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Die Reichen sollten die Armen ausplündern
Dulles und Eisenhower äußerten sich besorgt über die Fähigkeit der Kommunisten, »Massenbewegungen zu kontrollieren ... der wir nichts entgegenzusetzen haben«. Die Kommunisten »appellieren an die Armen, die immer schon den Wunsch hatten, die Reichen auszuplündern«.
Mit anderen Worten, es ist nicht leicht, Menschen davon zu überzeugen, dass die Reichen die Armen ausplündern sollten; ein PR-Problem, das bis jetzt noch nicht gelöst wurde.
Die Regierung Kennedy widmete sich der Frage, indem sie den Auftrag des lateinamerikanischen Militärs von der »Verteidigung der Hemisphäre« auf die »innere Sicherheit« verschob; eine Entscheidung mit weitreichenden Folgen, deren erste der brutale und mörderische Militärputsch in Brasilien war. Für Washington war das Militär eine »Insel geistiger Gesundheit«, und Kennedys Botschafter, Lincoln Gordon, begrüßte den Putsch als »demokratische Rebellion« und den »entscheidendsten Sieg der Freiheit in der Mitte des 20. Jahrhunderts«. Als früherer Harvard-Ökonom fügte Gordon hinzu, dass dieser »Sieg der Freiheit« - der gewaltsame Sturz der parlamentarischen Demokratie - »das Klima für Privatinvestitionen entscheidend verbessern« werde. Diese Sätze verdeutlichen die tieferliegende Funktion der Begriffe »Freiheit« und »Demokratie«.
Zwei Jahre später informierte Verteidigungsminister Robert McNamara die Verbündeten, dass »die US-amerikanische Politik gegenüber dem lateinamerikanischen Militär ihre Ziele im großen und ganzen erreicht« habe. Die Fähigkeit zur Bewahrung der »inneren Sicherheit« sei verbessert worden und der »militärische Einfluss der Vereinigten Staaten« genieße eine Vorrangstellung. Die von der Regierung Kennedy geleistete Militärhilfe habe dazu geführt, dass das lateinamerikanische Militär seine Aufgaben kenne und über die notwendige Ausrüstung verfüge, um ihnen nachzukommen. Zu diesen Aufgaben gehört es, zivile Regierungen zu stürzen, »wenn das Militär der Überzeugung ist, dass das Verhalten der politischen Führung dem Wohl der Nation Schaden zufügt«. Die »kulturelle Atmosphäre Lateinamerikas« mache, wie die Kennedy-Intellektuellen erklärten, solche Militäraktionen notwendig. Und wir können darauf setzen, dass sie fachgerecht ausgeführt werden, da das Militär mittlerweile die »US-amerikanischen Zielvorstellungen verstanden hat und sich an ihnen orientiert«.
Damit ist gewährleistet, dass der »revolutionäre Kampf um Macht zwischen jenen Großgruppen, die [in Lateinamerika] die augenblickliche Klassenstruktur repräsentieren«, zu einem befriedigenden Ergebnis führt, nämlich zum Schutz der »privaten US-amerikanischen Handelsinvestitionen«, der »ökonomischen Wurzel« des »US-amerikanischen politischen Interesses in Lateinamerika«.
Dies sind geheime Dokumente des Kennedy-Liberalismus. In der Öffentlichkeit hört sich das alles natürlich ganz anders an. Wenn wir uns an die offiziellen Verlautbarungen halten, werden wir die wahre Bedeutung von »Demokratie« ebensowenig begreifen wie die globale Ordnung der letzten Jahre oder der Zukunft, denn es ist immer noch dieselbe Hand, die die Zügel hält.
Die seriöse Forschung ist sich über die Tatsachen und Hintergründe im klaren. Lars Schoultz, einer der führenden lateinamerikanischen Gelehrten, erörtert in einem aufschlussreichen Buch die von den USA installierten und unterstützten Staaten der »nationalen Sicherheit«. Ihr Ziel, so schreibt er, bestand darin, »eine angenommene Bedrohung der gegebenen Struktur sozialökonomischer Privilegien dauerhaft zu zerstören, indem der
numerischen Mehrheit die politische Partizipation unmöglich gemacht wurde«. Diese Ziele sollen auch in der eigenen Gesellschaft durchgesetzt werden, wenngleich mit anderen Mitteln.
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