Gammelfleisch und Wettbewerb

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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Gammelfleisch und Wettbewerb

Der Wettbewerb wird es schon richten. Das ist die Kernaussage all derer, die der Ausbeutung durch den freien Markt religiösen Glauben entgegenbringen und andere gerne dazu anstiften möchten.

Ein Teilnehmer dieses freien Marktes, ein Gammelfleisch-Händler, hat sich in diesen Tagen in den Selbstmord geflüchtet. War er der Bösewicht? Oder hat die moderne Europa-Politik ihn auf dem Gewissen?

Die derzeitige Politik versucht alles über die materielle Schiene zu regeln. Dabei spielt das Geld die zentrale Rolle. Marktmechanismen münden immer in Geld-Abhängigkeiten. Die Gesetze des Marktes, zu denen auch psychologische Zusammenhänge gehören, sind allesamt auf das Geld ausgerichtet. Sie haben immer eine letzte wirksame Verbindung zum blanken Euro. Aus diesem Umstand erhoffen sich einige Theoretiker eine Art Dressur-Effekt für die Marktteilnehmer. Sie haben dicke Bücher über Angebot und Nachfrage gelesen und meinen, die darin enthaltenen Ideen semi-religiös zur Verbesserung der Welt benutzen zu können.

Mit der Mode, alle Belange der Menschen mittels freier Marktkräfte regeln zu wollen, hängt ein tief religiöser Glaube fundamental zusammen. Die freie Marktwirtschaft wird zur schamanischen Trägerin aller guten Wirkungen und zukünftigen Hoffnungen. Die Liberalen sonnen sich in der Erlösungshoffnung, eines Tages vom Markt so sehr motiviert und getrieben zu werden, dass man gar nichts mehr falsch machen kann. Die Liberalen glauben an den Endsieg des Marktes, in dem der Übeltäter direkt durch Geldmangel bestraft und ganz schnell zu einem guten Menschen wird und so seine Übeltaten schließlich sein lässt.

Der Gammelfleisch-Händler, der sich durch Selbsttötung den Konsequenzen entzog, die der freie Markt bewirkt hatte, hat diesen Weg zu einem guten Marktteilnehmer nicht finden können.

Die Lenkungsmechanismen des freien Marktes (soweit sie überhaupt positive Wirkungen haben können) über Charakter, Erziehung, Ethik, Religion, Gefühle, freien Willen, also über den menschlichen Geist zu setzen, ist eine geld-ideologische Erfindung derjenigen, die für sich daraus den größten Vorteil ziehen können.

Die Lenkungsmechanismen der freien Märkte als letzte "gerichtliche Instanz" sind nur ein taktisches Manöver, um die Ressourcen der Volkswirtschaften optimal ausbluten zu lassen. Insider des Marktes, Konzerne, füllen ihre Kassen und senden ihre wunderbar fortschrittlichen Missionare aus. Politiker, die das System von Bürokratie und staatlicher Lenkung befreien. Zum Nachteil der Menschen.

In der Frage des Gammelfleisches hat das zu nur einem Toten geführt. Wieviel Jahre die Leute mit Döner gefüttert wurden, der noch nicht einmal Schweinen vorgeworfen würde, weiß keiner. (Ein Freund - Restaurantbesitzer - riet mir schon vor 20 Jahren dringend davon ab, Döner zu essen.) Der Gammelfleisch-Skandal spiegelt die gesamte Dumpinglohn-Gesellschaft. Eine feine Gesellschaft. Eine ehrenwerte Gesellschaft.

Die Auflösung der menschlichen Kontrolle, die Abschaffung der Bürokratie, ist nur eine Finte der Konzerne, die so durch ihre marktbeherrschende Stellung ihren Gewinn ins Unermessliche steigern können. Sie schaffen sich ihre eigene Welt. Global Player, die die Spielregeln selbst und nach Gutdünken ändern. Die negativen Veränderungen trägt die große Mehrheit der Menschen und merkt nicht, wer dafür die Verantwortung hat. Die meisten Kinder in dieser nach "freien" Marktmächten modellierten Welt haben von Anfang an keine reelle Chance auf ein würdiges Leben. Existenzen werden reihenweise ruiniert. Soziale Abhängigkeiten und Verbindungen zerbrochen. Schicksale dem Untergang geweiht.

Dass negative Lebensumstände in einer menschlich bestimmten Welt möglich sind, ist unbestritten. Dass der freie Markt aber nach allen Regeln seiner Künste die menschliche Gesellschaft ruinieren darf, ist der schimmste Betrug der Politiker und Sünde an der Menschheit. Das gekaufte System und das systematische Kaufen und Gekauftwerden - eine unheilige Allianz!
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Letzte Aktualisierung am 09.09.2006

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