Globalisierung und Neoliberalismus füllen den Konzernen die Taschen.

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Große Mehrheit der WASG aus bürgerlicher Ecke [07.08.05]
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Rüdiger Hentschel
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Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 07.08.2005, 19:07
Titel: Große Mehrheit der WASG kommt aus der bürgerlichen Ecke
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Dass die WASG aus der bürgerlichen Ecke kommt und mit ihrem Engagement dann doch die erhoffte Abschaffung des Kapitalismus unterstützen soll, stimmt bedenklich. Die ehemalige PDS bezieht nicht klar Stellung, will aber die WASG mit kommunistischen Inhalten füllen. Ich befürchte, dass diese Entwicklung überhaupt nicht von den Menschen wahrgenommen wird.

Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 15.09.2005, 20:42, insgesamt einmal bearbeitet
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 07.08.2005, 19:15
Titel: Klarstellung
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Ich komme auch aus der bürgerlichen Ecke und kann mir ein Leben im Kommunismus nicht vorstellen. Zurzeit stelle ich aber fest, dass die Verbindung der WASG mit der ehemaligen PDS tatsächlich alle Weichen in Richtung Kommunismus legt.

Die Internet-Seite der WASG hat sogar schon die kommunistische Terminologie übernommen. Dort liest man Begriffe wie "nachkapitalsitisches Zeitalter". Das darf doch nicht wahr sein, dass die soziale Bewegung in Deutschland in diese Denkraster gezwungen werden soll! Entscheiden nicht die Mitglieder über das Programm?

Die wirkliche WASG halte ich für sehr gefährdet. Meine Hoffnung ist, dass sie als soziale Bewegung die Konfrontation mit der ehemaligen PDS nicht nur überlebt, sondern auch daraus lernt.

Grüße,

Rüdiger Hentschel


Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 15.09.2005, 20:38, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Pseudonym



Anmeldungsdatum: 06.08.2005
Beiträge: 137
Beitrag Verfasst am: 09.08.2005, 12:34
Titel:
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Zitat: „Dass die WASG aus der bürgerlichen Ecke kommt und mit ihrem Engagement dann doch die erhoffte Abschaffung des Kapitalismus unterstützen soll, stimmt bedenklich. Die ehemalige PDS bezieht nicht klar Stellung, will aber die WASG mit kommunistischen Inhalten füllen. Ich befürchte, dass diese Entwicklung überhaupt nicht von den Menschen wahrgenommen wird“.

Was spielt es eigentlich für eine Rolle, ob die WASG „aus der bürgerlichen Ecke“ kommt? Du bist doch ausgetreten, also, was regst Du Dich noch weiter auf.


Zuletzt bearbeitet von Pseudonym am 10.01.2006, 08:05, insgesamt einmal bearbeitet
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 10.08.2005, 22:28
Titel: Macht oder Geld
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Hallo Martin,

Du kannst es im Grunde immer weiter reduzieren bis auf das Pärchen Macht und Geld. Die beiden sind immer die Wurzel des Handelns der Menschen. Dieses menschliche Handeln kann nur mit Widerstand gebremst werden. Dieser Widerstand kommt auch nur über Demokratie oder mit Gewalt.

Ob sozialistische Ideologie oder Neoliberalismus, beide haben im Grunde die selbe Wirkung. So hast Du es gemeint, glaube ich. Die menschliche Kraft, die sich nicht an diesen beiden orientiert, bleibt auf der Strecke. (Was wir jetzt auch wieder für die WASG erwarten "dürfen".)

Es scheint in der Tat so zu sein, dass sich das (Un-)Gleichgewicht der Kräfte wie ein Pendel verhält. Je weiter es ausschlägt, desto fataler die Wirkungen (Hitler, Stalin). Die Demokratie sollte also einen möglichst kurzen Ausschlag dieses Kräftependels anstreben. - Warum aber treibt der Neoliberalisums alles so auf die Spitze?

Weil er mit jedem weiteren Zuwachs an Macht und Geld noch mehr Hunger drauf kriegt. Das ist auch menschlich.

Für die Verhinderung solcher Unwuchten muss eigentlich der Staat eintreten. In Form eines Gerichts, das wir ja haben, eines Verfassungsgerichts. Leider sind wir auf dieser Ebene noch irgendwo der Eisenzeit verhaftet.

Ich persönlich kalkuliere für mein Leben tatsächlich ein, niemals mehr eine Gesellschaft zu erleben, die an ihrer naturgegebenen Unvernunft vorbei per Verfassungsgericht oder ähnlichem allen Beteiligten eine gewisse Grundchance einräumt.

Wenn dies im reichen Deutschland schon so ist, erschließt sich einem die Tragweite der internationalen Ungerechtigkeit, die zum Beispiel Iraker empfinden müssen.

Aber wenn die WASG den PDS-Trick überlebt, dann schöpfe ich neue Hoffnung. Vielleicht sogar dann, wenn sie nicht überlebt. Dann können wir immer noch eine Neue gründen.

Vielleicht.

Grüße,

Rüdiger


Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 20.08.2005, 01:04, insgesamt 2-mal bearbeitet
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Gast





Beitrag Verfasst am: 19.08.2005, 17:06
Titel: Die WASG und die Macht
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Lieber Rüdiger,

wenn Du schon am Reduzieren bist, dann geh ruhig noch einen Schritt weiter. In der Politik geht es fast ausschließlich um Macht. Auch Geld ist nichts anderes als Macht. Die Macht sich die Arbeit oder die Produkte der Arbeit anderer zu kaufen.

Du hoffst auf den Staat, auf ein Gericht. Aber der Staat ist selbst nichts anderes als eine Anhäufung von Macht. Das Gericht könnte entscheiden was es will, und es würde nichts bewirken. Auch das Geld wäre nur Papier, wenn nicht die Macht des Staates dahinter stände, für seinen „Wert“ zu sorgen. Und wenn die Macht des Staates bröckelt, wird auch das Geld immer weniger Wert. Dann braucht man das Geld eines Staates, der die Macht hat, für den Wert des geldes zu sorgen, Dollar z.B. und die sind dann möglicherweise unerschwinglich teuer.
Also: Geld und Gesetz sind nur so mächtig, wie der jeweilige Machthaber sie macht. Und Macht ist die Fähigkeit andere zu zwingen für den Machthaber zu arbeiten.

Der Staat zwingt uns Steuern zu bezahlen. In dieser Form zwingt er uns für ihn zu arbeiten. Das kann sinnvoll sein. Schließlich muss auch die Infrastruktur geschaffen werden, auf deren Grundlage Produktion auf höherem Niveau möglich ist. Aber an dieser Stelle setzt das Problem ein. Wo immer Macht ist, tauchen auch die Geier auf, die die Macht „verwalten“ wollen, auf ihre Mühlen lenken wollen.
Zur Verwaltung des Gemeinwohls braucht man nicht viel Macht, wenn die Bevölkerung davon zu überzeugt werden kann, dass das Gemeinwohl nur Gemeinwohl ist. Dann steht (im Idealfall) die Bevölkerung hinter der Macht und ist auch die Macht und braucht nicht viel Macht, weil die Bevölkerung nicht umständlich gezwungen werden muss ... dann machen sie das Notwendige aus eigenem Antrieb.

Das hört sich wie eine himmlische Utopie an, kann aber Realität sein. Bei dem Oderhochwasser z.B. waren sich alle darüber im Klaren, dass Hilfe notwendig ist. Dazu brauchte man niemanden zwingen, es war selbstverständlich, das jeder mithilft der kann. Die Bevölkerung und die Eindeutigkeit/Einheit, was für das Gemeinwohl nötig ist, war die Macht. Das, was da von zigtausenden selbstverständlich fast ohne allen Zwang geleistet wurde, hätte niemand bezahlen können.

Ähnlich, habe ich mir erzählen lassen, soll es in England während der Bedrohung durch die deutsche Armee gewesen sein. Alle waren sich einig, was zu tun ist, man brauchte kaum jemanden zu zwingen, für fast alles meldeten sich massenhaft Freiwillige. So kann Gemeinwohl sehr wohl auch aussehen.

Bei der Geburt der DDR (und auch im Westen) gab es durchaus auch ähnliche Phänomene. Die Trümmerfrauen brauchten nicht gezwungen werden. In die DDR kamen viele aus dem Exil zurück und waren fest entschlossen ein „besseres Deutschland“ aufzubauen. Sie machten das freiwillig und mit einem unbeschreiblichen Einsatz.
Allerdings wurde die Chance verspielt. Selbst alte gesettelte Kommunisten und Spanienkämpfer, erst recht Sozialisten und Sozialdemokraten wurden von Stalins Helfeshelfern „beseitigt“ ... zum Teil physisch zum Teil, indem sie in den Westen gejagt wurden. Das waren nicht nur, wie damals behauptet, alles alte Faschisten. Danach setzte der Zwang ein und wurde von der SED verwaltet. Immer unter der Fahne des „Gemeinwohls“ ... eines manchmal hundsgemeinen "Wohls", das von den Machthabern für die Machthaber diktiert wurde.

Um ein solches System zu erhalten, braucht man viel Macht, viel aufgezwungene Arbeit, die zu einem immer größeren Anteil selbst wieder nur dem Machterhalt dient. Das war ein System, dass sich seinen eigenen Idealen immer mehr entfremdete ... bis das Volk sich einen anderen Staat suchte, weil der Staat (nach Brecht) sich eine andere Bevölkerung nicht mehr suchen konnte. Damit war der „real existierende Sozialismus“ an seinen inneren Widersprüchen zerplatzt. In Wirklichkeit hatte er mit Sozialismus, mit dem Traum von einer gerechten und möglichst gewaltfreien Gesellschaft, wahrscheinlich ähnlich wenig zu tun wie die Kirche mit dem Reich Gottes.

Aber zurück zur PDS. Nachdem die Macht installiert war und es andere Möglichkeiten der effektiven Einflussnahme auf das Gemeinwesen nicht mehr gab, sind viele in die SEW eigetreten und haben dort versucht, etwas für ihr Gemeinwesen zu tun. Und viele haben auch wirklich daran geglaubt, dass es dabei um das Gemeinwohl der DDR geht. Manchmal hat das ja auch gestimmt. Allerdings lebte dieses System auf vielen Ebenen von der Ausübung von Gewalt gegen wichtige Teile der eigenen Bevölkerung. Der systematische Krieg gegen die „Besitzer von Produktionsmitteln“ also gegen jede Art von Mittelstand wurde, wenn die sanfteren Zeichen des Drucks nicht wirkten, mit Gewalt geführt. Und auch ein entscheidender Teil der Intelligenz wurde mit idiotischen Auflagen von „proletarischer“ Kunst und „proletarischer“ Wissenschaft aus dem Land gejagt. Und das, was da angeblich „proletarisch“ war, wurde von den Inhabern der Macht diktiert.

Dies alles lockerte sich etwas, als sich der Stalinismus auch in der UDSSR als immer weniger produktiv erwies. Was aber blieb, war ein bestehendes System vom Macht, Willkür und Zwang, das in der DDR zunehmend nur noch von der SEW und ihren Helfeshelfern verwaltet wurde. Wer etwas erreichen wollte, musste es im Rahmen dieses SEW-dominierten Systems versuchen. Und, wie schon mehrfach beschrieben, wenn es irgendwo Macht gibt, finden sich immer auch die, die diese Macht (mehr oder weniger geschickt) auf ihre eigenen Mühlen zu leiten versuchen ... in diesem Fall auf das, was später Seilschaften genannt wurde, auf die Mühlen der Funktionsträger in der Partei-Hierarchie.

Diese ehemaligen Funktionsträger der Macht wollen verständlicherweise wieder an die Macht. Sie wollten damals den größten Teil der Bevölkerung an der Macht nicht beteiligen und sie wollen es heute auch nicht. Ich gehe mal davon aus, dass sie eine solche Beteiligung der Bevölkerung auch gar nicht für möglich halten. In diesem Sinne sind sie auch nicht demokratisch. Und wenn jemand demokratisch sein will unterstellen sie im "Antikommunismus" ... als hätte das alles etwas mit Kommunismus zu tun!

Natürlich geht eine Demokratisierung/Beteiligung der Bevölkerung an der macht nicht von heute auf morgen. Und natürlich muss diese Demokratisierung/Beteiligung schon in den Parteien anfangen, die diesen Weg betreiben. Aber genau das fand in der SEW nicht statt und betreibt die PDS kaum, betreiben zumindest die oben genannten alten Funktionsträger der Macht kaum.
Heute stehen wir auf einmal vor einer Situation, wo selbst die Funktionsträger der WASG das alles (die Demokratisierung der Politik) auch so gut wie nicht mehr betreiben ... jedenfalls innerparteilich überhaupt nicht mehr. Sie benehmen sich wie alte SEW- und PDS-Funktionäre. Das Mitgliedervotum wird einfach in ihrem Interesse umgedeutet. Aus „Bündnis“ wird „eine gemeinsame Organisation“ aus „ergebnisoffener Dialog“ wird „die Mehrheit will“ gemacht und der Dialog, der angeblich „aus allen Ebenen“ geführt werden soll wird zum Diktat. Mit Demokratie hat das nichts mehr zu tun und die Macht bleibt bei den Geier.

Gruß Martin.
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 20.08.2005, 01:39
Titel: Und die andere Seite der Medaille ist:
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Hallo Martin,

die kapitalistische Parallele ist der westliche Feudalismus, der es geschafft hat, soziale Errungenschaften mittels Geldködern für die "Gläubigen" langfristig zu beseitigen. Allerdings sind hier die Strukturen der Herrschaft nicht ganz so rigide, wenn sie auch mit Arbeitslosigkeit und sozialer Ausgrenzung schon psychische Grausamkeit anwendet.

Das Schmiermittel der kapitalistischen Herrschaft, des verkleideten Feudalismus, ist die fernsehgerechte Verblödung der breiten Masse. Wie tief ein Verblödeter in Not geraten muss, bis er einmal Widerstand leistet, kann sich jeder vorstellen. Die Deutschen lassen sich sogar gefallen, Fernsehgebühren für PCs zahlen zu müssen, ohne in Erwägung zu ziehen, mal eine Zeit lang komplett keine Beiträge zu zahlen.

Bis zur deutlich fühlbaren Haltungsänderung des am Gewinn nicht Beteiligten werden vielleicht noch einmal 40 Jahre vergehen müssen. Doch halte ich ein früheres Aufwachen, das sich dann aber auch demokratisch verhält, für absolut wünschenswert. Wenn ich aber hier im Dorf die Sportauspuffidioten wahrnehme (zwangsweise), dann legt sich meine Hoffnung auf ein geistiges Erwachen schlagartig.

Die herrschaftlichen Mechanismen in beiden Herrschaftsformen sind sehr eng miteinander verwand. Es gibt vielleicht nur einen Unterschied: Kapitalismus kann beherrschbar gehalten werden.

Doch hat der US-amerikanisch eingefädelte Neoliberalismus die Schädel der Menschen wie Ostereier ausgeblasen. Sie sehen alle noch gut aus. Sind aber eierschalenleicht. Quasi ohne Eigengewicht. Hohl halt.

Solange die Menschen nicht das Denken anfangen, wird keine demokratische Alternative möglich sein. Solange die Menschen nicht in Not geraten, werden sie das Denken nicht nötig haben.

Grüße,

Rüdiger


Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 26.08.2005, 05:16, insgesamt einmal bearbeitet
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Anmeldungsdatum: 06.08.2005
Beiträge: 137
Beitrag Verfasst am: 20.08.2005, 21:40
Titel: nicht von oben herab
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Lieber Rüdiger,

ich finde, Du solltest die ganz normalen Bürger, die Du doch eigentlich erreichen willst, nicht als „verblödet“ beschimpfen. Das hört sich lausig hochnäsig an. Hast Du denn für diese Menschen eine Alternative, wie sie anders sein sollen und können? Setz Dich nicht auf's hohe Ross! Die Menschen sind wie sie sind, aber keineswegs nur blöd. Sie benehmen sich (oft), wie ihre jeweilige Herrschaft sie gerne haben möchte. Aber sind keineswegs nur so. Du wirst ihnen mit deiner Bürgerbeschimpfung nicht gerecht.

Natürlich ist es nicht gerade ein Ausdruck von berauschender Intelligenz, mit einem Sport-Auspuff durch die Gegend zu knattern. Ich denke den Anspruch haben die auch gar nicht. Sie möchten nur auf sich aufmerksam machen. Und das erreichen sie doch auch ... sogar bei Dir! Mehr ist, vermute ich mal, auch gar nicht beabsichtigt.

Was wirfst Du ihnen denn eigentlich vor? Dass sie nicht so sind wie Du? Das wäre doch lächerlich! Warum sollten sie denn so sein? Dass sie nicht die Welt verändern wollen? Hat ihnen jemand dazu eine Chance gegeben? Sie sind wie sie sind, weil die Verhältnisse so sind wie sie sind. Mecker nicht an ihnen herum! Das bringt nichts.

Ich denke, wenn sie nicht eine (auch geistige) Umgebung finden, in der sie anders sein können und in der andere Qualitäten von ihnen gefordert, gefördert und honoriert werden als das Auftrumpfen mit Äußerlichkeiten, werden sie ihre menschlichen Qualitäten auch kaum zeigen ... Dir schon gar nicht, wenn Du Dich so "überlegen" gibst.

Das meinte ich mit der WASG: bau ihnen ein Haus, in dem sie sich auch anders zeigen und geben können, dann haben sich auch eine Chance, sich selbst anders darzustellen und zu entwickeln.
Auch deshalb habe ich das Beispiel mit dem Oder-Hochwasser und der Bedrohung der Engländer durch die deutsche Armee gebracht. Die von Dir für „blöde“ erklärten Menschen können ganz anders sein, wenn man ihnen eine Chance dazu gibt, einen Rahmen ... auch eine politische Organisation, von der sie ausnahmsweise mal nicht betrogen und ausgenommen werden.

Fernsehen ist für die meisten Menschen vor allem Zeit-Vertreib. Was sollen sie denn machen, wenn sie sonst nichts mehr haben als Langeweile? Ich finde, Du verkennst die Menschen ... ausgerechnet die, auf die Du eigentlich hoffst. Das wirkt hochnäsig ... auch wenn ich zu spüren meine, dass Du eigentlich etwas ganz anderes willst.
Ein bisschen sitzt Du in einem Elfenbeinturm und blickst von oben auf sie herab. Da kann kaum gegenseitige Solidarität aufkommen, das schafft nur Misstrauen. Wozu?

Gruß, Martin.
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Rüdiger Hentschel
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Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 21.08.2005, 04:48
Titel: Verblödung
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Lieber Martin,

die Verblödung ist ja nicht individuell gemeint, sondern auf die Gesellschaft bezogen. Jeder für sich und sonst gar nichts. Keiner fühlt sich verantwortlich oder aufgerufen, Widerstand zu leisten. Die Missstände werden ertragen, weil alle Welt davon ausgeht, sowieso keinen Erfolg bei irgendwelchen Aktionen zu haben.

Während in England aus Solidarität gestreikt wird, wird in Deutschland die Glotze angestiert und als Zentrum des Seins angesehen. Das ist nackichter Tatbestand, sonst nichts. Das muss man mal benennen dürfen.

Oder hast Du noch eine zweite Seite im Internet entdeckt, die gegen Auspuffidioten argumentiert? (Will damit sagen, dass alle immer nur meckern, aber nichts tun.)

Es geht mir nicht darum, den Deutschen zu beschimpfen. Dann stünde ich auf einer Stufe mit Sloterdijk. -Iiiieh!

Mir geht es darum, wach zu machen. Und da hilft es nicht, nur hinter vorgehaltener Hand zu flüstern. Da muss man schonmal schreien.

Aber wie gesagt, es geht mir nicht um den einzelnen, sondern um die Gesellschaft.

Grüße,

Rüdiger
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Anmeldungsdatum: 06.08.2005
Beiträge: 137
Beitrag Verfasst am: 21.08.2005, 18:59
Titel: schimpfen bring gar nichts
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Lieber Rüdiger,

der Begriff „verblöden“ ist einfach falsch. Natürlich ist er auch individuell ... wie sollte denn Verblödung anders als individuell möglich sein? Jeder „verblödet“ für sich selbst, wie denn sonst? Ich bin mir ziemlich sicher, Widerstand würde auch passieren, wenn er Aussicht auf Erfolg hätte. Hat er das? Sieh Dir doch mal den gegenwärtigen Zustand der WASG an! Da soll man für die PDS sein, aber nicht Widerstand leisten. Mit dem Kopf ist Widerstand schnell gedacht. Wenn du ihn erfolgreich organisieren willst, bedarf es eines entsprechenden Rahmens. Den machen wir (in der WASG) gerade munter kaputt. Und die einfachen Leute wollen nicht lange denken sondern handeln ... und dabei würden sie mehr riskieren als Du. Ich finde die Skepsis gut nachvollziehbar, auch wenn sie nicht „richtig“ ist. Und wer sagt uns, was „richtig“ ist?

In England wird nicht weniger in die Glotze geglotzt als bei uns ... das will ich aber jetzt hier nicht ausführen.

Ich habe Dir doch schon geschrieben, die Menschen mit dem Sport-Auspuff wollen nur auf sich aufmerksam machen. Warum regst Du Dich darüber so auf. Welche Möglichkeiten haben sie denn schon, auf sich aufmerksam zu machen? Das macht sie doch nicht zu „Idioten“. Und wie fühlst Du Dich, wenn Du andere als Idioten beschimpfst?

Wenn Du etwas machen willst, dann mach es. Tust Du ja auch, wie man sieht. Und wenn Du merkst, dass Du, um etwas Effizientes zu machen, andere brauchst, dann wirst Du nicht darum herum kommen, diesen anderen erst einmal zuzuhören.

Ob flüstern oder schreien ist nicht der Punkt. Du brauchst Verbündete und die findest Du nicht, wenn Du den Menschen nicht zuhörst, sie stattdessen beschimpfst. Und wenn Du an der Gesellschaft etwas ändern willst, dann musst Du ziemlich vielen Menschen zuhören ... gut, nicht nur Du allein ... das kann auch arbeitsteilig geschehen. Aber: Publikumsbeschimpfungen bringen gar nichts ... echt gar nichts!
Martin.
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Rüdiger Hentschel
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Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 24.08.2005, 01:22
Titel: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ...
Antworten mit Zitat
Hihi, ist jetzt ein harter Spruch: Der Mensch lebt nicht vom Brot allein ...

Aber Fakt ist, dass Gesäusel und Rumschmeicheln keinen weiterbringen. Was ich nie begriff, ist, dass in christlichen Kreisen die Menschen sich gegenseitig keine Weisheit zutrauten. Alle ordnen sich unter in eine Art "Nichtdenken".

Das hat Tradition. Sloterdijk, das ..., kultiviert die reine Beleidigung als Philosophie. Warum sollte ich dann nicht wenigstens zu mir selbst stehen dürfen?

Fakt ist weiterhin, dass wir an der Glotze hängen wie an einem Tropf. Unsere Hirne sind nur noch schwach pulsierende, auf unterstem Level arbeitende Akkus, die sehnsüchtig auf Ladung warten.

Es muss sein! Die Menschen (ich selber auch) brauchen den Tritt in den Arsch, der sie weiterbringt.

(Wenn wir uns mal irgendwann kennenlernen, erzähle ich Dir mehr davon. Sonst ufert die Diskussion aus.)

Grüße,

Rüdiger
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