Politische und ökonomische Prinzipien - Glorreiche Zukunft
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Politische und ökonomische Prinzipien
Glorreiche Zukunft


Der Hintergrund dieses Triumphs veranschaulicht die »politischen und ökonomischen Prinzipien«, die uns in eine glorreiche Zukunft führen sollen. Haiti war einmal (neben Bengalen) eine der reichsten Kolonien der Welt und eine der Hauptquellen des französischen Wohlstands.

Seit Präsident Wilsons Marineeinheiten vor 80 Jahren die Insel besetzten, ist das Land weitgehend unter US-amerikanischer Kontrolle und Vormundschaft gewesen. Mittlerweile ist es so verarmt, dass es in näherer Zukunft kaum noch bewohnbar sein wird. 1981 entwarfen die amerikanische Organisation für Internationale Entwicklung USAID (Agency for International Development) und die Weltbank eine Strategie zur Förderung von Fabrikanlagen und des Ausbaus einer exportorientierten Landwirtschaft, was die Produktion von Lebensmitteln für den Binnenmarkt stark beeinträchtigte.

Die USAID prophezeite, Haiti werde durch den »stärkeren Austausch mit dem US-amerikanischen Markt« zum »Taiwan der Karibik« - ein »historischer Wandel«, zu dem die Weltbank mit ihren üblichen Rezepten zur »Ausweitung privaten Unternehmertums« bei gleichzeitiger Minimierung »sozialer Zielsetzungen« das ihre beitragen wollte. Natürlich führen diese Rezepte zu Ungleichheit und Armut sowie zu schwerwiegenden Mängeln im Gesundheits- und Bildungswesen, werden aber von ständigen Ermahnungen begleitet, Ungleichheit und Armut zu bekämpfen und das Gesundheits- und Bildungswesen zu verbessern.

In Haiti lief alles nach dem gewohnten Schema ab: US-amerikanische Hersteller und die haitianische Oberschicht sahnten ab, während die Arbeitslöhne in den achtziger Jahren um 56 Prozent zurückgingen. Das nennt man ein »Wirtschaftswunder«. Haiti blieb Haiti und wurde nicht Taiwan, dessen Regierung, wie auch USAID und Weltbank bekannt sein dürfte, eine radikal andere Wirtschaftspolitik betreibt.

Gerade weil Haitis erste demokratisch gewählte Regierung bestrebt war, die wachsende Katastrophe einzudämmen, provozierte sie die Feindschaft der USA, die dann zum Putsch und Terror führte. Nachdem die »Demokratie wiederhergestellt« ist, hält die USAID Entwicklungsgelder zurück, um sicherzustellen, dass Zement- und Mehlfabriken zum Nutzen reicher Haitianer und ausländischer Investoren privatisiert werden, während die Förderung des Gesundheits- und Bildungswesens behindert wird. Die Agrarwirtschaft erhält kräftige Subventionen, aber die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die mitsamt ihren Aushilfskräften das Einkommen der überwiegenden Bevölkerungsmehrheit sichert, wird nicht unterstützt. Fabriken im ausländischen Besitz, in denen Arbeiter (zumeist Frauen) unter entwürdigenden Bedingungen zu Niedrigstlöhnen produzieren, profitieren von staatlich subventionierter Elektrizität.

Aber für die in Armut lebende Bevölkerungsmehrheit gibt es natürlich keine Subventionen für Strom, Brennstoff, Wasser oder Lebensmittel, denn das liefe den Regelungen des Internationalen Währungsfonds zufolge auf »Preiskontrolle« hinaus und ist mithin verboten.

Vor der »Wirtschaftsreform« deckte die haitianische Reisproduktion den einheimischen Markt vollständig ab und war auf vielfältige Weise mit anderen Wirtschaftszweigen verbunden. Dank der einseitigen »Liberalisierung« ist die Produktion um 50 Prozent zurückgegangen, was sich natürlich auch auf die übrige Wirtschaft negativ auswirkt. Zur »Reform« gehört nämlich auch die Aufhebung von Einfuhrzöllen gemäß den strikten Grundsätzen der Wirtschaftswissenschaft. Verwunderlich nur, dass die US-Agrarwirtschaft davon ausgenommen bleibt, vielmehr weiterhin umfangreiche Subventionen kassiert, die unter Reagan derart großzügig flossen, dass sie 1987 40 Prozent des Bruttoeinkommens der Pflanzer und Züchter ausmachten. Die Folgen sind leicht abzuschätzen: Ein USAID-Bericht von 1995 bemerkt, dass die von Washington vorgeschriebene »exportorientierte Handels- und Investmentpolitik ... den einheimischen Reisanbauern das Wasser abgräbt«, so dass sie schließlich, gemäß der Theorie rationaler Erwartung, gezwungen sind, sich zum Wohl und Nutzen von US-Investoren dem Exportgeschäft zuzuwenden.

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Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

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