Durchsetzung von Ordnung in einem fremden Land Neo-Kolonialismus
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Durchsetzung von Ordnung in einem fremden Land
Neo-Kolonialismus


Hutcheson ging es um die Kontrolle der einheimischen Plebs, Giddings um die Durchsetzung von Ordnung in einem fremden Land. Er schrieb über die Philippinen, die gegen Ende des 19. Jahrhunderts von der US-Armee befreit wurden, wobei die Soldaten auch einige hunderttausend Seelen von der Mühsal des Lebens befreiten oder, wie die Presse schrieb, »die Eingeborenen auf englische Weise abschlachteten«, damit diese »fehlgeleiteten Kreaturen«, die uns Widerstand leisteten, wenigstens »unsere Waffen respektieren«, um später zu erkennen, dass wir ihnen »Glück« und »Freiheit« bringen wollten. Um dies auf zivilisierte Weise zu rechtfertigen, sprach Giddings von einem »Konsens ohne Zustimmung«: »Wenn [die Eroberten] in späteren Jahren einsehen und zugeben, dass die umstrittene Maßnahme dem höchsten Interesse diente, kann man vernünftigerweise davon ausgehen, dass die Herrschaft mit Zustimmung der Regierten durchgesetzt wurde.« Ähnlich verhalten sich Eltern, die ihr Kind davor bewahren, einfach auf die Straße zu laufen.

Diese Erläuterungen zeigen die eigentliche Bedeutung der Lehre von der »Zustimmung seitens der Regierten«. Sie müssen sich ihren Herrschern unterwerfen, und dafür reicht es aus, dass sie zustimmen, ohne einzuwilligen. In Diktaturen und im Ausland kann Gewalt angewendet werden, ansonsten muss die Zustimmung seitens der Regierten durch das erlangt werden, was liberale und fortschrittliche Kreise »Herstellung von Konsens« (manufacture of consent) nennen.

Seit ihrer Entstehung zu Beginn des 20. Jahrhunderts hat sich eine gigantische PR-Industrie der, wie Wirtschaftsführer es nennen, »Kontrolle des öffentlichen Bewusstseins« verschrieben. Dass diese Industrie ihre Wurzeln und Zentren in dem »freiesten« Land der Welt hat, war, wenn man Humes Maxime richtig verstand, zu erwarten.

Noch zu Lebzeiten Humes begann der Funke des Aufruhrs in den nordamerikanischen Kolonien zu glimmen. Die Founding Fathers reagierten ganz ähnlich wie seinerzeit die »hervorragenden Männer« in England: »Unter der Öffentlichkeit verstehe ich nur den vernünftigen Teil derselben«, schrieb einer von ihnen. »Die Unwissenden und Niedrigen verstehen nicht, was Regieren heißt, und sind unfähig, die Zügel in die Hand zu nehmen.«

Das Volk ist »eine große Bestie«, die man zähmen muss, erklärte Alexander Hamilton. Aufrührerischen und unabhängigen Farmern musste, bisweilen gewaltsam, beigebracht werden, dass die Ideale der revolutionären Flugschriften nicht zu ernst genommen werden durften. Die gewöhnlichen Leute sollten nicht durch Menschen ihresgleichen, sondern durch Grundbesitzer, Kaufleute, Anwälte und andere »Führungspersönlichkeiten« vertreten werden, die die entsprechenden Privilegien schon verteidigen würden.

John Jay, Präsident des 2. Kontinentalkongresses und der erste Oberste Richter der USA, formulierte die herrschende Lehre klar und deutlich: »Die Menschen, denen das Land gehört, sollten es auch regieren.« Bleibt nur zu fragen: Wem gehört das Land? Die Frage wurde durch den Aufstieg von Privatkonzernen und der für ihren Schutz und ihre Unterstützung notwendigen Strukturen beantwortet, obwohl es nach wie vor schwierig ist, die Öffentlichkeit auf die Rolle des Zuschauers zu beschränken.

Wenn wir die gegenwärtige und zukünftige Welt verstehen wollen, sind die Vereinigten Staaten sicher das wichtigste Untersuchungsobjekt. Ein Grund liegt in ihrer unvergleichbaren Macht, ein anderer in den stabilen demokratischen Institutionen. Zudem waren die nordamerikanischen Kolonien ein nahezu unbeschriebenes Blatt.

Amerika kann »sich glücklich schätzen«, schrieb Thomas Paine 1776, »es ist ein weißes Blatt Papier.« Die Eingeborenen wurden zum größten Teil ausgerottet. Ferner gab es nur kärgliche Restbestände europäischer Sozialstrukturen, weshalb die Idee eines gesamtgesellschaftlichen Zusammenhalts mit entsprechenden Fürsorgesystemen, die oft aus vorkapitalistischen Institutionen erwuchsen, nur schwach entwickelt war. Und die sozialpolitische Ordnung wurde in einem ungewöhnlichen Ausmaß geplant. Das Studium der Geschichte lässt die Konstruktion von Experimenten nicht zu, aber die Vereinigten Staaten kommen dem »Idealtyp« einer staatskapitalistischen Demokratie denkbar nahe.

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Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

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