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Außenpolitische Geheimpläne
Europa Afrika ausbeuten
Die außenpolitischen Geheimpläne, die nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs entworfen wurden, wiesen jedem Teil der Welt seine besondere Rolle zu. So bestand die »Hauptaufgabe« Südostasiens darin, Rohstoffe für die Industriemächte zu liefern. Europa sollte Afrika »ausbeuten«, um die Kriegsfolgen zu überwinden. Und so weiter, Erdteil für Erdteil.
Im Hinblick auf Lateinamerika verfolgte Washington das Ziel, die Monroe-Doktrin durchzusetzen, aber auch hier wieder in einem besonderen Sinn. Präsident Wilson, berühmt wegen seines Idealismus und seiner hohen moralischen Prinzipien, gestand insgeheim ein, dass »die Vereinigten Staaten mit dem Eintreten für die Monroe-Doktrin ihre eigenen Interessen im Auge haben«.
Die Interessen der lateinamerikanischen Länder sind lediglich »Nebensache«, berühren uns nicht weiter. Wilson gab zu, dass dies »einzig auf Eigennutz zu beruhen scheint«, hielt aber daran fest, dass die Doktrin »keinen höheren oder edleren Beweggrund« besitze.
Die Vereinigten Staaten vertrieben ihre traditionellen Konkurrenten, England und Frankreich, und errichteten ein unter ihrer Kontrolle stehendes regionales Bündnis, das aus dem Weltsystem, in dem solche Übereinkünfte verboten waren, ausgegliedert wurde.
Die Lateinamerika zugewiesenen »Funktionen« wurden auf einer im Februar 1945 abgehaltenen gesamtamerikanischen Konferenz verdeutlicht. Washington schlug damals eine »Wirtschaftscharta für Gesamtamerika« vor, die den ökonomischen Nationalismus »in jeglicher Form« beseitigen sollte. Die US-amerikanischen Planungsstrategen wussten, dass es nicht einfach sein würde, dieses Prinzip durchzusetzen. Unterlagen des Außenministeriums weisen darauf hin, dass lateinamerikanische Länder »politische Maßnahmen [bevorzugen], die auf eine breitere Streuung des Reichtums und die Anhebung des Lebensstandards der Massen« ausgerichtet sind.
Zudem sind diese Länder der Überzeugung, »dass der hauptsächliche Nutznießer der Ressourcenentwicklung eines Landes die jeweilige Bevölkerung sein sollte«. Solche Vorstellungen sind natürlich unannehmbar: Die »hauptsächlichen Nutznießer« der Ressourcen sind US-Investoren, während Lateinamerika seiner dienenden Funktion ohne eine die Interessen der USA verletzende unvernünftige Rücksichtnahme auf allgemeinen Wohlstand oder »übertriebene industrielle Entwicklung« nachzukommen hat.
Die Position der Vereinigten Staaten setzte sich durch; allerdings gab es in der Folgezeit Probleme, über deren spezifische Behandlungsweise ich hier nichts weiter sagen muss. Als Europa und Japan sich von den kriegsbedingten Verwüstungen zu erholen begannen, verschob sich die Weltordnung in Richtung auf eine dreipolige Struktur.
Immer noch spielen die USA die Hauptrolle, auch wenn neue Herausforderungen am Horizont auftauchen, wie etwa konkurrierende Wirtschaftsbestrebungen europäischer und ostasiatischer Länder in Südamerika. Die einschneidendsten Veränderungen fanden vor 25 Jahren statt, als die Regierung Nixon das Weltwirtschaftssystem der Nachkriegszeit demontierte. Die USA spielten darin de facto die Rolle des Weltbankiers, was sich nun nicht länger aufrechterhalten
ließ. Diese einseitige Maßnahme führte zu einer gigantischen Explosion unregulierter Kapitalströme.
Noch augenfälliger ist die Verschiebung in der Zusammensetzung des Kapitals. 1971 bezogen sich 90 Prozent der internationalen Finanzgeschäfte auf reales Kapital - Handel oder langfristige Investitionen - und 10 Prozent auf spekulatives Kapital. 1990 hatte sich das Verhältnis ins Gegenteil verkehrt, und 1995 sind etwa 95 Prozent der sehr viel größeren Summen spekulativ, wobei an jedem Tag die Summe des hin- und zurückfließenden Kapitals sich auf mehr als eine Billion Dollar beläuft und damit die gesamten Fremdwährungsreserven der sieben führenden Industriemächte übersteigt.
Prominente Wirtschaftswissenschaftler wiesen schon vor 20 Jahren darauf hin, dass dieser Prozess zu einem verlangsamten Wirtschaftswachstum mit Niedriglöhnen führen würde, und schlugen sehr einfache Maßnahmen vor, um diesen Konsequenzen vorzubeugen. Aber die »hauptsächlichen Architekten« der Politik setzten auf die vorhersehbaren Folgen, zu denen auch sehr hohe Profite gehörten.
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