Valeri Götz: Überlegungen zur 30-Sunden-Woche

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Genickbruch der Wachtturmtheologie

Überlegungen zur 30-Stunden-Woche

Bevor man mit dem Vorschlag der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich in der Öffentlichkeit hausieren geht, sollte man alle relevanten Sachverhalte tiefgründiger untersuchen.
  • Überlegung 1:

    Nicht allen Unternehmen geht es so gut, dass sie eine 25-prozentige Personalkostenerhöhung verkraften können und für eine Reihe von Betrieben würde die 30-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich das Aus bedeuten.
  • Überlegung 2:

    Eine Reihe von Unternehmen würde versuchen, die Scharte der 30-Stunden-Woche durch intensive Rationalisierung auszuwetzen und dann vielleicht sogar noch mehr Arbeitskräfte freisetzen.
  • Überlegung 3:

    Andere Unternehmen, denen es möglich ist (zum Beispiel bei Monopolstellungen), würden die Preise ihrer Produkte oder Dienstleistungen erhöhen.
  • Überlegung 4:

    Unternehmen, die die zusätzlichen Kosten verkraften, würden geringere Profite erwirtschaften und somit würde ihr Steueraufkommen für die Allgemeinheit sinken.
  • Überlegung 5:

    Würde man die Forderung der 30-Stunden-Woche allein in Deutschland realisieren, sähen sich zahlreiche Unternehmen gezwungen, ihre Produktion ins Ausland zu verlagern.
Kostenvergleich der Firma Mustermann Januar 2005

40-h-Woche 30-h-Woche
Summe Verkauf 51.973,35 € 51.973,35 €
Summe Einkauf 39.979,50 € 39.979,50 €
Roherlös 11.993,85 € 11.993,85 €
Personalkosten 6.400,00 € 8.000,00 €
Energie 99,85 € 99,85 €
Miete 850,15 € 850,15 €
Fahrzeugkosten 199,00 € 199,00 €
199,00 € 120,00 € 120,00 €
Telefon 80,00 € 80,00 €
Bürobedarf 24,85 € 24,85 €
Sonstige Kosten 7.993,85 € 9.593,85 €
Summe Kosten 7.993,85 € 9.593,85 €
Betriebsergebnis 4.000,00 € 2.400,00 €
Ich frage nun die linken Apologeten der 30-Stunden-Arbeitswoche, in welchem Licht sie jetzt dieses Allheilmittel sehen. Ich kann nur hoffen, dass sie einsichtig sind und zugeben, dass sie sich geirrt haben. Aber somit stehen wir wieder am Anfang. Die Arbeitslosigkeit ist für die Menschen in Deutschland ein riesiges Problem und wir sollten versuchen, einen Ausweg in Form eines Lösungskonzeptes zu finden.

In erster Linie ist die Arbeitslosigkeit ein ökonomisches Problem. Um solch ein Problem zu lösen, muss man über einige ökonomische, kaufmännische und betriebswirtschaftliche Grundkenntnisse verfügen. An einem Beispiel will ich hier verdeutlichen, mit welchen betriebswirtschaftlichen Fakten sich ein kleines Handelsunternehmen Monat für Monat auseinandersetzen muss.

Im Beispiel ist der monatliche Kostenvergleich eines Kleinbetriebes dargestellt. Ein solcher Kostenvergleich ist eine wichtige Betriebsanalyse für den Unternehmer. Moderne betriebswirtschaftliche Software erzeugt diese Analyse nach erfolgten Buchungen automatisch. Anhand des Kostenvergleiches kann der Unternehmer ersehen, welche Entwicklungstendenz sein Betrieb aufweist. Aus dieser Erkenntnis heraus muss er gegebenenfalls Entscheidungen treffen und Maßnahmen einleiten.

Der dargestellte Kostenvergleich gilt für einen Kleinbetrieb mit vier Mitarbeitern. Die Differenz zwischen Verkauf und Einkauf ergibt den Roherlös. Alle anfallenden Kosten sind in der Summe Kosten enthalten. Die Differenz zwischen dem Roherlös und der Summe Kosten stellt das Betriebsergebnis dar. In diesem Kostenvergleich habe ich die Kosten sowohl für die 40-Stunden-Woche als auch für die 30-Stunden-Woche dargestellt.

Im Fall der 30-Stunden-Woche benötigt der Unternehmer eine fünfte Arbeitskraft, um den vollständigen Betriebsablauf zu gewährleisten. Die Personalkosten steigen von 6400 Euro auf 8000 Euro. Somit wird das Betriebsergebnis fast halbiert und der Kleinbetrieb befindet sich nun in einer prekären Situation. Größere Umsatzeinbrüche wird er auch kurzfristig kaum noch verkraften können. Ein kluger Unternehmer wird sich Gedanken machen, wie er den Personalaufwand senken kann. Selbst den Mitarbeitern wäre zuzutrauen, dass sie täglich lieber auf zwei Stunden Freizeit verzichten, also wöchentlich statt dreißig Stunden doch weiterhin vierzig Stunden arbeiten, um nicht in die Arbeitslosigkeit abzugleiten.
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Kommentare:
Junge,
Lohnausgleich bedeutet, dass der Arbeitnehmer entsprechend mehr oder eben weniger verdient. In diesem Fall:

neues Gehalt = altes Gehalt * 30h / 40h = 0,75 * altes Gehalt.

Dein Beispielunternehmen hat genau die gleichen Personalkosten!

Rob, 05.09.2007
Es ist möglich, daß die Effizienz der einzelnen Mitarbeiter immens steigt. Beispiele haben gezeigt, daß bei einer Wochenarbeitszeit von 3 Tagen/Woche die Motivation der Mitarbeiter derart steigt, daß auch höhere Umsätze für das Untenehmen generiert werden können. Eigenverantwortliches Arbeiten, Verbesserung der internen Kommunikation und Einbindung der Mitarbeiter in die Entwicklung des Unternehmens setzten enorme Kapazitäten frei. Der Vergleich mit dem Ausland wegen geringerer Arbeitslöhne hinkt. Das beweisen die vielen Rückläufer. Ausland bleibt Ausland und nicht jeder kann und will dorthin. Die Ansicht mehr Arbeit = mehr Leistung ist nachweislich ein gewaltiger Irrtum. Aber für viele ist es sicherer, die alte Leier zu predigen und den alten Mist nachzumachen als mutig in eine bessere Zukunft zu schreiten.

Detlef Schaar, 30.09.2007
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