Als die Arbeiter sich organisierten
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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Als die Arbeiter sich organisierten


Die britische Armee musste gegen Aufständische vorgehen, und als die Arbeiter sich organisierten, nahm die Bedrohung konkrete Gestalt an. Die Arbeiterbewegung verlangte Arbeits- und Sozialgesetze, die die Proletarier vor dem neoliberalen Experiment schützen sollten, und stellte noch weitergehende Forderungen. Die Wissenschaft, die glücklicherweise flexibel ist, veränderte sich mit den gewandelten Anschauungen der Elite, die in Reaktion auf die unkontrollierbare Bevölkerung nunmehr entdeckte, dass das Recht auf Leben durch eine Art von Sozialvertrag gesichert werden müsse.

Gegen Ende des 19. Jahrhunderts schien der Frieden wiederhergestellt, aber ein paar Störenfriede gab es immer noch. Der Künstler William Morris verstieß gegen alle guten Sitten, als er sich bei einem Gespräch in Oxford zum Sozialismus bekannte. Er wehrte sich gegen die weitverbreitete Auffassung, die im Konkurrenzsystem (»bei dem der Letzte vom Teufel geholt wird«) die endgültige Perfektionierung der Wirtschaft erblickte, die jedes weitere ökonomische System überflüssig mache. Aber wenn dem so ist, meinte Morris, dann wird »die Zivilisation sterben«. Und daran wollte er, trotz aller gegenteiliger Versicherungen seitens der Gelehrten, nicht glauben.

In den Vereinigten Staaten war mit den »Roaring Twenties« auch die Überzeugung ausgebrochen, dass die Arbeiterbewegung endgültig besiegt und das Utopia der Herrschenden erreicht wäre. Es war ein »höchst undemokratisches Amerika, geschaffen gegen den Widerstand der Arbeiterschaft«, wie David Montgomery, Historiker an der Universität von Yale, bemerkt. Doch erneut wurde zu früh gefeiert.

Schon nach wenigen Jahren war die Bestie wieder aus dem Käfig entwichen, und selbst in den Vereinigten Staaten führte der Kampf der arbeitenden Klassen zu Rechten, die in sehr viel autokratischeren Gesellschaften schon längst gang und gäbe waren. Gleich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs startete die Wirtschaft eine umfassende Propagandaoffensive, um das an die Arbeiterbewegung verlorene Terrain zurückzugewinnen. Gegen Ende der fünfziger Jahre schien das Ziel erreicht. In der Industriegesellschaft sei das »Ende der Ideologien« gekommen, schrieb damals der in Harvard lehrende Soziologe Daniel Bell. Einige Jahre zuvor hatte er noch, als Herausgeber des führenden Wirtschaftsjournals Fortune, vom »schleppenden« Fortgang dieser Propagandakampagnen berichtet.

Wiederum war die Freude verfrüht. Die Ereignisse der sechziger Jahre zeigten, dass die große Bestie immer noch lauerte und bei den »Verantwortungsträgern« erneut die Furcht vor der Demokratie wachrief. Die von David Rockefeller 1973 gegründete Trilaterale Kommission, deren Mitglieder aus Europa, Japan und den USA kamen, widmete ihre erste große Untersuchung der »Krise der Demokratie« in der industriellen Welt, als große Teile der Bevölkerung auf politische Partizipation drängten. Das war für die Kommission natürlich kein Schritt in Richtung Demokratie, sondern ihr »Exzess«.

Man wollte, wie der amerikanische Berichterstatter kommentiert, jene Zeit wiederbeleben, als »Truman in Zusammenarbeit mit einer relativ kleinen Zahl von Anwälten und Bankern der Wall Street das Land regieren konnte«. So nämlich sieht eine wahrhaft »gemäßigte Demokratie« aus. Insbesondere nahm sich die Kommission jener Institutionen an, die ihrer Ansicht nach für die »Indoktrinierung der Jugend« verantwortlich waren: die Schulen, Universitäten und Kirchen. Die Kommission schlug Mittel und Wege vor, mit denen die Disziplin wiederhergestellt, die Öffentlichkeit zum Gehorsam verhalten und die »Krise der Demokratie« somit überwunden werden könne.

Dabei vertraten die Mitglieder der Trilateralen Kommission eher fortschrittliche Ansichten; die Carter-Regierung bestand fast ausschließlich aus »Trilateralen«. Die Rechten schlagen einen viel härteren Kurs ein.

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Letzte Aktualisierung am 20.03.2005

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