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Welthandelsorganisation:
Amerikanische Werte exportieren
Lassen wir den verwirrenden Kontrast zwischen Dogma und Realität auf sich beruhen und fragen wir uns, was wir von einer Untersuchung der neuen Ära lernen können. Ich meine, eine ganze Menge.
Der Bericht der New York Times über den amerikanischen »Export der Werte des freien Marktes« feiert das WHO-Abkommen zur Telekommunikation, das Washington dankenswerterweise ein »neues außenpolitisches Werkzeug« an die Hand gibt. Das Abkommen »ermächtigt die WHO, innerhalb der Grenzen der 70 Unterzeichnerstaaten tätig zu werden«, und es ist kein Geheimnis, dass internationale Institutionen durchaus funktionieren können, insoweit sie die Forderungen der Mächtigen, insbesondere der Vereinigten Staaten, vertreten.
In Tat und Wahrheit erlaubt das »neue Werkzeug« den USA, sich in die inneren Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen und sie zu zwingen, ihre Gesetze und Regelungen zu verändern. Die WHO wird dafür sorgen, dass andere Länder »dem Abkommen Folge leisten, indem sie ausländischen Investoren« den Zutritt zum einheimischen Markt gestatten, ohne zentrale Bereiche ihrer Wirtschaft davon auszunehmen. Im Hinblick auf die Telekommunikation steht das Ergebnis bereits fest: »Die Konzerne, die von dieser neuen Ära profitieren, werden US-amerikanische Gesellschaften sein, weil sie über die beste Ausgangsposition verfügen, um ein allen zugängliches Feld zu beherrschen«, merkt die Far Eastern Economic Review an.
Dazu kommt noch ein britisch-amerikanisches Großunternehmen. Nicht alle sind von diesen Aussichten begeistert. Die Gewinner haben das erkannt und bieten ihre Interpretation an. Sanger beschreibt es so: Andere befürchten, dass »amerikanische Telekommunikationsgiganten ... die schwächlichen, von der Regierung subventionierten Monopole, die in Europa und Asien lange Zeit den Telekommunikationssektor beherrschten, einfach überrollen werden« - wie es auch in den Vereinigten Staaten geschah, als sie schon längst die führende wirtschaftliche und politische Macht der Welt waren.
Erwähnenswert ist auch, dass viele wichtige Produkte der modernen Technologie (z.B. Transistoren) in den Forschungslaboratorien des »schwächlichen Monopols« entwickelt wurden, das hierzulande den Telekommunikationsmarkt bis in die siebziger Jahre dominierte. Es nutzte seine Monopolstellung, um die entwickelten Industriesektoren durch den Transfer öffentlicher Gelder zu unterstützen (was manchmal, im Gegensatz zum Pentagon-System, auf indirekte Weise geschah).
Wer nostalgisch an der Vergangenheit hängt, gelangt zu etwas anderen Auffassungen. Die Far Eastern Economic Review weist darauf hin, dass in Asien Arbeitsplätze verlorengehen werden, während sich »für viele asiatische Kunden das Telefonieren erst einmal verteuert, bevor es billiger wird«. Und wann wird das sein? Damit diese rosige Zukunft heraufdämmert, müssen ausländische Investoren lediglich dazu »ermutigt werden ... sich sozial verträglich zu verhalten«, also nicht einfach nur die Gewinne und den Dienst an reichen Kunden und Geschäftsleuten im Auge haben.
Wie dieses Wunder sich ereignen soll, bleibt ungeklärt, obwohl der Vorschlag die oberen Konzernetagen sicherlich zu ernsthaften Überlegungen anregen wird.
Während der Planungszeit wird das WHO-Abkommen die Telefonkosten für die meisten asiatischen Kunden in die Höhe treiben, lautet die Voraussage der Far Eastern Economic Review. »Tatsächlich wird nur eine relativ geringe Anzahl von Kunden in Asien von den niedrigeren Gebühren für Auslandstelefonate profitieren«, die mit der Übernahme des Telekommunikationssektors durch große, zumeist US-amerikanische Auslandskonzerne einhergehen sollen. So führen zum Beispiel in Indonesien nur etwa 300 000 Personen, zumeist Geschäftsleute, Auslandstelefonate, während die Gesamtbevölkerung sich auf etwa 200 Millionen Einwohner beläuft.
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