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Militärische Intervention und Bürgerkriege
Der Sieger erzählt die Geschichte auf seine Weise. In Lakoffs Untersuchung finden sich noch ein paar Hinweise auf »militärische Intervention« und »Bürgerkriege«, bei denen äußere Faktoren jedoch keine Rolle gespielt zu haben scheinen. Diese Methode des Umgangs mit historischen Tatsachen ist keineswegs unüblich und wird besonders deutlich, wenn Lakoff die Vorgänge in Nicaragua beschreibt: »Nach dem Ende des Bürgerkriegs kam es zu einer demokratischen Wahl, und jetzt wird der schwierige Versuch unternommen, eine Gesellschaft zu schaffen, die politisch und wirtschaftlich wieder auf eigenen Füßen stehen kann.« In Wirklichkeit verstärkten die USA ihre Angriffe auf Nicaragua nach den ersten demokratischen Wahlen, die das Land erlebte.
Diese 1984 durchgeführten Wahlen wurden von zahlreichen ausländischen Delegationen überwacht, zu denen u. a. der Lateinamerikanische Gelehrtenverband LASA, Parlamentsdelegationen aus Irland und Großbritannien und eine den Sandinisten gegenüber höchst feindselig eingestellte Regierungsdelegation aus den Niederlanden gehörten. Alle kamen zu dem Schluss, dass die Wahlen einwandfrei verlaufen seien, und sogar Jose Figueres aus Costa Rica, einer der führenden Demokraten Mittelamerikas und ein höchst kritischer Beobachter, hielt die Wahlergebnisse in diesem »besetzten Land« für legitim und forderte die Vereinigten Staaten auf, die Sandinisten »das vollenden zu lassen, was sie friedlich begonnen haben; sie verdienen es«. Die USA dagegen versuchten die Durchführung der Wahlen zu verhindern, weil sie befürchteten, dass ein erfolgreicher Verlauf sie zum Abbruch ihrer Terroraktionen zwingen könnte. Aber diese Sorge war unbegründet, weil die einheimischen Medien das Spiel der Regierung mitmachten, auf kritische Berichterstattung verzichteten und die propagandistische Behauptung vom Wahlbetrug ohne weiteres übernahmen.
Als der nächste Wahltermin heranrückte, machten die Vereinigten Staaten hinreichend deutlich, dass die Ergebnisse diesmal ihren Erwartungen gemäß ausfallen müssten, weil die Nicaraguaner anderenfalls den illegalen Wirtschaftskrieg und die »unrechtmäßige Anwendung von Gewalt« weiterhin erdulden müssten. Zwar hatte der Internationale Gerichtshof «diesen Krieg verurteilt und seine Beendigung gefordert, aber natürlich tauben
Ohren gepredigt. Immerhin war das Wahlergebnis dann - für die USA, versteht sich - akzeptabel und wurde mit einem höchst vielsagenden Überschwang begrüßt.
In den Randbezirken der kritischen Unabhängigkeit ließ sich der New York Times-Kolumnist Anthony Lewis von der Bewunderung für Washingtons »Experiment in Sachen Frieden und Demokratie« zu der Bemerkung hinreißen: »Wir leben in einem romantischen Zeitalter.« Mit welchen Methoden das Experiment durchgeführt wurde, war dabei kein Geheimnis. Das Magazin Time, ebenfalls in Feierstimmung angesichts des »Ausbruchs der Demokratie« in Nicaragua, nannte sie beim Namen: Es sei darum gegangen, »die Wirtschaft zu zerschlagen und einen langen und tödlichen Stellvertreterkrieg zu führen, bis die erschöpften Einwohner die ungeliebte Regierung von sich aus stürzen«. Dabei bleiben unsere eigenen Kosten »minimal«, während das Opfer »mit gesprengten Brücken, zerstörten Kraftwerken und ruinierten Bauernhöfen« zurückbleibt, Washingtons Kandidat bei den Wahlen gute Erfolgsaussichten hat und die »Verarmung des nicaraguanischen Volkes« ein Ende findet.
Der fortwährende Terrorkrieg bleibt dabei am besten unerwähnt. Für die nicaraguanische Bevölkerung waren die Kosten natürlich alles andere als »minimal«: Carothers bemerkt, dass die Verluste an Menschenleben, »pro Kopf gerechnet, bedeutend höher waren als die Anzahl der im amerikanischen Bürgerkrieg und in allen Kriegen des 20. Jahrhunderts insgesamt getöteten US-Amerikaner«. Das Ergebnis war ein »Sieg für das
amerikanische Fairplay«, der die Amerikaner - gewissermaßen à la Nordkorea - »in Freude vereint«, wie eine Schlagzeile der New York Times begeistert mitteilt.
Die Methoden dieses »romantischen Zeitalters« und die entsprechenden Reaktionen aufgeklärter Kreise sagen uns nicht nur einiges über die siegreichen demokratischen Prinzipien, sondern verdeutlichen auch, warum es so schwierig ist, in Nicaragua »eine Gesellschaft zu schaffen, die wirtschaftlich und politisch wieder auf eigenen Beinen stehen kann«. Natürlich gibt es jetzt Fortschritte, von denen vor allem eine privilegierte Minderheit profitiert,
während die Mehrzahl der Nicaraguaner sozial und wirtschaftlich vor dem Nichts steht - ein schon vom Kolonialismus her vertrautes Muster.
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