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Der Plan, Castro zu stürzen
Betrachten wir noch einige weitere historische Tatsachen. Der Plan, Castro zu stürzen, geht nicht, wie Eizenstat behauptet, auf die Regierung Kennedy, sondern auf deren Vorgängerin zurück; die formelle Entscheidung, auf Kuba ein Regime zu installieren, das »den wahren Interessen des kubanischen Volkes eher entspricht und für die Vereinigten Staaten akzeptabler ist«, wurde im März 1960 in einer geheimen Sitzung gefasst und enthielt den Zusatz, dass die
Operation, schon wegen der zu erwartenden Reaktion der lateinamerikanischen Länder, »jeglichen Hinweis auf eine US-amerikanische Intervention« vermeiden müsse. Zu der Zeit war Kuba, anders als Schlesinger behauptet, weder der »Störenfried der Hemisphäre«, noch gab es »Beziehungen zur Sowjetunion«.
Auch der Regierung Kennedy war bewusst, dass ihre Bestrebungen gegen das internationale Recht und gegen die Charta der Vereinten Nationen und der OAS verstießen, aber derlei Probleme wurden, wie freigegebene Geheimdokumente zeigen, nicht weiter berücksichtigt.
Da Washington die »wahren Interessen des kubanischen Volkes« wahrnahm, mussten sich die Planungsstäbe der Regierung auch nicht um demoskopische Untersuchungen kümmern, denen zufolge die kubanische Bevölkerung Castro unterstützte und optimistisch in die Zukunft blickte. Das gilt auch heute noch: Die Regierung Clinton dient den wahren Interessen der Kubaner, indem sie ihnen Hunger und Armut aufzwingt.
Was die Kubaner denken, interessiert nicht weiter. Im Dezember 1994 kam eine Tochtergesellschaft des Gallup-Instituts bei Umfragen in der kubanischen Bevölkerung zu dem Ergebnis, dass 50 Prozent das Embargo für »die Hauptursache der kubanischen Probleme« halten, während drei Prozent in der politischen Situation »Kubas größtes derzeitiges Problem« sehen. Für 77 Prozent sind die Vereinigten Staaten der »schlimmste Freund« [sic]
Kubas (kein anderes Land erreichte auch nur 3 Prozent); zwei Drittel der Bevölkerung meinen, die Revolution habe mehr Errungenschaften als Fehlschläge zu verzeichnen, wobei der »Hauptfehler« in der »Abhängigkeit von sozialistischen Staaten wie Russland, die uns verraten haben«, lag. 50 Prozent der Bevölkerung beschreiben ihre Einstellung als »revolutionär«, weitere 20 Prozent geben an, sie seien »Kommunisten« oder
»Sozialisten«. Aber warum sollte sich Washington darum kümmern, was die Bevölkerung im Ausland (geschweige denn im Inland) denkt?
Wer sich in der Geschichte auskennt, wird sich vielleicht daran erinnern, dass die US-amerikanische Kuba-Politik tatsächlich schon in den zwanziger Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Anfang nahm. Zunächst verhinderte die britische Vorherrschaft in der Region den Zugriff auf die Insel, die für den amerikanischen Außenminister John Quincy Adams ein »Objekt von überragender Bedeutung für die wirtschaftlichen und politischen Interessen unserer Union«
darstellte. Zugleich empfahl er, geduldig zu warten, bis Kuba durch die »Gesetze der politischen ... Schwerkraft« den Vereinigten Staaten in die Hände fallen werde. Er sollte recht behalten: Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten sich die Machtverhältnisse soweit geändert, dass die USA die Insel (von der Bevölkerung) befreien konnte, um sie dann in eine Großplantage und einen Tummelplatz für Gangstersyndikate und Touristen zu verwandeln.
Diese historischen Zusammenhänge lassen erkennen, warum die Vereinigten Staaten auf geradezu hysterische Weise versuchen, die Herrschaft über die Insel zurückzugewinnen. So beschreibt ehester Bowles die »fast wildwütige« Atmosphäre der ersten Kabinettssitzung nach der fehlgeschlagenen Invasion in der Schweinebucht, das »nahezu rasende Verlangen nach einem Aktionsprogramm«, das sich auch in Kennedys öffentlichen Erklärungen niederschlug. Die Vereinigten Staaten, forderte er, müssten unverzüglich handeln, um nicht Gefahr zu laufen, »auf dem Kehrichthaufen der Geschichte zu landen«. Dieser Fanatismus kennzeichnet auch Clintons Initiativen gegen die Lieferung von Lebensmitteln und Medikamenten.
Nachdem im Oktober 1992 das »Gesetz zur kubanischen Demokratie« (Cuban Democracy Act, CDA) verabschiedet worden war, »fiel die Anzahl der Gesellschaften, die US-amerikanische Lizenzen zum Verkauf [von Arzneimitteln] an Kuba erhielten, auf unter vier Prozent« des vorherigen Niveaus, berichtet die führende britische Fachzeitschrift für Medizin.
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