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James Madison
scharfsinniger politischer Denker
Außerdem war der Chefplaner ein scharfsinniger politischer Denker: James Madison, der sich mit seinen Ansichten weitgehend durchsetzen konnte. In den Verfassungsdebatten gab Madison zu bedenken, dass ein allgemeines Wahlrecht in England das Eigentum der Grundbesitzer gefährden könnte. Schon bald würde es ein Agrargesetz geben, das den Besitzlosen zu Land verhilft. Das Verfassungssystem muss eine derartige Ungerechtigkeit verhindern und »die dauerhaften Interessen der Nation sichern«, d. h. die Eigentumsrechte.
Die Madison-Forscher sind sich darüber einig, dass »die Verfassung im Kern ein aristokratisches Dokument war, das den demokratischen Tendenzen der damaligen Zeit Paroli bieten sollte«, indem es nur denen Machtausübung zugestand, die wohlhabend oder aus gutem Hause oder prominente politische Entscheidungsträger waren (Lance Banning). Die erstrangige Pflicht der Regierung sei es, so erklärte Madison, »die Minderheit der Wohlhabenden gegen die Mehrheit zu schützen«. Das ist bis heute das Leitmotiv des demokratischen Systems geblieben.
In der öffentlichen Diskussion sprach Madison ganz allgemein von Minderheiten und ihren Rechten, aber es ist klar, dass er eine besondere Minderheit im Auge hatte: »die Minderheit der Wohlhabenden«. Die moderne politische Theorie unterstützt Madisons Forderung, dass »eine freie und gerechte Regierung die Rechte des Eigentums und der Person wirksam schützen solle«. Aber auch hier ist es von Nutzen, sich diese Formulierung genauer anzusehen. Es gibt kein Recht des Eigentums, sondern nur auf Eigentum, d.h. Rechte von Personen, die Eigentum besitzen. Vielleicht habe ich ein Recht auf mein Auto, aber mein Auto hat keine Rechte. Das Recht auf Eigentum unterscheidet sich von anderen Rechten auch darin, dass der Besitz einer Person eine andere Person des Rechts auf diesen Besitz beraubt: Wenn mein Wagen mir gehört, dann nicht dir, wohingegen in einer freien und gerechten Gesellschaft meine Redefreiheit deine nicht einschränken würde. Madisons Grundsatz läuft also darauf hinaus, dass die Regierung ganz allgemein die Rechte von Personen schützen und zugleich den Rechten einer bestimmten Klasse von Personen, den Eigentümern, zusätzliche Garantien verschaffen muss.
Madison sah voraus, dass die demokratische Bedrohung durch den wachsenden Anteil derer, »die unter härtesten Bedingungen arbeiten müssen und heimlich eine gerechtere Verteilung der Früchte ihrer Arbeit erflehen«, zunehmen würde. Sie könnten an Einfluss gewinnen, fürchtete er. Besorgt beobachtete er die »Symptome eines Geistes der Gleichmacherei« und warnte vor der »zukünftigen Gefahr« eines Wahlrechts, das auch denjenigen »Macht über Eigentum verschafft, die keines besitzen«, denn »wer weder Eigentum noch die Hoffnung auf seinen Erwerb hat, kann nicht mit dem Recht auf Eigentum sympathisieren«. Folglich sollte die politische Macht in den Händen derer bleiben, »die dem Reichtum der Nation entstammen und ihn repräsentieren«, die »fähigeren Menschen«, während die Öffentlichkeit insgesamt fragmentiert und desorganisiert bleibt.
Natürlich spukt der »Geist der Gleichmacherei« auch im Ausland herum. Wir können sehr viel über die »real existierende Demokratietheorie« lernen, wenn wir uns anschauen, wie dies Problem gerade in Geheimdokumenten, in denen Politiker sich unverhohlener äußern können, behandelt wird. Ein wichtiges Beispiel ist Brasilien, der »Koloss des Südens«. Als Präsident Eisenhower 1960 das Land besuchte, versicherte er: »Unser sozial verantwortliches System privaten Unternehmertums nützt allen Menschen, den Besitzern wie auch den Arbeitern ... In der
Freiheit kann der brasilianische Arbeiter sorglos zeigen, wie freudvoll das Leben in einem demokratischen System ist.« Der Botschafter fügte hinzu, der US-amerikanische Einfluss habe zum »Zusammenbruch der alten Ordnung in Südamerika« geführt. Das sei durch so revolutionäre Ideen wie »allgemeine Schulpflicht, Gleichheit vor dem Gesetz, eine relativ klassenlose Gesellschaft, ein verantwortliches demokratisches Regierungssystem, freier
unternehmerischer Wettbewerb [und] ein märchenhafter Lebensstandard für die Massen« bewirkt worden. Aber die Brasilianer reagierten ablehnend auf die frohen Botschaften ihres Lehrmeisters aus dem Norden.
Die lateinamerikanischen Eliten, so informierte Außenminister John Foster Dulles den Nationalen Sicherheitsrat, seien »wie Kinder« und »kaum in der Lage, sich selbst zu regieren«. Schlimmer noch sei, dass die Vereinigten Staaten »bei der Entwicklung von Möglichkeiten, das Bewusstsein und die Gefühle ungebildeter Menschen zu kontrollieren, gegenüber der Sowjetunion hoffnungslos ins Hintertreffen geraten ist«.
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