierung des Libanons (!!)."
38 Anfang 2002 erbarmte sich seiner in Beirut eine Autobombe.
Diese Zitate zeigen, dass der Nahostkonflikt schon seit langer Zeit – ein Nahostkonflikt ist und weit über den israelisch-palästinensischen Konflikt hinaus geht. Selbstverständlich sind viele Konflikte zwischen Palästinensern und anderen arabisch-islamischen Staaten oder islamistischen bzw. christlichen Milizen etc. auch Folgekonflikte ihres Flüchtlingsdaseins und damit Spätfolgen ihrer ersten Flucht bzw. Vertreibung aus Israel während des arabischen Angriffskriegs gegen Israel 1948-1949. Aber viele innerarabische Konflikte, in denen sich die Palästinenser oft sehr ambivalent verhielten und, je nach eigenen Interessen und Opportunitäten, sich mal auf die eine, mal auf die andere Seite schlugen, haben mit der Existenz Israels wenig bis nichts zu tun (Irak kontra Iran oder Kuwait; Syrien kontra Jordanien oder Libanon; Libyen kontra Ägypten etc.).
Gleichwohl gehört auch die Politik Israels in den seit 1967 besetzten Palästinensergebieten (Gaza, Westbank, Ostjerusalem) zum historisch noch immer nicht abgeschlossenen Kapitel der Tragödie der palästinensischen Zivilbevölkerung. Als Zeitzeugen haben wir die israelischen Reaktionen auf Angriffe arabisch-islamischer Staaten und vor allem palästinensisch- bzw. arabisch-islamistischer Gruppen wie Fatah, Djihat, Hisbollah, Hamas etc. noch lebhaft in Erinnerung: Absperrung der Palästinensergebiete und damit Ausschluss vieler palästinensischer Arbeitskräfte von ihrem Broterwerb in Israel; Bestrafung der Angehörigen von Attentätern durch Sprengung ihrer Häuser; Inhaftierung oder gezielte Tötung verantwortlicher (oder auch nur vermeintlicher) Terroristen und Befehlsgeber unter Inkaufnahme ziviler Toter; Bau einer bis zu acht Meter hohen Grenzmauer zu den und oft auf den Palästinensergebieten etc.
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Zu diesen israelischen Reaktionen in Folge der Angriffe palästinensisch- bzw. arabisch-islamistischer Terrorgruppen, die als Reaktionen zumindest noch halbwegs nachvollziehbar sind, kommen jedoch auch Aktionen der Israelis, die mit der Verteidigung ihrer Existenz (fast) nichts mehr zu tun haben: Zwar waren die ersten Siedlungen (in der Regel) religiös-fanatischer israelischer Siedler auf besetztem palästinensischen Gebiet noch als Wehrdörfer geplant und konzipiert. Doch die massive Unterstützung des Ausbaus dieser und der Neuerrichtung immer weiterer Siedlungen durch fast alle israelischen Regierungen – bis hin zur offiziellen Annektion Ost-Jerusalems durch einen Beschluss der Knesset am 30. Juli 1980 – entwickelte sich zu nackter machtpolitisch und religiös-nationalistisch motivierter Okkupationspolitik und ist eine Schande für einen Staat, der Heimstatt der Juden sein wollte und sein will, einer Religionsgemeinschaft, die die Folgen religiöser, nationalistisch-chauvinistischer und rassistischer Blut-und-Boden-Politik in ihrer zweitausendjährigen Geschichte erleben musste wie keine zweite.
Nur, diese Politik der israelischen Rechten neigt sich aufgrund erwiesener Erfolglosigkeit, ja Kontraproduktivität zum Glück ihrem Ende zu (Rückzug der Israelis zunächst aus dem Sinai, dann aus dem Südlibanon, zuletzt aus dem Gazastreifen und erneut aus dem Südlibanon und geplanter Rückzug aus der Westbank).
Wir müssen also feststellen, dass die Palästinenser seit einem guten Jahrhundert Spielball einer weltgeschichtlichen Entwicklungen sind, für die sie in keiner Weise
selbst verantwortlich sind – zumindest bis zum Jahre 1949. Diese Entwicklung war und ist für die Palästinenser eine einzige Tragödie, ein einziger Wahnsinn.
Nur, dieser Wahnsinn war und ist Folge des bislang und mit Abstand größten Wahnsinns der Weltgeschichte: der zweitausendjährigen Verfolgung der Juden und ihrer Kulmination in der systematischen Ermordung fast der gesamten europäischen Juden durch deutsche (und nichtdeutsche) Faschisten im Holocaust, in der Shoa zwischen 1939 und 1945.
40 Und diese Verfolgung endete 1945 nicht. In vielen Staaten Osteuropas und der stalinistischen UdSSR kam es auch nach 1945 zu schweren antisemitischen Pogromen.
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Der Entschluss der Völkergemeinschaft, zunächst des Völkerbunds, dann der UNO, auf dem Gebiet Palästinas eine Heimstatt der Juden (und einen palästinensischen Staat!)
zu ermöglichen, war eine welthistorisch wie moralisch absolute Notwendigkeit. Der Zionismus
42 ist eine direkte Konsequenz der Verfolgung der europäischen Juden
43 durch die gesamte Neuzeit hindurch – vom Mittelalter über das 19. und 20. Jahrhundert bis hin nach Auschwitz.
Um drei zentrale historische Stationen des Antisemitismus und der Judenverfolgung bis zum Anfang des 20. Jahrhundert aus neutraler Quelle zu zitieren: "Unter dem Einfluss des allgemeinen Konzils von Vienne im Jahr 1311 forderte der spanische Klerus immer lauter die Entfernung der Juden aus allen Staatsämtern, die Trennung von christlichen von jüdischen Lebensbereichen, die Aufhebung des Zeugnisrechtes für Juden und ihre öffentliche Kenntlichmachung durch besondere Kleiderattribute, wie dem Tragen eines Judenabzeichens. Am 6. Juni 1391 stürmte der seit Jahrzehnten durch antijüdische Propaganda von der Kanzel herab aufgeputschte Pöbel das jüdische Viertel Sevillas. Seine Bewohner wurden, wenn sie nicht den Tod fanden, als Sklaven verkauft oder der Zwangstaufe unterzogen. (Letztere wurde bereits seit der Zeit der Westgoten durchgeführt.) Die zwangsgetauften Juden – spanisch conversos bzw. Marranen: Schweine ... genannt – sollten in den folgenden Jahrzehnten das Ziel blutiger
Verfolgungen und Massaker sein.
Die Entwicklung in Spanien war jedoch keine Entwicklung am Rande Europas, sondern entsprach dem allgemeinen politischen und sozialen Klima den Juden gegenüber. Bereits 1144 waren im englischen Norwich die ersten Beschuldigungen wegen angeblichen rituellen Christenmordes aufgetaucht, die in der Enteignung und endgültigen Vertreibung der Juden aus England unter Eduard I. gipfelten. 1394 folgte Karl VI. von Frankreich seinem Beispiel. 1215 bereits hatte Papst Innozenz III. auf dem 4. Laterankonzil ... eine Reihe von antijüdischen Maßnahmen verkündet. Wie schon im arabischen Kodex Omar forderte auch er, dass sich Juden in der Öffentlichkeit durch bestimmte Farben und Kleidung kenntlich zu machen hätten. Die antijüdischen kirchlichen Gesetze führten schließlich zum Verbot des Talmud und 1240 zu seiner öffentlichen Verbrennung. Zwar hob Innozenz IV. das Talmudverbot wieder auf, doch konnte er die antijüdischen Tendenzen und Haltungen innerhalb der Kirche damit nicht verhindern bzw. abmildern.
Zwischen 1298 und 1348 kam es zu schweren Verfolgungen vor allem in den deutschsprachigen Gebieten, so 1298 bis 1303 durch die so genannte Rindfleisch-Bewegung und zwischen 1336 und 1338 durch die Armleder-Bewegung, in deren Verlauf es zu zahlreichen blutigen Pogromen in Deutschland kam. Als in den Jahren 1348 bis 1353 die Pest in ganz Europa wütete ... wurden die Juden als vermeintliche Urheber der Seuche verfolgt. In Spanien wurden seit 1391 die Juden offiziell verfolgt und mussten zwischen Hinrichtung und Zwangstaufe wählen. Eine besondere Schärfe erhielten die Verfolgungen, als mit Einführung der Inquisition 1480 unter Ferdinand von Aragonien und Isabella von Kastilien nicht mehr nur die Juden Ziel der Nachstellungen wurden, sondern auch jene, die zwar rein äußerlich zum Christentum konvertiert waren, um ihr Leben zu retten, die aber im Geheimen weiterhin ihrem alten Glauben die Treue hielten.
Eine große Zahl dieser zwangskatholisierten spanischen und portugiesischen Juden wurde Opfer der Inquisition und starb auf dem Scheiterhaufen. Nicht zuletzt auf Betreiben des Großinquisitors Tomás de Torquemada wurden am 31. März 1492 alle Juden aus Spanien vertrieben. 1497 folgte auch ihre Ausweisung aus Portugal ..."
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"Nach dem Ende des Deutsch-Französischen Krieges und während der Wirtschaftskrise des Jahres 1873 entstanden in verschiedenen europäischen Ländern antisemitische
politische Parteien. So regierte in Österreich die explizit antisemitische Christlichsoziale Partei unter Karl Lueger in der Hauptstadt Wien von 1895 bis zum Beginn des 1. Weltkrieges. In Frankreich entwickelte sich der Antisemitismus mit der Problematik der Trennung von Kirche und Staat. Klerikale und royalistische Gruppen vertraten eine antisemitische Haltung, die auf Rassentheorien aufbaute. Diese Auffassungen wurden in zahlreichen antisemitischen Schriften verbreitet, insbesondere in der Zeitung La libre parole, die 1892 der französische antisemitische Journalist und Schriftsteller Edouard Drumont (1844-1917) gegründet hatte. Der französische Antisemitismus fand seinen Höhepunkt in der Dreyfus-Affäre zwischen 1894 und 1906, in der ein jüdischer Offizier der französischen Armee zu Unrecht wegen Hochverrats – angeblich sollte er für das Deutsche Reich spioniert haben – zu Gefängnis verurteilt wurde ...
Auch in Osteuropa waren die Juden seit dem Mittelalter ökonomisch und sozial isoliert und zunehmend Repressalien ausgesetzt. Im Zarenreich waren die Juden in die südlichen und westlichen Regionen Russlands verwiesen worden, in denen sie praktisch ohne Kontakte zur nichtjüdischen Bevölkerung lebten. Die ukrainischen Aufstände Mitte des 17. Jahrhunderts führten zu ersten Pogromen gegen Juden. Seit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts verübten Kosaken im Auftrag der zaristischen Regierung zahlreiche antijüdische Pogrome. Nach der Ermordung von Zar Alexander II. 1881 wurde das Gerücht verbreitet, es habe sich um einen jüdischen Anschlag gehandelt. Dies führte zu lang andauernden gewalttätigen Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung. Eine der schlimmsten Ausschreitungen fand 1906 in Russland nach der gescheiterten Revolution von 1905 statt. In über 600 Dörfern und Städten wurden Tausende von Juden getötet und ihre Häuser geplündert und zerstört. Zum einen konnten sich die verarmten russischen Bauern und Arbeiter durch diese periodisch auftretenden Pogrome ihrer Schulden bei den jüdischen Geldverleihern entledigen, zum anderen waren die Pogrome Folge der Regierungspolitik, die darauf abzielte, die Unzufriedenheit der russischen Arbeiter und Bauern auf die jüdische Minderheit umzulenken.
Zu diesem Zweck benutzte die Regierung das bisher unbekannte Mittel der Massenpropaganda. Teil dieser Propaganda war die Publikation der gefälschten Protokolle der Weisen von Zion, die eine angebliche jüdische Weltverschwörung zum Thema hatten. Diese "Protokolle" wurden 1905 in Russland veröffentlicht und verbreitet. Solche vorsätzlichen Fälschungen spielten auch bei dem Pogrom nach der Russischen Revolution von 1917 eine Rolle, das Hunderttausende von Opfern forderte."
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Nochmals: Wer diese Geschichte der Verfolgung der Juden nicht kennt, kann das Aufkommen des Zionismus – der in seinem Kern die Schaffung des Staates Israel als
Zufluchtsstätte aller verfolgten Juden dieser Welt zum Ziel hatte – Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts und seine letztlich erfolgreiche Anerkennung durch Völkerbund wie UNO in Form der völkerrechtlichen Ermöglichung der Gründung Israels nicht verstehen.
46 Der auch terroristische Kampf israelischer Untergrundorganisationen wie Haganah und Irgun für die Schaffung Israels ist nicht zu verstehen ohne die – für sich genommen nachvollziehbaren – Feindseligkeiten der indigenen palästinensischen bzw. arabisch-muslimischen Bevölkerung Palästinas (und angrenzender arabischer Staaten), ohne die ab 1939 (im so genannten "Weißbuch" deklarierte) hochgradig restriktive Einwanderungspolitik der britischen Mandatsmacht in Palästina (also ausgerechnet zu Beginn des II. Weltkrieges und der Ausweitung der – spätestens nach der Reichspogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 weltweit bekannten – Verfolgung der Juden durch die deutschen Nazis auf ganz Europa!) oder ohne die beschämend restriktive Einwanderungspolitik fast der gesamten Staatenwelt gegenüber jüdischen Flüchtlingen während des II. Weltkriegs und auch während der Jahre danach – bei, wie gesagt, anhaltender Verfolgung der Juden speziell in Osteuropa unter dem Stalinismus.
Um nur ein zu trauriger Berühmtheit gelangtes Beispiel dieser restriktiven Einwanderungspolitik zu zitieren: "Die Exodus war ein Immigrantenschiff, das 1947 eine entscheidende Rolle bei der Vorgeschichte der Staatsgründung Israels spielte ... Viele der europäischen Juden, die den Holocaust überlebt hatten, wünschten nach Palästina auszuwandern; dies galt insbesondere für jüdische Displaced Persons in Deutschland. Unter den ausreisebestrebten Holocaust-Überlebenden waren auch die Menschen, die später als Passagiere der Exodus bekannt werden sollten. Die Einwanderung in das britische Mandatsgebiet wurde von der Militäradministration abgelehnt, da sie die Situation destabilisiert und dadurch die englische Vormachtstellung (!!) in Frage gestellt hätte. Gestellte Einwanderer wurden in DP-Lagern (Displaced-Persons-Lagern; E.S.) auf Zypern interniert ...
Die "President Warfield" wurde 1928 gebaut und fuhr bis 1940 als Unterhaltungsdampfer an der Ostküste der USA. Dann wurde sie zu einem Truppentransporter umgebaut und nach dem 2. Weltkrieg ausrangiert. Die Hagana kaufte 1946 das Schiff für 60.000 US-$ und arrangierte, dass es unter der Flagge Honduras’ fahren durfte ... Am 11. Juli 1947 begann die Exodus mit 4.515 Passagieren die Überfahrt in Sète, Frankreich. Die Fahrt wurde von Anfang an vom britischen Geheimdienst überwacht, und am 18. Juli vor Haifa wurde die Exodus von der britischen Marine in internationalen Gewässern aufgebracht; im heftigen Widerstand starben drei der Mannschaftsmitglieder und viele wurden verletzt. Die Rückführung der Immigranten hatte für die britische Administration hohe Priorität, da sie hoffte, damit ein Zeichen zu setzen und die Einwanderung zu stoppen ...
Im Hafen von Haifa wurden die erschöpften Passagiere der Exodus auf drei Gefangenenschiffe ... verladen und zurück nach Frankreich geschickt. Dort trafen sie am 29. Juli ein. Obwohl die Situation an Bord menschenunwürdig war, weigerten sich die meisten Passagiere aber drei Wochen lang, die Schiffe zu verlassen. Um den Widerstand zu brechen, drohte die britische Verwaltung, die Passagiere nach Deutschland (!!) zu bringen. Da auch diese Maßnahme keinen Erfolg zeigte, stachen die Schiffe am 22. August erneut in See. Da der Druck auf die britische Regierung wuchs und sie die Entscheidung zu einer Deportation nach Deutschland noch einmal diskutieren wollte, machten die Schiffe Ende August einen fünftägigen Zwischenstopp in Gibraltar.
Am 30. August fuhren sie dann weiter und erreichten am 8. September den Hamburger (!!) Hafen. Dort wurden die Passagiere vor den Augen der internationalen Presse mit Gewalt von Deck gebracht und in die Lager "Pöppendorf" und "Am Stau" bei Lübeck verbracht, wo sie interniert wurden. Diese Lager hatten zuvor zur Versorgung von Wehrmachtsangehörigen und Displaced Persons gedient. Zur Internierung der Exodus-Passagiere wurden sie mit Stacheldraht und Wachtürmen zu Gefangenenlagern ausgebaut.
Die internationalen Reaktionen auf diesen Umgang mit den Menschen waren verheerend. Selbst der Präsident der USA, Harry S. Truman, schaltete sich ein, um die britische Regierung zum Umdenken zu bewegen. Auch innerhalb der Lager ging der Widerstand weiter, was die Verwaltung unter anderem mit Kürzung der Lebensmittelrationen bestrafte. Am 6. Oktober zogen schließlich die Wachen von den Lagern ab und ließen die Exodus-Passagiere frei. Viele von ihnen schlugen sich erneut nach Südfrankreich durch und fuhren von dort aus nach Palästina. Ihr hartnäckiger Widerstand hatte mit dazu beigetragen, die internationale Meinung gegen das britische Mandat zu kippen und so mit zur Gründung des Staates Israel geführt."
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Die Terroranschläge von Haganah und Irgun bis zur Gründung Israels waren Verzweiflungstaten, waren Hilfsschreie von und im Namen von Menschen, die allein aufgrund ihrer Religionszugehörigkeit in ganz Europa verfolgt wurden in einer Konsequenz und Grausamkeit, wie dies noch keiner anderen Menschengruppe jemals widerfahren war, und den zu helfen sich fast die gesamte
zivilisierte Staatenwelt während und nach dem II. Weltkrieg weigerte! Man vergleiche die restriktive Einwanderungspolitik dieser Staaten gegenüber den Juden während und nach dem II. Weltkrieg mit der massiven Fluchthilfe für nazistische Massenmörder, die die katholische Kirche und die Staaten entlang der so genannten "Rattenlinie" schon während des Krieges und vor allem danach leisteten ...
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Diese hier nur ganz rudimentär angedeutete Geschichte des Antisemitismus, des Zionismus, des Holocaust und der Umstände der Entstehung des Staates Israel wie seiner bis heute anhaltenden Bedrohung durch fast die gesamte arabische bzw. islamische Staatenwelt, durch Fatah, Djihat, Hisbollah, Hamas etc., ist den israelischen Juden derartig – ich wage als linker Materialist, Antinationalist und Kosmopolit den allegorischen Gebrauch des Begriffs – in ihre
Volksseele eingeprägt, dass alles Politisieren und Polemisieren, alles moralische Bewerten und alles Analysieren israelischer Politik nur falsch sein kann, das diese menschheitsgeschichtlich einzigartige Prägung ignoriert.
Jedes Staates Daseinszweck ist zunächst die Ermöglichung der Existenz und der Schutz seiner StaatsbürgerInnen. In Israel ist diese Existenzsicherung Staatsraison par excellence, ein Absolutum, das Prior JEDER weiteren Sekundärpolitik.
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JEDE für sich verurteilenswerte israelische Überreaktion – wie, ohne jede Frage, zuletzt im Krieg gegen die libanesische Hisbollah – gegen Angriffe auf seine Existenz und sein Existenzrecht und jeder für sich kritikwürdige Aspekt israelischer Politik (Siedlungspolitik, gelegentlich als "Apartheid"
50 denunzierte Minderheitenpolitik im eigenen Lande, tiefe Militarisierung der israelischen Gesellschaft etc.) muss vor diesem Hintergrund gesehen, beurteilt – und selbstverständlich weiterhin kritisiert und gegebenenfalls verurteilt werden. Die
zivilisierte Staatengemeinschaft könnte durch die Deklaration einer absoluten Sicherheitsgarantie gegenüber Israel und ihre Durchsetzung nach dem Muster, das derzeit im Süden Libanons beobachtet werden kann, den schon begonnenen Rückzug Israels auf seine Grenzen von 1967 unterstützen und forcieren und damit zum Frieden im Nahen Osten und zur Gründung eines seit 60 Jahren überfälligen Staates Palästina beitragen (bei internationaler Verwaltung Jerusalems als weltweit einzigartigem Kristallisationspunkt der drei großen monotheistischen Weltreligionen).
Die Gründung Israels war für die Palästinenser ein Alptraum. Im Kontext des größten Wahnsinns der Menschheitsgeschichte, der in die Shoa führenden und mit ihr nicht
endenden zweitausendjährigen Verfolgung der Juden, war sie und ist die Existenzsicherung Israels die welthistorische und moralische Notwendigkeit schlechthin.
Dieses Urteil gilt unabhängig von der teilweisen Richtigkeit folgender Feststellungen, die sich in einem nachdenklicheren, um inhaltliche Argumentation zumindest bemühten Beitrag in der "Linkenzeitung" finden: "Rückblickend kann man sagen, dass das Ziel, mit dem der Staat Israel gegründet wurde, nicht erreicht wurde. Die jüdische Bevölkerung Israels hat nach der Ungeheuerlichkeit der Shoa keine "sichere Heimstatt" in Israel gefunden. Wer heute bilanziert, muss feststellen, dass nirgendwo sonst auf der Welt Menschen jüdischer Religionszugehörigkeit so akut mit dem Tode bedroht sind wie gerade in Israel."
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Wie würde es aber mit der Sicherheit der Juden aussehen, würden sie in Millionenstärke zurückkehren in jene Staaten, die der Holocaust fast
judenfrei machte? Nochmals, nur in anderer Wendung: Auch der eigentliche Wahnsinn, dass die Juden in der Tat in Israel momentan so sehr bedroht sind wie in kaum einem anderen, und man muss leider einschränken: westlichen – und wohl kaum islamischen oder osteuropäischen – Land, verblasst zur Unkenntlichkeit vor dem Hintergrund des größten Wahnsinns der Menschheitsgeschichte und seiner Auswirkungen, die wir bis heute erleben.
35 www.tagesschau.de/aktuell/meldungen/...
36 de.wikipedia.org/wiki/UN-Teilungsplan_f%C3%BCr_Pal%C3%A4stina
37 de.wikipedia.org/wiki/Schwarzer_September_%28Aufstand%29
38 de.wikipedia.org/wiki/Sabra_und_Schatila
39 Zumindest am Rande möchte ich eine israelische Stimme zu dieser Grenzmauer zitieren: "Ursprünglich wurde ihr Verlauf von Experten des israelischen Militärs festgelegt, deren Hauptinteresse der Verteidigung mit minimalem Aufwand galt. Das Ergebnis war ein humanitärer und politischer Alptraum (!!). Die Planer rühmten sich damit, kein einziges Gebäude zerstört zu haben, aber sie übersahen völlig, dass die Mauer an vielen Stellen mitten durch Weideland verlief und viele Bauern von ihren Äckern abschnitt. Also wurden Tore eingebaut, um den dortigen Bewohnern den Zugang zur jeweils anderen Seite zu ermöglichen. Diese Übergänge mussten ständig bewacht werden. Die Kontrollen waren jedoch unangemessen und führten zu neuen Horrorgeschichten über die Grausamkeit der Israelis. Sharons Regierung versuchte die Quadratur des Kreises und ließ eine Mauer errichten, die fast sämtliche israelischen Siedlungen einschloss und nahezu alle palästinensischen außen vor ließ. Dabei ließ es sich nicht vermeiden, dass die Mauer in einem verwirrenden und komplizierten Zick-Zack-Muster verlief. Die Palästinenser stürzten sich sofort auf die Karten und behaupteten, die israelischen Besatzer würden palästinensische Bantustans errichten und sich fünfzig Prozent der Westbank einverleiben. Die internationale Gemeinschaft war sich einig wie selten und verurteilte diese neuen israelischen Verbrechen. Die Realität sah wie gewöhnlich anders aus. Der wichtigste Punkt war, dass der Terror in israelischen Städten abnahm, je länger der Zaun wurde. Es war ganz einfach: Selbstmordattentäter konnten nicht auf die andere Seite des Zauns gelangen. Nach einiger Zeit legte der Oberste Gerichtshof (Israels; E.S.) fest, dass die Regionen, in denen die Bedürfnisse der Palästinenser nicht ausreichend berücksichtigt wurden, neu vermessen werden sollten. Das bedeutete, dass der größte Teil der Barriere auf oder nahe an der Grünen Linie von 1967 errichtet wurde. Fast neunzig Prozent der Westbank liegen dahinter." So Yaacov Lozowick, Archivdirektor der Gedenkstätte Yad Vashem in Jerusalem, im Vorwort seines Buches "Israels Existenzkampf", das im September in deutscher Ausgabe erscheinen wird (Vorabdruck zitiert aus: konkret, Nr. 9/2006, S. 17).
40 www.shoa.de
41 de.wikipedia.org/wiki/Antisemitismus_nach_1945#in_Osteuropa
42 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761576458/Zionismus.html
43 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761574855/Antisemitismus.html
44 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761556154_6/Judentum.html
45 de.encarta.msn.com/encyclopedia_761574855/Antisemitismus.html
46 Am Rande: Die UN-Resolution von 1975, die den Zionismus als eine Form des Rassismus verurteilte (Nr. 3379), war hochgradig dem damals herrschenden Zeitgeist (und dem hohen Stimmengewicht der vielen arabischen und islamischen Staaten) geschuldet. Diese Resolution wurde von der Vollversammlung 1991 annulliert. "1998 bezeichnete UN-Generalsekretär Kofi Annan die Resolution 3379 als einen "Tiefpunkt" der Geschichte der Vereinten Nationen." Zitiert aus:
de.wikipedia.org/wiki/Resolution_3379_der_UN-Generalversammlung Vgl. auch:
de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_UN-Resolutionen,
de.encarta.msn.com/encyclopedia_761576458_3/Zionismus.html
47 de.wikipedia.org/wiki/Exodus_%28Schiff%29
48 de.wikipedia.org/wiki/Rattenlinie
49 Das betrifft auch Israels Weigerung, bestimmte UN-Resolutionen durchzuführen – etwa Resolution 242, die Israel schon im November 1967 verpflichtete, sich unverzüglich aus allen besetzten Gebieten zurückzuziehen. Nur ist Israel da in bester, besser: schlechtester Gesellschaft: Auch die Hisbollah, um nur ein Beispiel zu nennen, verweigerte bislang die Befolgung der UN-Sicherheitsrats-Resolution 1559. Sie würde nämlich ihre Entwaffnung bedeuten. Vgl.:
de.wikipedia.org/wiki/Resolution_242_des_UN-Sicherheitsrates,
de.wikipedia.org/wiki/Resolution_1559_des_UN-Sicherheitsrates,
de.wikipedia.org/wiki/Hisbollah,
de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_UN-Resolutionen
50 www.linkezeitung.de/cms/content/view/897/35/
51 Ebd.