Bewusstsein der Öffentlichkeit kontrollieren New-Deal
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Bewusstsein der Öffentlichkeit kontrollieren


Wie wichtig es ist, »das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu kontrollieren«, wurde in dem Maße deutlich, wie es demokratischen Kräften gelang, die Spielregeln der Demokratie zu erweitern. In diesem Fall, das heißt, wenn ansonsten passive und apathische Bevölkerungsgruppen sich organisieren und ihre Interessen und Forderungen auf der politischen Ebene durchsetzen wollen, sprechen liberale Eliten gern von einer Stabilität und Ordnung gefährdenden »Krise der Demokratie«. Bernays sah die Ursache im »allgemeinen Wahlrecht und der Schulpflicht ... zuletzt hatte sogar das Bürgertum Angst vor dem gemeinen Volk.

Denn die Massen standen davor, zum Herrscher aufzusteigen«, eine Tendenz, der - so hoffte man - durch neue Methoden, »das Bewusstsein der Massen zu formen«, Einhalt geboten werden konnte.

Bernays, ein guter Liberaler der New-Deal-Ära, hatte seine Fähigkeiten in Woodrow Wilsons Committee on Public Information, der ersten US-amerikanischen staatlichen Propagandaagentur, entwickelt. »Der erstaunliche Erfolg der Kriegspropaganda hatte den wenigen Intelligenten, die es in allen Lebensbereichen gibt, gezeigt, welche Möglichkeiten sie besaßen, das Bewusstsein der Öffentlichkeit zu dirigieren«, erklärte Bernays in seinem Handbuch. Die wenigen Intelligenten waren sich vielleicht der Tatsache nicht bewusst, dass ihr »erstaunlicher Erfolg« nicht zuletzt auf der Greuelpropaganda über deutsche Grausamkeiten beruhte, die ihnen vom britischen Informationsministerium zugespielt worden war, einer Institution, die ihre Aufgabe insgeheim als »Beeinflussung des Denkens überall in der Welt« definierte.

All dies ist in der politischen Theorie als »Wilson-Idealismus« bekannt. Für Wilson bedurfte es einer Elite mit »höheren Idealen«, um »Stabilität und Rechtschaffenheit« zu gewährleisten. Auch Walter Lippmann, einer der renommiertesten Journalisten der USA und berühmt für seine Kommentare zum politischen Zeitgeschehen, hatte anfänglich in Wilsons Propagandakomitee gearbeitet. Entscheidungsprozesse müssen, so Lippmann in seinen einflussreichen Essays zur Demokratie, von der intelligenten Minderheit »verantwortungsbewusster Personen« kontrolliert werden, d. h. von einer spezialisierten Klasse«, die die politischen Rahmenbedindungen absteckt und für die »Herausbildung einer gesunden öffentlichen Meinung« sorgt, ohne von der allgemeinen Öffentlichkeit, die aus »unwissenden und zudringlichen Außenseitern« besteht, belästigt zu werden.

Führungskräfte müssen (um die Terminologie der Weltbank zu benutzen) die Möglichkeit haben, in »technokratischer Isolation« zu arbeiten.

In der Encyclopaedia of the Social Sciences weist Harold Lasswell, einer der Begründer der modernen Politologie, darauf hin, dass die wenigen Intelligenten die »Ignoranz und Dummheit der Massen« erkennen müssen und nicht dem »demokratischen Dogma, dass die Menschen ihre eigenen Interessen am besten selbst beurteilen können«, verfallen dürfen. Die Kontrolle der Massen geschieht zu ihrem eigenen Besten (das wir viel besser kennen als sie selbst), und in demokratischen Gesellschaften, wo Gewaltanwendung tabu ist, müssen die wenigen Intelligenten »eine ganz neue, hauptsächlich durch Propaganda vermittelte Technik der Kontrolle« anwenden.

Das ist Leninismus in Reinform, wie überhaupt die Ähnlichkeit zwischen der modernen Demokratietheorie und dem Marxismus-Leninismus augenfällig ist. Bakunin hatte das schon im 19. Jahrhundert vorausgeahnt. Wenn wir den Begriff »Konsens« richtig verstehen, sehen wir, dass die Durchsetzung der Wirtschaftsinteressen gegen die Einwände der Öffentlichkeit dem Grundsatz »Konsens ohne Zustimmung« gehorcht.

Genau das geschieht in den Vereinigten Staaten. Zwischen den Präferenzen der Öffentlichkeit und der jeweils betriebenen Politik klafft oft genug ein Abgrund, der in den letzten Jahren sehr tief geworden ist. Einige Zahlen können Licht auf die Funktionsweise des demokratischen Systems werfen.

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Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

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