Globalisierung und Neoliberalismus füllen den Konzernen die Taschen.

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Kapitalismus abschaffen? [18.01.06]
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Dietrich_Stahlbaum
Gast




Beitrag Verfasst am: 18.01.2006, 18:33
Titel: Warum der Kapitalismus sich nicht abschaffen lässt
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Warum der Kapitalismus sich nicht abschaffen lässt,
sondern immer wieder zum Vorschein kommt


Dem «Kapitalismus», hier verstanden als Wirtschaftssystem, in dem die Produktionsmittel in Privatbesitz sind, auch durch Aktienanteile, scheint ein angeborener Trieb zu Grunde zu liegen. Denn wie anders wäre zu erklären, dass alle sozialistischen Systeme von der UdSSR, dem gesamten Ostblock, bis Kuba, China und Vietnam entweder ganz zusammengebrochen sind oder dass dort wieder privatwirtschaftliche Strukturen entstehen?

Jugoslawien hatte bereits unter Tito, also lange vor dem Ende des realsozialistischen Experiments, eine Mischwirtschaft, teilweise sozialisiert, teilweise privat. Jetzt entwickelt sich dasselbe in Kuba, China und Vietnam und wird sich - wider alle Ideologie – weiterentwickeln, bis die gesamte Wirtschaft in Privathänden ist.

In der ehemaligen Sowjetunion versucht Putin die Reste des Staats“kapitalismus“ zusammenzuhalten und die neureichen Oligarchen, jene Gruppe cleverer Russen, die sich Staatseigentum unter den Nagel gerissen haben, zu enteignen und zu entmachten. In allen noch-sozialistischen Ländern macht sich Korruption unter linientreuen Parteifunktionären breit. Man scheint der Kollektivwirtschaft müde zu sein. Woran liegt das?

An den sichtbaren Misserfolgen dieser Wirtschaftsweise? Zu Deutsch: an der Misswirtschaft in allen realsozialistischen Staaten? Wohl auch. Ich vermute tiefere Gründe.

Sogar in den Kibbuzen, den israelischen Kollektivsiedlungen, die als kommunistische Lebensgemeinschaften mit gemeinsamem Eigentum und basisdemokratischen Strukturen begannen, musste nach einiger Zeit Privatbesitz (an persönlichen Dingen) geduldet werden.

Auch in Westeuropa gab es solche Kooperativen: in den 60er Jahren die französische Uhrenfabrik LIP; sie wurde nach monatelanger Werksbesetzung von der Belegschaft übernommen, und in den 70ern Landkommunen in Portugal.

Angeregt, darüber nachzudenken, hat mich mein kleiner Enkelsohn. Er wurde im März 2005 geboren. Und schon in den ersten Wochen konnte ich beobachten, wie er, der Säugling, das Produktionsmittel Mutterbrüste sich zu Eigen machte und mit seinen kräftigen Händen Besitz ergreifend nach allem grabschte, was in seine Nähe kam. Bald nahm er alles in den Mund. Die orale Phase ist noch in vollem Gange. Dieser Besitztrieb wird später auf andere „Objekte“ gerichtet sein und würde ohne „Erziehung“ und Sozialisation zur Habgier ausarten.

Habgier, Raffsucht, Konsumismus sind in unserer westlichen Zivilisation ein Massenphänomen, weil es im Kapitalismus ständig reproduziert wird und selbst immaterielle Werte zur Ware gemacht, „vermarktet“ werden, zur Ware verkommen.

Nur noch dort, wo ursprüngliche Kulturen sich behaupten können – gegenüber Neokolonialismus und westlichen Einflüssen, gibt es sozialistische Lebensformen, Kommunen, Kollektive, Kooperativen, die intakt sind. So in Lateinamerika, in Guatemala zum Beispiel. Dazu einen interessanten Bericht vom 16. Januar:

Genosse Kaffeebauer

1000 Guatemalteken leben auf dem Grundstück eines ehemaligen Großgrundbesitzers den Sozialismus
Eine Betriebskooperative im mittelamerikanischen Guatemala erwirtschaftet bescheidenen Wohlstand für ein kleines Dorf und seine Bewohner. "Gemeinsam sind wir stark", sagen sie. (…)


Volltext: http://www.fr-aktuell.de/ressorts/nachrichten_und_politik/rundschau/?cnt=787767&
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 18.01.2006, 22:29
Titel: Kapitalismus abschaffen
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Den Kapialismus abschaffen zu wollen, ist unrealistisch. Nicht nur, dass tatsächlich unsere menschliche Natur sich davon nicht trennen kann, verhindert das, sondern auch die Widerspiegelung des gesamten einzelpsychologischen und gesellschaftspsychologischen Inhalts, der Seele vom Menschen, der Seele vom Spiel im Kapitalismus.

Der Krieg, der dem Menschen innewohnt, findet im kapitalistischen Agieren seine Entsprechung. Alle guten und schlechten menschlichen Eigenschaften sind erlaubt. Man ist quasi "zu Hause".

Das glückliche Dasein einiger Menschen in einer kleinen sozialistischen Gemeinschaft scheint die große Ausnahme zu sein. Sie lässt sich auf die heutige Welt nicht übertragen.

Doch eins tut Not!

Basisdemokratie muss um jeden Preis ausgebaut werden, damit der Kapitalismus (besonders der Konzernkapitalismus) in gerechtere Bahnen gelenkt werden kann. Dieses Streben darf niemals so weit abebben, wie es in diesen Tagen der Globalisierung der Fall ist. Wenn dieses Abgleiten in die Idealisierung der kapitalistischen Ungerechtigkeit so wie jetzt ungebremst weitergeht, wird auf Dauer die aggressive Konfrontation der Gesellschaftsteile nicht zu verhindern sein.

Der Staat muss von Politikern geführt werden, die sich vom Geld nicht blenden lassen, die Wachstum nicht an die erste Stelle stellen, sondern ganz klar den Menschen im Vordergrund sehen und ihm dienen wollen. Solche Politiker wären in der Lage, den Kapitalísmus zu entschärfen und den Menschen in der gesamten Breite nutzbar zu machen.

Was wir erleben, ist ja nicht das Köcheln der Suppe in einem Drei-Liter-Topf! Was wir zurzeit erleben (und verschärft erleben werden), ist das Aufkochen sämtlicher uns umgebenden benachteiligten Einheiten unserer Gesellschaft. Die Ungerechtigkeit des Konzernkapitalismus muss zumindest gemildert werden, damit nicht in wenigen Jahren der Kampf losgeht.

Die WASG hat diese politische Nische (vielleicht unbewusst) sehr gut ausgefüllt, indem sie das Schwergewicht auf Gerechtigkeit gelegt hat. Nun wird sie von der PDS entwafffnet und entkernt.

Es wird jedoch wieder zu solchen Entwicklungen wie einer WASG kommen oder der losgelassene Kapitalismus wird die Welt in ernsthafte Unruhe stürzen.

Wir können uns nicht sortieren in die, die besonders lieb und brav, und die, die böse und frech sind. Deshalb wird der Kapitalismus die Welt immer beherrschen. Doch das Volk, die Menschen müssen eine reelle, basisdemokratische Chance haben, ihrem Selbstbehauptungstrieb nachzugehen.

Wer die Teilhabe großer Bevölkerungsteile auf ein Minimum reduziert, zerstört damit auch das Leben seiner eigenen Kinder.

P.S.: Nachtrag (06.06.2006)
War damals noch sehr fixiert auf etwaige Chancen der WASG. Bin deshalb vom Thema abgewichen. - Zum Thema: Kapitalismus ist Machtausübung und Leiden darunter. Er ist also das Innerste des Menschen selbst. Dieses Innerste bedarf der Kontrolle (einer Mutter, die ihre egoistisch streitenden Kinder ermahnt und zur Besinnung ruft). So muss der Kapitalismus der großen Kinder unter eine sinnvolle Kontrolle gestellt werden. Ohne den Kapitalismus abzutöten. Denn mit dem Kapitalismus wird der Mensch selbst mit abgetötet. Denn der Kapitalismus ist Teil der menschlichen Seele.


Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 06.06.2006, 02:48, insgesamt einmal bearbeitet
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 21.01.2006, 13:37
Titel: Aber!
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In dem Artikel der Tagesschau über die zunehmende Bereitschaft der Bevölkerung von Lateinamerika, links zu wählen, stehen ein paar interessante Dinge.
Zitat:
Ein weiterer Schachzug des argentinischen Regierungschefs war die vorzeitige Rückzahlung der Schulden beim Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 9,5 Milliarden Dollar. Kirchner, der dem Fonds vorwirft, mit seinen Auflagen und Vorschlägen die schwere Wirtschaftskrise Argentiniens der Jahre 2001/ 2002 mitverursacht zu haben, folgte damit Brasiliens Regierungschef Lula da Silva. Auch Brasilien zahlte vorzeitig 15,5 Milliarden Dollar an den IWF zurück. Das Ziel der beiden Länder ist, mit der Abnabelung vom IWF wirtschaftliche Unabhängigkeit zurückzugewinnen.

Finde ich äußerst aufschlussreich. Sagt klipp und klar aus, dass Chomsky schlicht richtig mit seinen Aussagen liegt. Nur keiner scheint ihn zu lesen.

Der US-amerikanische Plan, die Welt über die wirtschaftliche Schiene zu beherrschen, scheint sich in Südamerika endlich als aussichtsloses Projekt zu zeigen. Wichtig ist, dass in Europa die Menschen vor dem Hereinbrechen der Armut merken, was los ist.

In dem Artikel wird auch erwähnt, dass die Regionalisierung wieder in den Vordergrund rücken soll. Endlich wagen linke Politiker, den Sinn der Globalisierung zu relativieren! Was für ein Fortschritt! (Davon sind Lafontaine und Gisy weit entfernt.)

Grüße,

Rüdiger
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Rüdiger Hentschel
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Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 20.02.2006, 02:51
Titel: Steinbrück greift durch
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Interessant ist aber, dass im Geschichtsverlauf der Menschheit die "Goldenen Zeitalter" immer wieder in Phasen mündeten, die von wirtschaftlichem Zusammenbruch gekennzeichnet waren. Ein Erklärungsversuch:

Das System Markt lebt von der natürlichen Motivation des Menschen, zu etwas kommen zu wollen. Die Belebung des Marktes findet in der Aufbauphase sehr intensiv statt. Danach folgt Sicherungsverlangen derer, die den Markt beherrschen. Sie steigern ihre Marktmacht mit jeder Entscheidung und wissen nicht, dass sie sich ihre eigene Grundlage nehmen. Denn mit der übertriebenen Ansammlung der Marktmacht bei einigen Wenigen, geht der Markt vom Aufbau über in ein starres Gewinn-beiseite-schaff-System. Das lähmt die Wirtschaft bis dieser Zustand beseitigt ist.

Deutschland soll in der Neuverschuldung des Bundes auf ein vernünftiges Maß zurückgefahren werden. Dies wird in der gegenwärtigen Phase der übersteigerten Absicherung der Ultrareichen den Markt zusätzlich schwächen. Daher lautet meine Prognose, dass mit der weiteren Schmälerung der Marktaktivität zugunsten der ohnehin schon Superreichen von dieser Maßnahme gestärkt die Deflation verschärft fortschreiten wird. In der Folge wird es zu Auseinandersetzungen kommen, die logisch darin enden müssen, dass die Marktsituation wieder offen ist.

Dies kann entweder durch eine regelrechte politische Kehrtwende (Revolution) oder aber durch vernünftige Politik erreicht werden. Die Chancen für vernünftige Politik stehen gegenwärtig bei Null.

Rüdiger Hentschel
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Gast





Beitrag Verfasst am: 09.03.2006, 11:06
Titel: Gegenfrage
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Warum niemand den Kapitalismus ernsthaft abschaffen will - noch nicht einmal seine schlimmsten Kritiker? Das ist eine viel interessantere Frage.

MfG
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 09.03.2006, 12:26
Titel: ziemlich schlichte Logik
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Hallo Gast,

wenn jemand mit dem Brotmesser umgebracht wird, werden auch nicht alle Brotmesser abgeschafft, oder? Jedes Ding in der Welt kann man ge- und missbrauchen. Davon hängt eine Bewertung der Sache selbst nicht ab.

Grüße,

Rüdiger
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Friedrich Hunold
Administrator


Anmeldungsdatum: 17.10.2005
Beiträge: 237
Wohnort: Köln
Beitrag Verfasst am: 09.03.2006, 12:35
Titel: Gut gebrüllt Löwe
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Hallo Rüdiger,

da stimme ich Dir inhaltlich voll zu !!!!
_________________
Friedrich
aus Köln

http://www.elaboratus.de
http://www.basis-demokratie.de
http://www.demokratischer-verein.de
http://www.friedrich-hunold.de
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Gast





Beitrag Verfasst am: 31.05.2006, 16:30
Titel:
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> Angeregt, darüber nachzudenken, hat mich mein kleiner Enkelsohn. > Er wurde im März 2005 geboren. Und schon in den ersten Wochen
> konnte ich beobachten, wie er, der Säugling, das Produktionsmittel
> Mutterbrüste sich zu Eigen machte und mit seinen kräftigen Händen
> Besitz ergreifend nach allem grabschte, was in seine Nähe kam.
> Bald nahm er alles in den Mund. Die orale Phase ist noch in vollem
> Gange. Dieser Besitztrieb wird später auf andere „Objekte“
> gerichtet sein und würde ohne „Erziehung“ und Sozialisation zur
> Habgier ausarten.

> Habgier, Raffsucht, Konsumismus sind in unserer westlichen
> Zivilisation ein Massenphänomen, weil es im Kapitalismus ständig
> reproduziert wird und selbst immaterielle Werte zur Ware gemacht,
> „vermarktet“ werden, zur Ware verkommen.

Interessant ist, dass der Kapitalismus zunehmend abgeschafft werden kann und auch wird. Das ist aber eine eher psychologische Frage. Die Habgier wird, wenn man die konservativen jüngeren Generationen betrachtet, die vor dem Fernseher im Konsum- und Geldglauben aufgewachsen sind, auf jeden Fall erstmal zunehmen. Ich will behaupten, dass diese jungen Leute mit ihrem Geldglauben konservativer sind als die ganz Alten mit ihrer Religion, da der Geldglaube nur negative Werte vermittelt - wie schon angesprochen; Egoismus, Oberflächlichkeit, "Technologie vor dem Menschen". Was passiert also? Durch den Egoismus angetrieben werden sich diese erzkonservativen Gesellschaften durch Kinserlosigkeit selbst ausrotten. Daraufhin wird das Weltgeschehen immer mehr auf die jüngeren liberaleren Gesellschaften (vorrangig die südlichen Länder) übertragen.

Interessant ist auch, dass in jedem Konservativen ein Kind steckt -das will ich meinen sind wir alle mehr oder minder-, auf das durch eine bestätigende Erziehung für ihn nie Werte wie Nächstenliebe, etc. übertragen wurde. Eine interessante These, die ich im Internet fand lautete in ähnlicher Form: "Würden die Konservativen unserer Zeit wissen, wie man eine Frau befriedigt, hätten sie Besseres zu tun als ihre Machtspielchen zu spielen.

Zusammenfassend will ich sagen: (1) Konservatives endet in Kinderlosigkeit und somit Selbstausrottung.
(2) Die Menschheit hat sich immer zum Guten gewandt. Ob wir das nächste "Gute" noch selbst miterleben sei dahingestellt.
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Rüdiger Hentschel
Administrator


Anmeldungsdatum: 29.10.2004
Beiträge: 647
Wohnort: Mühlhausen
Beitrag Verfasst am: 31.05.2006, 22:06
Titel: Das System ist stabiler
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Hallo Gast,

das System ist stabiler als Du annimmst. Allein der Publikumseffekt produziert sehr früh und auch nachhaltig Wenden in der Systementwicklung. Die Hippies im letzten Jahrhundert (was für ein Scheißgefühl so schreiben zu müssen, wo ich doch nur ein paar Jahre zu spät für diese Bewegung geboren wurde) haben den damals auch sehr deutlichen Trend gedreht.

Die Gesellschaft ist nicht so stringent berechenbar. Denn immerhin besteht sie aus mehr als nur aus nichtdenkenden Einzelwesen. So werden wir (hoffentlich) immer wieder Entwicklungen erleben, die dazu geeignet sind, das geldorientierte, egoistische System auszubremsen. Gerade diese sind es aber, die den Knall letztlich verhindern und in selbstzerstörerischer Weise sich selbst zufügen und letztendlich vom System abwenden.

Vielleicht ist der Blitzableiter der passende Vergleich. Die Menschen sind zu wach und empfindsam, um das System wirklich an sein böses Ende laufen zu lassen. Eher gehen sie in den ablehnenden Protest und verharren in dieser Haltung bis hinein in das, was RAF damals verzapft hat.

Mir persönlch wäre es deutlich lieber, wenn das kapitalistische System die Freiheit hätte, seine Absurdität bis in die letzte Quälerei zu beweisen. Damit endlich als Exempel feststeht, dass es nicht für, sondern gegen den Menschen wirkt. Aber das Utopie.

Als ich ein Jugendlicher war, so um die 16, hatte ich einen Spruch drauf, der alle anderen tierisch genervt hat, mich selbst dann später auch: Alles ist sinnlos. Es ist alles sinnlos.

Nach 50 Jahren Leben kehre ich ein Stück weit dahin zurück. Meine Annahme/Einsicht von damals bestätigt sich einfach zu oft, um diesen Gedanken erfolgreich wegtun zu können.

So bleibt im Grunde nur das Arrangement mit dem Sinnlosen und die machtvolle, demokratische Kontrolle des Sinnlosen.

Sonst werden wir weiterhin nur das Pendel zwischen Aufbau und Niederreißen weiterhin erleben.

Grüße,

Rüdiger


Zuletzt bearbeitet von Rüdiger Hentschel am 06.06.2006, 02:50, insgesamt einmal bearbeitet
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Gast





Beitrag Verfasst am: 31.05.2006, 23:49
Titel:
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Hallo!

Ich konnte die 68er leider nicht annähernd miterleben, bin ich doch eher einer der jungen konservativen und oberflächlichen Jugend.

Es ist immer gut - falls man in Selbstzweifel verfällt - sozial-liberal zu denken und den Schritt nach vorne zu wagen. Das hast du mit diesen Seiten bewiesen! Doch solltest du damit nicht auf der Stelle verharren.

Ich hatte in den letzten Tagen bei mir gedacht, dass man lieber ein Schriftwerk verfassen sollte, dass die gesamte menschliche Evolution beschreibt; auf die Wirtschaft, Religion, antispamät, Erziehung, Medien und Politik, Geschichte.. eingeht. Insbesondere sollte es aber die Philosophie und die Psyche des Menschen beschreiben, und jedem Leser damit einen Spiegel vor ihn halten. Gibt es sowas bereits? Ich kenne bisher nur Werke, die die Welt ein- oder maximal zweidimensional beschreiben - meist aus Sicht der Wirtschaft & Politik. Ohne allgemeine Zusammenhänge kann das zu keinem Ziel führen.
Man sollte den Glauben an den "unberührten Menschen" nie aufgeben - auch wenn es ihn in idealer Form bestimmt nicht gegeben haben wird.

Es wäre wohl sicher weniger nicht wichtig, ob dieses selbstverfasste Werk ein Verkaufsschlager wird. Man hätte schon viel getan, wenn die ('zivilisierten') Lemminge darüber diskutieren und debattieren würden.
Auch wenn es überhaupt kein Interesse abbekommt, wäre man für sich selbst im Reinen, weil man etwas für die Gesellschaft getan hat - also einen Versuch gegen deren Untergang.
Aufklärung sollte immer höchste Priorität haben und man sollte nie die Macht dem Frust und der inneren seelischen Lähmung überlassen. Sonst unterscheidet man sich nicht von diesen Massen.

Sollte es Interesse hierfür geben, wäre ich zweifelsfrei mit dabei.
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