Ein Arbeitsplatz muss für einen Unternehmer immer Gewinn bedeuten. Das ist nicht immer sichergestellt! Schon die schwankende Arbeitsleistung des Arbeitnehmers bringt es mit sich, dass die Chancen auf Gewinn des Arbeitgebers schwanken. Sinn macht die Einstellung eines Arbeitnehmers deshalb immer nur dann, wenn der Unternehmer sich "etwas ausrechnen" kann.
So ist es absurd, als Kanzler (Gerhard Schröder) von der Wirtschaft zu fordern, nun endlich Arbeitsplätze zu schaffen. Einen tieferen logischen Absturz hat es seit den lustigen Sprüchen des Heinrich Lübke nicht mehr gegeben.
Doch die Politik glaubt an die strukturelle Notwendigkeit der modernen Konzernherrschaft. Die Überzeugung, Konzernen auf jeder Ebene tief gebückt entgegenkommen zu müssen, ist die Religion des 20. und 21. Jahrhunderts. So hat es tatsächlich einen deutschen Kanzler gegeben, der nichts anderes dem Konzernwesen zu sagen hatte als die höfliche appellative Bitte, doch endlich mal die sozialen Bezüge mit in ihr Denken aufzunehmen.
Warum Wirtschaftsexperten nicht bundesweit wegen Bauchschmerzen zum Arzt mussten, kann nicht ohne weiteres erklärt werden. Normalerweise hätte die Expertengemeinschaft der amtierenden Konzernkaste schrill auflachen müssen. Doch sie hielten sich verkrampft den Mund zu, um nicht die Absurdität dieser Kanzlerbitte zu verraten.
Seit die Große Koalition "an der Macht ist", stehen die Zeiger der wirtschaftlichen Entwicklung wieder im grünen Bereich. Auf wundersame Weise beginnen die Konzerne damit, Steuern aufzubringen, so dass in den Medien Nachrichten von erstaunlich hohen Steuereinnahmen erscheinen. Diese plötzlich erhöhten Steuereinnahmen resultieren aber nicht aus einer besser funktionierenden Wirtschaft. Sie sind Anzeichen dafür, wie die Konzernwelt den (zugegebenermaßen so gut wie nicht mehr) sozialen Kanzler absattelte und die arbeitnehmerfeindliche Organisation konservativer Kräfte nicht nur ins Amt hob, sondern auch noch mit Würden ausstattet.
Die unbändigen Reichtümer, die trotz (oder wegen) der sozialdemokratischen Regierung Schröder in den Taschen der Konzerne aufgehäuft wurden, werden zur Image-Pflege der konservativen Regierung nun - zwar zu kleinsten Teilen, aber wirksam - eingesetzt. Dem Wahlvolk soll suggeriert werden, dass Parteien, die sich rigoros gegen die Arbeiter und für die Arbeitgeber einsetzen, als Regierung einfach mehr Erfolg haben.
Während Millionen Menschen den Verlust ihrer Arbeit von heute auf morgen verkraften müssen, verkommt das Wechselspiel zwischen sozial und asozial eingestellten Regierungen zu einem Kasperle-Theater konzerneigener Manipulation. Der Betrug ist perfekt. Konzerne als nicht untereinander abgestimmte Anzahl einzeln Aktiver treten mit dieser Manipulation als natürlicher Feind der Menschlichkeit auf. Sie reagieren aus ihrem natürlichen Impuls zur Gewinnmaximierung um jeden Preis und unterstützen so unabgesprochen und dennoch konzertiert konservative, neoliberale Politik.
Die bisherige Brutalität der Konzerne gegenüber Arbeitnehmern verhindert jedoch aktuell den weiteren tiefen Einschnitt ins soziale Gefüge der Arbeitswelt. Deswegen ist die Große Koalition auf eine Ersatzhandlung angewiesen und verweigert Diabetikern die bestmögliche Medizin. Irgendwie scheint das Abhängigkeitsverhältnis zwischen Konzernen und konservativer Politik innerlich davon zu leben, dass beide Seiten sich auf eine bestimmte Art und Weise immer wieder einmal entgegen kommen: Du zahlst endlich wenigstens einen Bruchteil der notwendigen Steuern, dafür setze ich ein Exempel für die Rechtlosigkeit der Menschen.
Die glatte Verhöhnung, die in dem Satz "Arbeit macht frei" liegt, wirkt heute fort. Wer Arbeit hat, befindet sich nur im Knast des perfekten Wechselspiels zwischen Konzernwelt und konservativer, neoliberaler Politik.
Dr. I. Götz (Wanja), 18.07.2008