Der Mensch ist immer Sklavenhalter gewesen. Die Moderne legitimiert diese Attitüde neu.

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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Die Dienstleistungsreform
und ihre Folgen

Sklaverei ist schön für den Sklavenhalter. Endlich dürfen wir für kurze Zeit das Gefühl eines Sklavenhalters erleben, der sein Rohr für vier oder fünf Euro reinigen lässt. Endlich können wir unsere Rohre auch einmal aus Spaß reinigen lassen, obwohl sie gar nicht verstopft sind. Einfach aus Spaß! Weil es Spaß macht. Freude. Das Gefühl eines Sklavenhalters.

Im Bistro weiden wir uns an dem Gefühl, dass die ausländische Bedienung maximal zwei Euro die Stunde verdient. Das tröstet uns über unseren eigenen Frust hinweg. Immerhin ist unser Einkommen seit einigen Jahren fast um ein Drittel geschrumpft. Und die Mieten sind nicht billiger geworden.

Was für ein majestätisches Gefühl, unsere eigene Schmach, unsere Pein einmal auf andere, noch schwächere abwälzen zu können! Ist das Leben nicht schön? Der Starke frisst den Schwachen. Es ist wie in der Natur. Westerwelle schreit alles nieder.

Leide! Leide! Ich bestelle solange, bis du blutige Füße hast. Das Bier ist billiger geworden seit der Dienstleistungsreform. Das ist doch mal ein handfester Vorteil. Hitler hat die Autobahnen gebaut. Das muss man ihm doch mal zugute halten.

Europa ist schön. Es tut so herrlich weh. Aber nicht mir! Das soll nicht sein. Ich bin schlau! Ich bin solange für Europa, wie ich keine Bedienung sein muss unter den Bedingungen der Dienstleistungsreform.

Europa ist schön. Erst lassen wir die einen über die Klinge springen, dann lassen wir ein paar andere über die Klinge springen. Das macht richtig Spaß! Nie war das Leben so schön wie heute. Wir können die Auswirkungen des nackten Konkurrenzkampfes am Menschen selbst studieren. Frankenstein würde uns darum beneiden. In seiner Zeit hatte er fürstliche Macht. Aber er konnte so ein schönes großes lustiges Experiment nicht durchführen.

Wie würde Frankenstein reagieren, wenn er von den heutigen Zuständen wüsste?

Privatisierung hat heute solch einen hohen Vorrang, dass Einzelschicksale nichts mehr zählen. Als privat wichtig zählt nur noch die Führung und die Übernahme von Firmen und Konzernen und öffentlichen Einrichtungen. Das Schicksal der Einzelnen spielt im Privatisierungszeitalter keine Rolle mehr. Die Menschen als Einzelne sind nichts mehr wert. Sie dürfen ausharren, bis sie an die Reihe kommen, für zwei Euro die Stunde die noch verbliebenen Herren bedienen zu dürfen.

Lasset uns das Glück der Privatwirtschaft genießen. Beobachten wir genüsslich, wie uns Billigkräfte dienen.

Jeder, der arbeiten will, findet auch Arbeit! Jeder, der arbeiten will, findet auch Arbeit! Jeder, der arbeiten will, findet auch Arbeit!

Uns wird dieses Schicksal schon nicht ereilen. Genießen wir den Untergang der Zivilisation. An unsere Kinder brauchen wir nicht zu denken. Wir müssen ja sowie so bald sterben. Und dann werden wir das Schicksal unserer Kinder nicht mehr erleben. Ist doch egal!

Die Welt ist eine Schweinewelt geworden. Die tierische, schlechte Seite des Menschen wird als Denk- und Handlungsgrundlage benutzt. Die schlimmsten Individuen postulieren für sich alle Rechte, nur weil das in der Natur angeblich auch so ist. Der auf die Wirtschaft und die Politik übertragene Darwinismus bringt nur Kriege und hochfahrendes Präsidentengehabe. Er dient allein der Kapitalkonzentration in den Kassen einiger Weniger. Westerwelle und Kumpane reiten den wilden Stier des Liberalismus. Doch sie beherrschen ihn nicht. Er beherrscht sie. Werden diese Menschen irgendwann ihre Unmenschlichkeit erkennen?

Wir plündern die Umwelt, wir rauben unseres gleichen aus. Wir wissen gar nicht mehr, was wir tun. - Ich möchte mich nicht im Alter auf die Veranda setzen und zu mir selber sagen müssen: "Ohne die Ausbeutung Vieler wäre dies Haus nicht gebaut worden."

Mit welcher frechen Verlogenheit dieses Europa aufgebaut wird, erkennen wir daran, dass einerseits die Arbeitskräfte überall nach den Regeln ihrer Herkunftsländer beschäftigt werden sollen, aber gleichzeitig ein Antidiskriminierungsgesetz von Europa diktiert wird, das eben diese "herkunftsbezogene Behandlung" verbietet.

Europa ist von Grund auf verlogen. Es geht nur um einige Milliardäre. Die üben ihre Macht aus. Sonst nichts! - Europa ist eine reine Gelddiktatur. Die Politik ist zum Kompromisslügner verkommen. Zu Diensten der reichen Mächtigen. Diese Mächtigen wollen, dass sich die Menschen im Konkurrenzkampf zermalen.
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Kommentare:
Wieso, müssen wir bald sterben?
Manche Sachen erwähnst du richtig, jedoch nur fragmentarisch, und dann gleitest du ab ins Dubiose.
  1. Wir werden die Zukunft unserer Kinder erleben.
  2. Nein, Europa richtet sich nicht nach einigen Milliardären. Irgend etwas in den Raum schmeißen kann jeder.
  3. Ja, unsere Wirtschaftsordnung baut auf Konkurenz und den Egoismus eines jeden Menschen.
  4. Keine Bedienung läuft sich die Füße wund, weil viel mehr bestellt wird, sondern nur, wenn sie zu enge Schuhe gekauft hat.
anonym, 30.07.2007
Nein, wie harmlos! Die paar Existenznöte bringen einen doch nicht um! Und das Konkurrenzprinzip muss selbstverständlich bis zum bitteren Ende durchgehalten werden! Bis zum Endsieg des freien Marktes! Und die Bedienung, die sich für einen Hungerlohn ausbeuten lässt, die schwebt natürlich auch nur ein halbes Stündchen am Tag durch die Kneipe. Klar. - Schaun Sie doch mal über Ihr Teakholzgeländer! Die Realitäten sehen anders aus als die Entwürfe der Markt-Ideologen.

Rüdiger Hentschel, 30.07.2007
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