Ganz selbstverständlich und quasi lautlos nebenbei scheint die Frage der offenen Diskussion zwischen WASG und ehemaliger PDS zur beschlossenen Fusion zu werden. Die ehemalige PDS räumt den bürgerlich orientierten Kräften innerhalb der WASG keine Chance ein. Sozialistische Altlasten rutschen unverpackt und ohne Ankündigung in den Rucksack der WASG.
Der Mitgliederzuwachs der WASG kommt aus der bürgerlichen Ecke! Das ist nicht zu leugnen. Dieser Zulauf hatte nie den kapitalismusabtötenden Sozialismus im Sinn, wollte nie eine zweite DDR, kann sich mit Kommunismus nicht anfreunden, kurz: Dieser bürgerliche Zulauf hat nicht das Geringste mit der ehemaligen PDS zu tun.
Schon wird auf der
Internetpräsenz der WASG (897.0.html) (Seite wurde geändert, Dokument nicht mehr vorhanden!) gut versteckt im fließenden Text das Wort "nachkapitalistische Gesellschaftsordnung" frank und frei eingesetzt. Hat die WASG tatsächlich schon kommunistische Gedanken übernommen? Möchte die WASG tatsächlich den Kapitalismus beseitigen?
Die Geschichte hat bewiesen, dass ein
für die Menschen eingesetzter Kapitalismus die einzige gesunde Grundlage bildet, die eine demokratische Gesellschaft unterhält. Ohne Marktwirtschaft geht die Gesellschaft zugrunde.
Die Bürger, die in der WASG Mitglied werden, stehen mit beiden Beinen im Leben und vertreten keine leninistischen oder marxistischen Lehrmeinungen. Sie verlangen einfach nur mehr Verantwortungsbewusstsein des Staates und in der Politik.
Aber genau das sind die Forderungen, die eine von der ehemaligen PDS bevormundete WASG nicht vertreten kann,
wenn sie nicht lügen will.
Die von der ehemaligen PDS verfolgten Ziele sind nicht Bestandteil der übergroßen Mehrheit der WASG. Sonst würde sich nicht erklären lassen, warum die Menschenmassen nicht schon lange in die ehemalige PDS eingetreten sind.
Der aktuelle Eindruck, der sich dem Beobachter aufdrängt, ist:
Die Anmaßung der ehemaligen PDS, die mit der WASG heraufziehende soziale Politikwende für sich zu vereinnahmen und damit "unschädlich" zu machen, würde die PDS ins dunkelste Abseits ihrer Laufbahn stellen. Demokratische soziale Bewegung zum Eigennutz zu verwursten ist unverhohlene Dreistigkeit und würde ein grelles Licht auf die ehemalige PDS werfen.
Die innere Wesensverwandtschaft solcher Aktivitäten mit selbstsüchtigen Aktivitäten moderner neoliberal losgelassener Konzerne ist fatal. Die dort praktizierte Machart hat mit Solidartät überhaupt nichs zu tun. Einzig der eigene Vorteil zählt.
Die WASG wird diese Belastung überleben und weiter wachsen. Sie wird die Absurdität altsozialistischer Kapitalismusbeseitigung abstrafen und als eigene bürgerliche Kraft ein sozialeres Klima in Deutschland schaffen.
Die einzige offene Frage ist die Frage nach dem Zeitpunkt. - Bei einer möglichen politischen Übernahme der WASG durch die ehemalige PDS muss damit gerechnet werden, dass noch für weitere fünf Jahre der Neoliberalismus losgelassen sein wird. Aber nach diesen fünf Jahren wird die WASG mit ziemlich breiten Schultern in der politischen Landschaft stehen.
Dann aber auch mit eigenen breiten Schultern. Und mit ihren eigenen politischen Zielen.