Soziale Ungleichheit weltweit - Neoliberale Ökonomie
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Soziale Ungleichheit weltweit
Neoliberale Ökonomie


Lateinamerika weist im Hinblick auf soziale Ungleichheit weltweit die schlechtesten Werte auf, Ostasien dagegen die besten. Das gleiche gilt für Gesundheit, Erziehung und die gesellschaftliche Wohlfahrt im allgemeinen.

Die Importe nach Lateinamerika haben sich stark zugunsten von Konsumtionsgütern für die Reichen verschoben, in Ostasien stehen produktive Investitionen an erster Stelle. In Lateinamerika hat die Kapitalflucht die Höhe der Auslandsschulden erreicht, während in Ostasien der Kapitalexport strikt kontrolliert wurde. In Lateinamerika sind die Reichen im allgemeinen von sozialer Verantwortung inklusive Steuerzahlungen befreit.

Das lateinamerikanische Problem, so der brasilianische Ökonom Bresser Pereira, ist nicht der »Populismus«, sondern »die Unterwerfung des Staates unter die Reichen«. Das ist in Ostasien völlig anders. Ähnliches gilt für Auslandsinvestitionen: Auch hier fand das Fremdkapital wesentlich leichter Zugang zu den Volkswirtschaften Lateinamerikas, so dass seit den fünfziger Jahren ausländische multinationale Konzerne in Lateinamerika »einen sehr viel größeren Anteil der Industrieproduktion kontrollieren« als in den erfolgreichen Ländern Ostasiens, heißt es in einer Untersuchung der UN-Kommission für Handel und Entwicklung (UNCTAD).

Selbst die Weltbank räumt ein, dass die von ihr befürworteten Auslandsinvestitionen und Privatisierungen in Lateinamerika »dahin tendierten, andere Kapitalströme zu ersetzen«. Anders als in Ostasien wanderten damit die Profite ebenso wie die Kontrolle über die Kapitalströme ins Ausland ab. Die Bank sieht auch, dass in Japan, Korea und Taiwan die Preise stärker von den Marktpreisen abwichen als in Indien, Brasilien, Mexiko, Venezuela und anderen angeblich staatsinterventionistischen Ländern (1976-85), während die Regierung Chinas, die am stärksten interventionistisch orientiert und am weitesten von den Marktpreisen entfernt ist, der erklärte Liebling der Weltbank und ihr am schnellsten wachsender Kreditnehmer ist.

Offizielle Untersuchungen der Weltbank über die Lehren, die aus Chile gezogen werden können, lassen die Tatsache tunlichst unerwähnt, dass die nationalisierten kupferproduzierenden Unternehmen die Hälfte der chilenischen Exportgewinne einfahren.

Anscheinend hat die Offenheit gegenüber der internationalen Wirtschaft, gepaart mit der Unfähigkeit, das Kapital und die Reichen ebenso zu kontrollieren wie die Armen und die Arbeiter, Lateinamerika erhebliche Kosten beschert. Natürlich gibt es, wie zur Kolonialzeit, Bevölkerungsschichten, die von der Entwicklung profitieren und, was nicht verwundert, den Dogmen der neoliberalen »Religion« genauso ergeben sind wie die ausländischen Investoren.

Die Rolle, die Management und Initiative des Staates in den erfolgreichen Volkswirtschaften gespielt haben, mutet ebenfalls vertraut an. Eine damit zusammenhängende Frage ist, wie die Dritte Welt zu dem wurde, was sie heute ist. Der herausragende Wirtschaftshistoriker Paul Bairoch kommt in einer Untersuchung über die Entwicklungspolitik und ihre »Mythen« zu dem Fazit, »dass der im neunzehnten Jahrhundert in der Dritten Welt zwangsweise durchgesetzte Wirtschaftsliberalismus zweifellos zu den Hauptursachen der verzögerten Industrialisierung gerechnet werden muss«. Das lehrreiche Beispiel Indiens zeigt sogar, wie dort der »Prozess der De-Industrialisierung« das Industrie- und Handelszentrum der Welt in eine verarmte Agrargesellschaft verwandelte, die einen erheblichen Rückgang der Reallöhne, des Lebensmittelverbrauchs und der Verfügbarkeit anderer Grundwaren zu verzeichnen hatte. »Indien war nur der erste große Katastrophenfall auf einer sehr langen Liste«, bemerkt Bairoch.

Auf dieser Liste stehen »sogar politisch unabhängige Länder der Dritten Welt, die gezwungen wurden, ihre Märkte für westliche Produkte zu öffnen«. Zur gleichen Zeit schützten die westlichen Gesellschaften sich vor der Marktdisziplin und erlebten einen wirtschaftlichen Aufschwung.

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Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

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