Der Reichtum im Lande
Und wem gehören all die staatlichen Schuldscheine, wer kauft die Bundesschatzbriefe?
Der Bund der Steuerzahler: "Mitte 2002 war der Staat mit rund 538 Milliarden Euro bei den inländischen Kreditinstituten und mit über 460 Milliarden Euro im Ausland verschuldet. Daneben haben Privatleute, Sozialversicherungen, Bausparkassen und Versicherungen dem Staat Kapital in Höhe von rund 244 Milliarden Euro zur Verfügung gestellt. Nach Ende der jeweiligen Laufzeit der Kredite hat der Staat die Schulden zuzüglich Zinsen zurückgezahlt. Die jährliche Neuverschuldung sorgt allerdings dafür, dass die Staatsschulden weiter anwachsen. 2004 beläuft sich der Schuldenzuwachs des Staates voraussichtlich auf über 80 Milliarden Euro."
Wie aus dem Armuts- und Reichtumsbericht hervorgeht, teilt sich die ärmere Hälfte der Bevölkerung magere vier Prozent des deutschen Geldvermögens; die reichsten fünf Prozent der privaten Haushalte hingegen besitzen mehr als ein Drittel des deutschen Vermögens. 50 Prozent der Haushalte verfügen über 96 Prozent des Vermögens.
Insgesamt nennt "Forbes" unter den Milliardären der Welt 28 Deutsche. Das "Manager Magazin" hat im Jahr 2002 eine neue Rangliste der hundert reichsten Deutschen erstellt. Auf 14,6 Mrd. Euro schätzt die Zeitschrift das Vermögen von Theo Albrecht (80), dem Verwaltungsratsvorsitzenden der Billigladenkette Aldi Nord. Sein zwei Jahre älterer Bruder Karl, ehemaliger Chef von Aldi Süd, hat demnach zwei Mrd. Euro weniger auf dem Konto. Auf Platz drei folgt mit der BMW-Erbin Susanne Klatten (39) die einzige Frau unter den Top Ten - die Schwägerin von EM.TV-Chef Werner Klatten besitzt nach der Analyse der Zeitschrift 7,5 Mrd. Euro. Im weltweiten Club der Superreichen liegen die Aldi-Brüder nach einer früheren Analyse des Magazins "Forbes" mit ihrem gemeinsamen Vermögen auf Platz fünf.
Unter den Top Ten des deutschen Geldadels folgen laut "Manager Magazin" Werner Otto, der Gründer des Otto Versands, mit 6,6 Mrd. Euro, Reinhard Mohn (Bertelsmann, 5,7 Mrd. Euro) und die Familie von Holtzbrinck (Verlagsgruppe Holtzbrinck, 5,6 Mrd. Euro). Friedrich Karl Flick (Großunternehmer, 5,4 Mrd. Euro), Michael Herz (Tchibo, Reemtsma, Beiersdorf, 5,1 Mrd. Euro), Curt G. Engelhorn (Ex-Besitzer von Boehringer Mannheim, 4,7 Mrd. Euro) und Hasso Plattner (SAP-Mitgründer, 4,7 Milliarden Euro) komplettieren das Feld. Insgesamt gibt es in Deutschland nach Angaben der Finanzberater von Merrill Lynch derzeit rund 365.000 Euro-Millionäre. Das Gesamtvermögen der 100 Reichsten unter ihnen beträgt gut 250 Mrd. Euro - immerhin 2,5 Mrd. Euro mehr als der Ansatz für den Bundeshaushalt 2002." Aus: Financial Times Deutschland, 2002. Die Zinsen aus der Staatsverschuldung fließen in die Taschen der Vermögenden. Jene wiederum verstecken gerne ihr Kapital im Ausland.
Holger Stein, Mitarbeiter beim Forschungsbereich "Öffentliche Wirtschaft und Soziale Sicherung" der Uni Frankfurt, hat für die Vermögensverteilung in Deutschland jüngst ein eindrucksvolles Bild gefunden. In seiner "Vermögensparade" steht jede Person für einen Haushalt. Ihre Körpergröße entspricht dabei dem Nettovermögen des betreffenden Haushaltes. Ein Haushalt mit durchschnittlichem Vermögen wird also durch eine Person mit durchschnittlicher Körpergröße von 1,75 Metern repräsentiert. Ließe man auf diese Weise sämtliche Haushalte der Bundesrepublik in einer Stunde an sich vorüberziehen, sähe man sechs Minuten lang gar nichts - weil die Betreffenden entweder Schulden oder kein Vermögen haben. Nach zwanzig Minuten hätten die Defilierenden gerade mal eine Größe von 19 Zentimetern erreicht, nach 30 Minuten wären es gut 60 Zentimeter.
Erst nach 40 Minuten kämen die ersten durchschnittlich Gewachsenen in den Blick, die bald von Gestalten der doppelten Größe abgelöst würden. Kurz nach Beginn der letzten Minute wäre die Zehn-Meter-Marke überschritten, an ihrem Ende wären die Menschen über 40 Meter groß. Und dennoch wären auch sie noch klein im Vergleich zu den 100 reichsten Deutschen, die in keiner Verteilungsstatistik auftauchen: Sie laufen sozusagen außer Konkurrenz und kämen in der Steinschen Vermögensparade auf stattliche 41 Kilometer Körpergröße. Durchschnittlich, wohlgemerkt
Die falschen Vermittlungszahlen der Arbeitsämter führten zu einem Wochen andauernden Skandal, der katastrophale Zustand der Finanzämter mit den aufgezeigten gravierenden Ungerechtigkeiten findet dagegen kein Interesse. Woran liegt es?
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