Gehen wir zunächst kurz auf die oben zitierte Häufung von Absurditäten ein: Die Israelis töteten "gezielt Kinder ..., damit die Palästinenser immer weniger werden", ja um die Palästinenser "auszulöschen ..., damit die Israelis genug Raum im Osten bekommen."
Warum sich die Zahl der Palästinenser in den lange Zeit (Gazastreifen) bzw. noch immer größtenteils besetzten Gebieten (Westbank, Ost-Jerusalem) in den letzten
Jahrzehnten gut verfünffacht hat
5 (exklusive jener Palästinenser, die etwa in Flüchtlingslagern im Libanon leben), obwohl doch die Israelis dortselbst eine Politik der Auslöschung der Palästinenser betrieben und betreiben; warum die Israelis sich Schritt um Schritt aus allen Gebieten zurückzogen (Sinai, Süd-Libanon, Gaza, Gewährung von Teilautonomie in und geplanter vollständiger Rückzug aus der Westbank), obwohl sie doch "Raum im Osten" (der Gazastreifen liegt übrigens im Westen) annektieren woll(t)en; und warum sie das Land, das sie rauben woll(t)en, bzw. sein Grundwasser zu allem Überfluss und eigenem Schaden auch noch systematisch "vergiften" – diese Fragen kann uns ein politikanalytisch wie moralisch Dementer natürlich nicht beantworten.
Was er mit den Formulierungen "Raum im Osten", "Vertreiben" und "Auslöschen" der Palästinenser konnotieren wollte, erscheint hingegen offenbar. Die zerebral verheerenden Folgen des antiisraelischen Furors des Autors zeigen sich auch darin, dass ihm im selben Artikel historische Fakten massiv durcheinander geraten:
So behauptet er etwa, dass die "zionistische Untergrundorganisation Haganah ... 1946 ... das Ben-Gurion-Hotel in die Luft (jagte)", worauf "80 Tote, auch Juden", zu beklagen gewesen seien. Verantwortlich war aber nicht die Haganah, sondern die radikalzionistische Untergrundorganisation Irgun (des Menachem Begin), das Hotel hieß King David Hotel (klingt aber auch irgendwie jüdisch) und das eigentliche Ziel des, um Opfer zu verhindern, mehrfach vorangekündigten Anschlags der – so die Diktion unseres verbalen Amokläufers – "Meuchelmörder" war die britische Mandatsregierung, die in diesem Hotel residierte.
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Aber lassen wir die Historie noch kurz beiseite. Kommen wir zunächst zurück auf das, was nach Meinung der antizionistischen Linken
7 die Israelis dazu brachte, ab dem 12. Juli 2006
den8 Libanon anzugreifen – und mit welchen unverhältnismäßigen, kriegsverbrecherischen Mitteln zudem.
Erinnern wir uns an die Behauptung Uri Avnerys, des Unvermeidlichen, dass die Israelis in Beirut einen Israel hörigen Diktator einsetzen wollten.
9 Haben sie das geschafft oder auch nur beabsichtigt? Nein. Am ersten Tag des Waffenstillstands erfahren wir von staatstragender Seite: "Seit 7.00 Uhr ist es ruhig im Süden Libanons. Sowohl die israelische Armee als auch die Hisbollah-Miliz scheinen sich an die von der Uno geforderte Waffenruhe zu halten. Israel zeigt sich bereit, seine Truppen abzuziehen, pocht aber auf den Einsatz von UN-Friedenstruppe und libanesischer Armee."
10 Interessant ist diese Meldung vor allem im Hinblick auf jene, die immer wieder behaupteten, Israel führe Krieg gegen
den Libanon bzw.
die libanesische Bevölkerung – um womöglich noch
den Libanon langfristig zu besetzen bzw. einen, wie gesagt, Israel genehmen
Diktator in Beirut einzusetzen.
Wundersam, dass Israel zum Waffenstilltand und sofortigen Abzug seiner Truppen unter der Bedingung bereit war, dass die LIBANESISCHE Armee (samt UN-Friedenstruppe)
im Süden Libanons zum Einsatz kommt – obwohl Israel doch Krieg führt gegen
den Libanon! Alles, was wir seitdem aus den Medien hören und lesen, weist auf die
vollständige Durchsetzung des (für Denk- und Moralfähige) nachvollziehbaren Ziels des israelischen Feldzugs gegen die libanesische Hisbollah (und eben nicht gegen
den libanesischen Staat oder
die Palästinenser) hin: Die internationale Staatengemeinschaft (UN-Truppen) und die libanesische Armee übernimmt die militärische und sicherheitspolitische Kontrolle im Süden Libanons – mit der Folge, dass schon jetzt, obwohl die Stationierung dieser Sicherheitstruppen noch gar nicht abgeschlossen ist, Raketenangriffe der Hisbollah auf israelisches Gebiet nicht mehr gemeldet werden.
Erinnern wir uns hingegen der innerhalb der antizionistischen Linken (ehemals?) reihum geäußerten Behauptungen, ein Krieg gegen die Hisbollah sei nicht zu gewinnen,
würde diese und ihren Rückhalt in der Bevölkerung nur stärken, und der Versuch, sie zu entwaffnen bzw. militärisch zu neutralisieren (was durch eine Kontrolle des südlichen Libanon durch libanesische und UN-Truppen faktisch der Fall wäre bzw. schon ist) würde zum Bürgerkrieg im Libanon führen? Inzwischen lesen wir, dass im Lager der Hisbollah und in der gesamten arabischen bzw. islamischen Welt ein heftiger Streit über die Gewaltstrategie der Hisbollah ausgebrochen ist, dass sich Hisbollah-Führer Nasrallah inzwischen selbstkritisch zur bisherigen Gewaltstrategie der Hisbollah äußere und dass die Hisbollah nicht gedenke, gegen die UN-Friedenstruppen vorzugehen.
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Es ist grausam, es ist furchtbar, es ist entsetzlich, dass die Hisbollah nur in Folge der massiven, in der Tat unverhältnismäßigen israelischen Militäraktionen, unter denen die libanesische Zivilbevölkerung unbestreitbar heftig leiden musste (darauf werde ich weiter unten noch zurückkommen), zur Vernunft gebracht werden konnte. Fakt ist nur leider, das Israel sein Kriegsziel einer massiven Schwächung der Hisbollah und einer Übertragung des Gewaltmonopols im Süden Libanons an libanesische bzw. UN-Truppen erreicht hat – und in den Jahren davor mit weit weniger massiven militärischen Präzisionsschlägen gegen die Hisbollah nicht erreicht hatte.
Erinnern wir uns im Weiteren an den in der antizionistischen Linken (und weit darüber hinaus) zitierten unseligen Jostein Gaarder, der in hemmungsloser, in alttestamentarischem Duktus geäußerter Gefühlsraserei den israelischen "Kindermördern" zunächst ihr staatliches Existenzrecht absprach und Hamas, Hisbollah & Co. nach Auflösung des israelischen Staates zumindest noch bat: "Frieden und freies Geleit für die ausziehende (israelische; E.S.) Zivilbevölkerung, die nicht länger von einem Staat geschützt wird. Feuert nicht auf die Flüchtlinge! Zielt nicht auf sie! Sie sind verwundbar wir Schnecken ohne Haus, verwundbar wie langsame Karavanen palästinensischer und libanesischer Flüchtlinge, schutzlos wie Frauen und Kinder und Alte in Kana, Gaza, Sabra und Shatilla.
12 Gebt den israelischen Flüchtlingen Obdach, gebt ihnen Milch und Honig! Lasst nicht ein israelisches Kind mit seinem Leben büssen. Viel zu viele Kinder und Zivilisten wurden schon ermordet."
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Ob die schon in diesen armseligen Zeilen, dieser hilflosen Bitte zum Ausdruck kommende düstere Ahnung, dass genau dieser Massenmord an den Israelis geschehen würde, ginge ihr Staat unter, Gaarder dazu brachte, Tage später, nach Abklingen seines anfänglichen Furors, zu Protokoll zu geben, dass er das mit der Negation des Staates Israel doch nicht so ernst gemeint hat?
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Oder was ist aus der Behauptung geworden, Israel habe im Krieg gegen die Hisbollah "Giftgas" eingesetzt?
15 Schon eine erste Analyse ihrer Quelle hatte ergeben, dass sie nachweisbaren Fakten nicht entspricht.
16 Inzwischen erfahren wir in jener Zeitung, in der der Giftgasvorwurf erhoben wurde und die von sich behauptet, eine "Linkezeitung" zu sein: "Es ist müßig zu streiten, welcher Art die grausamen Waffen sind, die die israelische Generalität im Libanon eingesetzt hat."
17 Genau: Wir haben Israel mit deutschen
Nazis assoziiert, die Giftgas eingesetzt haben, also unser Denunziationsziel erreicht. Jeder weitere Streit darüber ist damit in der Tat "müßig" – obwohl dieser Streit in besagter "Linkenzeitung" unvermittelt weitergeht: Auf die sich auf Experten berufende ARD-Report-Meldung, dass es für die Nutzung von Chemiewaffen (oder gar
www.handelsblatt.com,
www.derstandard.at,
www.wienerzeitung.at,
www.zisch.ch,
www.israelnetz.de) im Südlibanon "keine Beweise" gebe
18, kontert jener Unsägliche, der schon behauptete, die Israelis würden die Palästinenser "auslöschen", um fürs eigene Volk "Raum im Osten" zu erobern, "Report und sein Hilfsprof." wollten nur "verniedlichen"
– während doch eine andere, wohl eine
richtige "Prof. Paola Manduca" nachgewiesen habe, dass die Israelis im Libanon "Mikrowellenwaffen ... getestet" haben, durch die Opfer "gebrutzelt" und "geschrumpft" werden.
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3 www.egbert-scheunemann.de/Krieg-gegen-Israel.pdf
4 Bis heute bekam ich 76 E-Mails – ca. 80 Prozent Zustimmung und 20 Prozent Ablehnung. Wenige kritisch sich äußernde Absender versuchten zumindest, inhaltlich zu argumentieren (auf die vorgebrachten Argumente werde ich im Folgenden eingehen). Der Rest tobte massiv unter der Gürtellinie.
5 de.wikipedia.org/wiki/Palästinenser und
de.wikipedia.org/wiki/Völkerbundsmandat für Palästina
6 Warum das Ziel, durch mehrfache Vorankündigungen Opfer zu verhindern, letztlich verfehlt wurde, wird an dieser Stelle genauer beschrieben:
de.wikipedia.org/wiki/King_David_Hotel
7 Ich möchte es im Folgenden bei diesem Sammelbegriff der antizionistischen Linken belassen. Der politikanalytische Blödsinn, den diese antizionistische Linke in Hinblick auf Israel größtenteils verbreitet, wird dadurch nicht größer (oder geringer), dass man dem einen oder der anderen ihrer VertreterInnen zudem antisemitisches Ressentiment unterstellt oder nachweist. Der mir hier und da gemachte Vorwurf, ich schwinge die Antisemitismuskeule, geht also größtenteils an meiner Argumentation vorbei. Ich wende mich primär gegen politikanalytischen Schwachsinn. Ob einer oder eine zudem moralisch verkommen, weil antisemitisch ist, folgt dem Schwachsinn zwar in der Regel auf dem Fuße – aber eben nicht immer und nicht systematisch. Es gibt bekanntlich auch gutmeinende Idioten.
8 Um Missverständnisse eindeutig auszuschließen, setze ich auch im Folgenden alle Zitate in doppelte Anführungszeichen, eigene (ironische etc.) Relativierungen jedoch in einfache. (hier kursiv, Anm. Online-Polemik)
9 www.egbert-scheunemann.de/Krieg-gegen-Israel.pdf, S. 3-4.
10 www.tagesschau.de, 14. August 2006
11 www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,433924,00.html
12 Auf diese vermeintlich israelische Gräueltat werde ich noch zurückkommen. Vgl. zunächst:
de.wikipedia.org/wiki/Sabra_und_Schatila
13 www.linkezeitung.de/cms/content/view/880/39/
14 www.spiegel.de/kultur/literatur/0,1518,431433,00.html
15 www.linkezeitung.de/cms/content/view/780/35/
16 www.egbert-scheunemann.de/Krieg-gegen-Israel.pdf, S. 7-8.
17 www.linkezeitung.de/cms/content/view/897/35/