Zur politikanalytischen und moralischen Degeneration der Linken in Deutschland
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Krieg gegen Israel


Schlussbemerkungen

Dass Teile der (nicht nur) deutschen Linken für verbale bis zuweilen sogar terroristische Angriffe gegen Israel anfällig sind, sobald Israel auch nur den Hauch eines (post festum fast immer vermeintlichen) Anlasses gibt, ist geschichtsnotorisch.30 Man erinnere die Beteiligung deutscher "linker" Terroristen (der Revolutionären Zellen) an der Selektion israelischer Fluggäste bei jener Flugzeugentführung, der ein israelisches Anti-Terror-Kommando in Entebbe 1976 ein Ende setzte.31 Man denke an die Entwicklung Horst Mahlers vom "linken" RAF-Anwalt zum strammrechten Holocaust-Leugner. Oder man lese: "Klassische Beispiele dafür (für "linken" Antisemitismus; E.S.) sind der Anschlag der "Tupamaros Westberlin", einer Vorläufergruppe der "Bewegung 2. Juni", auf das jüdische Gemeindehaus in Westberlin 1969, die Lobeshymnen der RAF und anderer linker Gruppen anlässlich der Ermordung israelischer Sportler 1972 in München, die, nicht etwa vor israelischen Botschaften, sondern vor Synagogen (Hervorhebungen E.S.) durchgeführten Demonstrationen gegen den Krieg Israels im Libanon in den achtziger Jahren, oder – ein Klassiker – die Wandparole aus der Hamburger Hafenstraße, die da lautete Boykottiert "Israel"! Waren, Kibbuzim und Strände/ Palästina – das Volk wird dich befreien/ Revolution bis zum Sieg".32

Ob "linker" Hass auf Israel nun – im "besten" Falle – politpubertärer Befreiungsbewegungsromantik pro Palästina oder – im schlimmsten Falle – nacktem Antisemitismus entspringt: Es bestürzt immer wieder, wie gleichermaßen reflexionsfrei und reflexartig Teile der bundesdeutschen Linken immer wieder und immer wieder auf jeden neuen Akt der Selbstverteidigung Israels reagieren. Sei es Antisemitismus, sei es Befreiungsbewegungsromantik, sei es Betroffenheitshysterie und der unbedingte Wille, den Gutmenschen zu geben, sei es politikanalytische Dummheit oder moralische Degeneration – oder alles zusammen in irgend einer Mischung: Es ist diesem Klientel nicht möglich, einfach (also jenseits pathischer Projektionen) zu fordern, was politisch authentisch linke, also dem Projekt Humanismus und Aufklärung zuarbeitende Menschen momentan und vernünftigerweise einfach fordern müssen: dass Israel schnellstmöglich und am besten sofort die militärischen Aktionen gegen Hamas und Hisbollah beendet (der Zerstörungen und Machtdemonstrationen sind wahrlich genug), sich schnellstmöglich aus allen besetzten Gebieten, also auf seine international legitimierten Grenzen von 1967 zurückzieht – und dass diese Grenzen von der internationalen Staatengemeinschaft, also den Vereinten Nationen (und sei es durch eine diesbezüglich mandatierte NATO), für alle Zeiten und mit (zur Not, die hoffentlich nie eintrifft) allen Mitteln – und wenn ich alle Mittel sage, meine ich: ALLE Mittel – geschützt und verteidigt werden, auf dass die antisemitischen Psychopathen dieser Welt ihre kranken Phantasien für alle Zeiten in ihren kranken Schädeln behalten müssen und niemals mehr in die Tat umsetzen können.

Es gibt für den Nahostkonflikt, insofern Israels Besetzung arabischer Gebiete ihn mit verursacht hat, keine andere Lösung – zwar nicht für alle, aber für alle vernünftig absehbaren Zeiten. Dass dieser Nahostkonflikt größtenteils bestehen bleiben würde, auch wenn sich Israel komplett auf seine international anerkannten Grenzen zurückzieht, sei zumindest noch angemerkt – oder glaubt wer, der sozial hochgradig noch feudalistisch strukturierte Nahe Osten, dieser Hort von autoritären Monarchien und Diktaturen, von panarabischen Großmachtsphantasten und panislamistischen Heilsfanatiker, wäre, sich selbst überlassen, ein Hort des Friedens?

Man schlug und schlägt sich dortselbst auch ohne alle Juden (oder Amerikaner) bei jeder besten Gelegenheit die Schädel ein (Irak kontra Iran, Schiiten kontra Sunniten usw. usf. etc. pp.), seit Jahrzehnten, seit Jahrhunderten.

Wie sollte es im autoritären Feudalismus des Nahen Ostens auch anders sein als es im europäischen war – Stamm gegen Stamm, Fürst gegen Fürst, Religion gegen Religion, Klasse gegen Klasse. Zu hoffen bleibt nur, dass sich die zivilisatorischen Standards "westlicher" Moderne, dieses Teufelszeugs namens politische Demokratie, bürgerliche Freiheiten, Menschenrechte, Rechtsstaatsprinzip etc., im Nahen Osten etwas schneller durchsetzen werden als historisch in Europa und im gesamten "Westen" selbst, da es das "Vorbild" nun mal schon gibt – trotz George W. Bush, Tony Blair und anderer Dementer, die wähnen, man könne "freedom and democracy" im Irak und anderswo mit Napalm implementieren oder man müsse den "freien Zugang" zum Öl des Nahen Ostens und zu den Rohstoffquellen der ganzen Welt militärisch sichern oder gar erzwingen, anstatt mit in der Summe weit geringerem ökonomischen Aufwand und politischen, sozialen und humanen "Kollateralschäden", Rohstoffe einfach auf den Weltmärkten käuflich zu erwerben.

Die nationalen Eigner und Verkäufer der Rohstoffe dieser Welt haben nämlich JEDES Interesse, diese zu verkaufen. Man muss sie zu diesen Verkäufen so sehr militärisch zwingen, wie man McDonalds zum Verkauf von Hamburgern militärisch zwingen muss.33


30 Zum Antisemitismus von Teilen der gesamten europäischen Linken vgl. sehr informativ: www.homepages.compuserve.de/HeppyE/texte/cgerstenfeld050513.html. Zum Antisemitismus allgemein und seiner chronologischen etc. Dokumentation vgl. ganz hervorragend: www.antisemitismus.net/index.htm
31 Vgl. de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe
32 Stephan Grigat: Antisemitismus und Antizionismus in der Linken: www.antisemitismus.net/europa/linker-antisemitismus.htm
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