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US-amerikanische Investoren profitierten
Die Experimente wurden »in bester Absicht« durchgeführt. US-amerikanische Investoren profitierten davon, und die Planungsstrategen »glaubten ernsthaft«, auch das brasilianische Volk werde seinen Nutzen daraus ziehen.
Ich muss nicht beschreiben, welcher Nutzen hier gemeint ist, als Brasilien, mit den Worten der Wirtschaftspresse, »zum lateinamerikanischen Liebling der internationalen Geschäftswelt« wurde, während die Weltbank berichtete, zwei Drittel der Bevölkerung hätten nicht genug zu essen, um normale körperliche Tätigkeiten verrichten zu können.
In seinem 1989 veröffentlichten Buch beschreibt Haines »Amerikas Brasilienpolitik« als »überaus erfolgreich«, es sei »eine wirkliche amerikanische Erfolgsgeschichte«. In den Augen der Geschäftswelt war 1989 das »goldene Jahr«, mit einer Verdreifachung der Profite gegenüber dem Vorjahr, während die Industrielöhne, die bereits zu den niedrigsten der Welt gehörten, noch einmal um 20 Prozent fielen.
Der UN-Bericht zur Entwicklung der Menschheit rückte Brasilien in die Nähe von Albanien. Als die Katastrophe auch den Reichen Nachteile brachte, wurden die »fest auf den Kapitalismus gegründeten modernen wissenschaftlichen Entwicklungsmethoden« urplötzlich zu Beweisen für die Übel des Etatismus und Sozialismus - ein weiterer Beweis für die Flexibilität von Marktideologien.
Um die Errungenschaften würdigen zu können, muss man daran erinnern, dass Brasilien lange als eines der reichsten Länder der Erde galt und enorme Vorzüge besaß, zu denen auch ein halbes Jahrhundert US-amerikanischer Vorherrschaft und Bevormundung gehörten - alles in bester Absicht und im Dienst des Eigeninteresses, während die Bevölkerungsmehrheit im Elend verharrte.
Ein anderes Beispiel ist Mexiko. Es wurde als Musterschüler gepriesen, der die Regeln des »Konsenses von Washington« beherzige und ein Modellfall für andere Länder sei - als die Löhne in den Keller fielen, die Armut fast so schnell wuchs wie die Zahl der Milliardäre, Auslandskapital ins Land strömte (das zumeist spekulativer Natur war oder zur Ausbeutung billiger Arbeitskraft unter Kontrolle der brutalen »Demokratie« diente) und all die
anderen vertrauten Begleiterscheinungen auftraten, die man von solchen »Wirtschaftswundern« her kennt.
Vertraut mutet auch der Ausgang des Experiments an: der Zusammensturz des Kartenhauses im Dezember 1994. Zu den Folgen gehört, dass heute 50 Prozent der Bevölkerung nicht in der Lage sind, sich mit dem notwendigen Minimum an Lebensmitteln zu versorgen, während der Mann, der den Getreidemarkt beherrscht, weiterhin auf der Liste von Mexikos Milliardären steht, immerhin eine Kategorie, in der das Land einen der vorderen Plätze einnimmt.
Veränderungen in der globalen Weltordnung haben es auch möglich gemacht, eine Version des »Konsenses von Washington« im eigenen Land anzuwenden. Für den größten Teil der Nordamerikaner sind die Einkommen seit 15 Jahren ständig gefallen, die Arbeitsbedingungen schlechter, gesicherte Arbeitsplätze seltener geworden. Neu ist jedoch, dass sich diese Tendenz in der wirtschaftlichen Erholungsphase fortsetzt. Die Ungleichheit ist
so stark wie seit 70 Jahren nicht mehr und einschneidender als in anderen Industrienationen.
Keine Industriegesellschaft hat so viele in Armut lebende Kinder wie die USA, gefolgt von der übrigen englischsprechenden Welt. So ließe sich der ganze Katalog mit den Gebrechen der Dritten Welt anführen. Unterdessen singt die Wirtschaftspresse Lobeshymnen auf das »erstaunliche«, ja »schier unbegreifliche« Wachstum der Profite.
Immerhin haben auch die Reichen ihre Probleme: Eine Schlagzeile in der Business Week wirft die berechtigte Frage auf: »Das akute Problem: Wohin mit dem ganzen Kleingeld?«. Denn die »steigenden Profite« lassen »die Tresore der amerikanischen Konzerne überfließen« und die Dividenden explodieren.
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